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[Gerede] Die Sache mit den örtlichen Buchhandlungen

... oder auch: Mein Buchhandlungsdilemma

Ich bin sicher, darüber haben schon einige gebloggt (ich weiß nur nicht mehr, wer - ihr könnt es mir gerne verraten oder Links zukommen lassen) und im Prinzip werden die meisten von euch das Problem kennen, aber es kribbelt mir schon lange in den Fingern und es ist Zeit, darüber mal ein paar Worte zu verlieren. 

Was meint die überhaupt?

Ich meine damit, dass ich es nicht (mehr?) mag, in Buchhandlungen zu gehen. Das hat vielerlei Gründe, dazu gehört aber nicht, dass ich es nicht mehr mögen würde, zu stöbern. Im Gegenteil, ich liebe es. Zu stöbern. Zu fühlen. Einfach von Büchern umgeben zu sein. Aber. Da ist es, das große Aber. Immer mehr Dinge stören mich dabei. Schon länger, aber in letzter Zeit noch extremer. Ich verrat's euch: 

  1. Es ist immer die gleiche Auswahl. Und das liegt nicht zuletzt daran, dass das große T in meiner Stadt dominiert und offenbar in jeder Filiale die gleichen Bücher führt. Freude darüber, mal in einer anderen Buchhandlung als sonst zu stöbern? Fehlanzeige, schließlich gleicht ein großes T dem anderen. Ich kenne das Sortiment inzwischen wahrscheinlich fast so gut wie die Verkäufer. Zumindest in den Regalen, die ich mir jedes Mal vornehme. Und ganz ehrlich? Die Auswahl ist nicht mal gut. Ihr wisst, ich lese inzwischen auch viel auf englischer Sprache (wobei ich auch die Auswahl an deutschen Büchern dürftig finde). Es gibt eine einzige (große) Filiale, in der das Sortiment an englischen Büchern überhaupt nennenswert ist. Und selbst da finde ich nie die Bücher, die mich interessieren würden. Immer der gleiche Einheitsbrei. Klar sind da auch Bücher drunter, die ich gerne 2x angucke - aber das ist nicht sehr häufig der Fall. Was mich auch schon zu meinem nächsten Punkt führt:

  2. Die Preise. Ich verstehe, dass Buchhandlungen teurer verkaufen als Online-Shops. Aber gleichzeitig muss ich irgendwie mit meinem mickrigen Studenteneinkommen auskommen, mit dem ich irgendwie auch versuche, mir mein Hobby zu finanzieren. Dass ich da möglichst bei jedem Buch versuche, die günstigste Ausgabe zu erwischen, ist sicherlich nicht verwunderlich. Und im Laden kosten die Bücher, die mich ansprechen, nun mal meistens um die 2-3€ mehr. Das gilt natürlich nicht für preisgebundene, deutsche Bücher. Aber selbst die kaufe ich mir aufgrund der gleichen Gründe meistens lieber gebraucht oder ertausche sie mir. Es kommt ganz selten vor, dass ich mir mal ein deutsches Buch zum Neupreis kaufe.

  3. Als ob diese Punkte nicht auch noch reichen würden, kommt dann auch noch Unfreundlichkeit gegenüber Kunden hinzu. Ich möchte nicht pauschalisieren, es gibt immer Ausnahmen. Aber mir ist das nicht nur beim großen T aufgefallen, sondern auch in einer anderen örtlichen Buchhandlung - ich werde entweder nicht beachtet oder wenn, dann nur von oben herab behandelt. Normalerweise würde ich auf einen schlechten Tag tippen. Aber das passiert mit solch einer Regelmäßigkeit, dass es mir inzwischen echt stinkt. Ich bin vielleicht jung und mache euch sicher nicht reich, aber ich habe genauso ein Recht darauf wie alle anderen, freundlich behandelt zu werden. Selbst wenn ich nur bei einer billigen Leselampe nach dem Preis frage.

  4. Was kein riesiger Grund, aber auch schon einige Male aufgefallen ist: die lieblose Sortierung. Manche Bücher stehen so, so falsch. Aber dafür müsste man sich wohl etwas mehr mit ihnen auseinandersetzen.

  5. Keine gute Auswahl an Klassikern ist auch so ein Grund (deckt sich etwas mit 1., aber was soll's). Bei dem einen, großen T kann ich nicht meckern, zugegeben. Aber die anderen Filialen davon in unserer Stadt? Regalweise Erotikromane und die Klassiker nehmen nicht einmal eine ganze Reihe ein. :') Ja, das stört mich. Das ist für mich nicht mehr Literaturliebe, sondern Geldmacherei. Nur danach zu gehen, was sich am meisten verkaufen lässt und nicht danach, welche Bücher Weltliteratur sind und einfach aus Liebe zur Literatur nicht fehlen sollten. Und sei es, damit sie einfach nur hin und wieder in die Hand genommen und wieder zurückgetan werden.

  6. Schlechte Beratung ist mir auch schon öfter aufgefallen. Damals, als ich mir einen E-Reader zulegen wollte und irgendwie mehr wusste als die Mitarbeiterin. Oder auch etliche Male, wenn ich grad am Gucken war und mitgehört hab, wie jemandem "geholfen" wurde. Ich verstehe nicht, warum nicht einfach Leute mit mehr Ahnung eingestellt werden. Die wirklich (und/oder mehr) lesen. Auch hier wieder: keine Pauschalisierungen. Aber ich habe einige interessante Einblicke erleben dürfen, als ich mal 2 Monate beim großen T (bzw. einem E-Reader-Stand von diesem) gejobbt hab. 
Ich finde das alles einfach schade. Etwas, was mir eigentlich so viel bedeutet und Spaß macht, wird mir verdorben. Ich habe tatsächlich einfach keine Lust mehr auf die Buchhandlungen, die es hier so gibt. Dann kaufe ich lieber online - dort habe ich dieses Stöbergefühl zwar nicht, dafür aber die Auswahl, die ich möchte und keine unfreundliche, ausladende Atmosphäre. 

Wie seht ihr das? Habt ihr mehr Glück als ich und schöne Buchhandlungen in erreichbarer Nähe? Vielleicht sogar Dussmann, um den ich jeden Berliner beneide? Oder habt ihr auch schon zunehmend keine Lust mehr, vor Ort Bücher zu kaufen? Es würde mich sehr interessieren, wie das bei euch so ist - vielleicht ballen sich die ganzen unfreundlichen Mitarbeiter ja auch nur in meinen Anlaufstellen. ;)
Habt ein schönes Wochenende!  

Kommentare

  1. Ich muss auch gestehen, dass ich ungern in Buchhandlungen gehe. Wie du schon sagst, englische Bücher sind meistens teurer als wenn ich sie online kaufe und ich bin total sparsam, was Bücher angeht. Darum kaufe ich mir auch meistens nur E-Books. Das tut mir zwar Leid für die Buchhändler, aber ich muss an erster Linie an mich selbst denken, auch wenn das jetzt total egoistisch klingt :) Sorry!
    Ich geh auch nur sehr ungern in Buchhandlungen um "zu stöbern", weil ich weiß, was ich lesen möchte und mir dann auch nichts anderes kaufe :) Wenn ich dann doch mal ein Buch finde, das nicht auf meiner tbr-Liste war, dann vergleich ich erstmal die Preise und schau, wie das Buch bei Goodreads bewertet wurde, bevor ich es kaufe. Ich bin also kein Spontan-Käufer, der sich von gut präsentierten Büchertischen locken lässt oder so.
    Das einzige, was ich mir manchmal ansehe, sind die Mängelexemplare. Da habe ich letztens eines meiner Lieblingsbücher als HC für 5€ bekommen.
    Das mit der Unfreundlichkeit kann ich so bestätigen. Einmal wurde ich doof angemacht, weil ich es "gewagt" habe, einen Mitarbeiter anzusprechen und nicht zur Info gegangen bin. Zu 99% werde ich aber total ignoriert.

    Liebe Grüße
    Nicole ♥

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    1. Das kommt bei mir ebenfalls hinzu, ich bin auch kein Spontan-Käufer. Kann dich also sehr gut verstehen! Und gerade bei englischen E-Books spart man ja oft einiges an Geld (bei den Deutschen finde ich die Preise teilweise unverschämt).
      Liebe Grüße!

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    2. Hallo,
      Mit Interesse habe ich deinen Post gelesen und das aus unterschiedlichen Gründen und Sichtweisen (denn ich bin gelernte Buchhändlerin und habe danach weiter auf Verlagswesen studiert - ergo: ich kenne die Sicht des Buchhandels, der Verlage und die Sicht der Studenten). Ich hätte viele, viele Dinge zu deinem Post zu sagen, da ich allerdings gerade auf dem Sprung bin kommentiere ich vorerst nur die Preise, die du teilweise unverschämt findest. Hierzu habe ich eine Frage: Weshalb empfindest du Sie als unverschämt? Woran bemisst du das? Wenn ich es recht lese beziehst du dich lediglich auf ebooks - wenn du über deren Preise nachdenkst, dann bedenke bitte auch die Arbeit, welche dahinter steckt.... aus beruflichem Interesse würde ich gerne wissen warum du die Preise als zu hoch erachtest. Nur weil es ein digitales Produkt ist?
      LG Töni

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    3. Hallo Töni,
      würde empfehlen, meinen Beitrag und die Kommentare vielleicht nochmal durchzusehen, das war nämlich nicht gemeint. Ich freue mich aber drauf, deine Sichtweise zu erfahren.
      Liebe Grüße!

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  2. Hallo :)

    Meine Erfahrungen mit Buchhandlungen sind zum Glück besser. Zwar hätte ich mir in bestimmten Bereichen gerne mehr Auswahl gewünscht, aber das sind dann eher so Randbereiche, da kann man halt nicht viel erwarten. Ansonsten stratze ich egtl immer nur zur Klassiker-Abteilung und schaue nach, ob es schöne neue Ausgaben gibt. :D Und dann gehts noch hoch zur Geschichte und das wars meistens auch.
    Mit Mitarbeitern kann ich in der Regel nicht schlecht aufeinandertreffen, ich frage nämlich fast nie nach irgendwas. Aber wenn, waren die bis jetzt immer nett.
    Es geht also auch anders, schade, dass es bei dir eher so negativ ausfällt. :/ Die zwei Buchhandlungen, über die ich rede, gehören aber auch nicht dem großen T...

    Viele Grüße :)

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    1. Schön, dass du gegenteilige Erfahrungen gemacht hast - auch wenn ich mich beschwere, ich wünsche mir ja im Grunde nur, dass es nicht so wäre! Nachfragen tu ich auch eher selten etwas, aber wenn, waren die bis jetzt halt leider immer eher weniger freundlich. Und an der Kasse trifft man ja auch auf Mitarbeiter. Ich find's halt irgendwie schade, dass auf der menschlichen Ebene bei den Buchhandlungen in meiner Nähe auf nichts geachtet wird.
      Liebe Grüße!

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  3. Ein sehr guter Beitrag und in vielen Punkten kann ich dir zustimmen, wenn auch nicht in allen. Auch ich kenne größtenteils das große T weil er auch in den kleineren Städten hier vertreten ist. Von so etwas wie Dussmann kann auch ich leider nur träumen. Wo ich dir nicht zustimmen kann ist die Sache mit der Unfreundlichkeit / Beratung. Oft muss ich auch gar nicht einen Mitarbeiter fragen weil ich lieber selber stöbere / suche / finde aber wenn ich es mal tun musste wurde ich meines Wissens immer gut beraten. Da kann ich mich dann mit dem Verkäufer an den Rechner stellen und er sucht mir in der Datenbank das richtige Buch aus und kann es mir dann direkt nach Hause schicken (was natürlich nicht Sinn der Sache ist wenn ich in einen Buchlade gehe, aber nun gut). In 9 von 10 Fällen wurde ich auch gefragt ob ich etwas suche wenn ich im Laden an den Regalen stehe und mich umschaue. Empfehlungen brauche ich in der Regel nicht, also kann ich darauf nicht eingehen. Wo ich dir zu 100% zustimmen kann das ist die Auswahl, vor allem die von Klassikern. Ich kann mich nur an eine Thalia-Filiale erinnern wo ich die Klassiker-Auswahl in Ordnung (wenn auch nicht berauschend) fand, und das war in Erlangen. Ansonsten dominieren wie du sagst Erotik-Schrott, Regional-Krimis (uärgh) und Trivial-Literatur. Es ist schon schade wenn es im Regal extra einen Platz für Max Frisch gibt und da ganz verloren ein einzelnes Exemplar von "Andorra" liegt und sonst nichts. Ebenson bei Thomas Bernhard. Hier muss man allerdings bedenken dass nun mal das in den Laden gestellt wird was sich am meisten verkauft, und wenn sich halt 50 Shades of Brei wie geschnitten Brot verkauft steht ein ganzer Tisch voll damit mitten im Laden. Das ist traurig aber ich kann Thalia nicht vorwerfen Geld verdienen zu wollen. So wenig ich mittlerweile von deren Online-Shop halte so gerne gehe ich in die Filialen, vor allem in den Größeren werde ich eigentlich immer fündig. Vielleicht liegt es aber auch daran dass ich eher selten die Gelegenheit bekomme in einen Buchladen zu gehen und ich deswegen eher bereit bin über Mängel hinwegzusehen.
    Lieblose Sortierung? Ja, auch hier treffe ich immer wieder auf Überraschungen. Leider habe ich momentan kein Beispiel parat aber manchmal habe ich schon vor dem Regel gestanden und wollte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.
    Zu den Preise kann ich leider nichts sagen weil ich in Läden ausschließlich deutsche Bücher kaufe und die ja überall gleich viel kosten. Englische Bücher kaufe ich nur online.

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    1. Nein, sofern es nicht, wie in meinem Beispiel, um den Preis einer Sache geht, frage ich auch nicht nach, dafür weiß ich zu genau, was ich wo finde. Aber ich habe halt schon einige "Beratungsgespräche" zufällig mitgehört und war jedes Mal nicht so begeistert. Vielleicht bin ich auch zu streng, nicht jeder beschäftigt sich auch privat so viel mit Literatur. Aber da sich die ganzen Punkte summieren, stört es mich trotzdem.
      Ich kann auch nicht vorwerfen, dass das, was sich gut verkauft, mehr vertreten ist. Angebot und Nachfrage, klar. Aber gerade bei so einer "Herzensangelegenheit" würde ich mir, wie im Text beschrieben, trotzdem eine gute Auswahl an Weltliteratur wünschen, selbst wenn die nur in die Hand genommen und nicht gekauft wird. Ich finde es lieblos, so wichtige Werke nicht zu führen. :/

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  4. Hallo Elif :)

    Ich war diese Woche zum ersten Mal seit Ewigkeiten mal wieder in einer Buchhandlung und meine Erfahrungen waren dort ganz anders. In den vergangenen Monaten habe ich Bücher immer nur übers Internet bezogen, war in keiner Buchhandlung mehr. Der Besuch diese Woche hat mir nun richtig Lust gemacht wieder öfters in den Laden zu gehen. Ich hatte ein richtig tolles Gespräch mit einer Mitarbeiterin. Die Auslage war recht gut sortiert, auch im Bereich der Klassiker war eine ansehnliche Auswahl. Bei den englischsprachigen Büchern habe nicht nicht nachgesehen, ist nicht wirklich mein Ding.

    Aber alles in Allem war ich schon sehr positiv überrascht. Richtig intensiv war ich in der Kinder- und Jugendbuchabteilung unterwegs. Dort waren die Auslagen teils sogar richtig liebevoll dekoriert. Vielleicht magst du mal einen Besuch in meinem Blog machen, der Beitrag ist sehr aktuelle. Du findest mich hier: http://www.sandraskreativelesezeit.blogspot.com
    Dort siehst du eine Fotocollage (ist meine erste, also noch nicht sooo toll). Im Bereich der Fantasy-Jugendbücher war der Auslagetisch wirklich nett dekoriert mit Drachen, Elfen, Gargoyles und Glaskugeln. Das find ich klasse, da hatte sich wirklich jemand Mühe gegeben.

    Natürlich kenne ich auch die Mitarbeiter, die stets beschäftigt sind (oder zumindest so tun) und kein Interesse an Gesprächen oder guter Beratung haben. Ist aber auch schwierig, wenn sich die Kunden teils besser bei den Büchern auskennen als die Mitarbeiter. Aber alles in Allem war meine Erfahrung speziell in dieser Buchhandlung wirklich positiv.

    lass dir liebe Grüße hier
    Sandra

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    1. Schön, dass du gegenteilige Erfahrungen machen konntest, Sandra :) Ich schaue mich den Beitrag gleich mal an, danke.

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  5. Hey Elif!

    Erst einmal möchte ich sagen, dass es hier ganz toll ausschaut. Das neue Design gefällt mir außerordentlich gut :)

    Und was den Beitrag angeht, da kann ich im Grunde nur sagen: Amen! Ich gehe auch nicht wirklich oft in die Buchhandlung (bei mir ist es nicht das große T, sondern die Kollegen von M), hauptsächlich aus dem Grund, dass die meistens dort einfach nicht die Bücher haben, die ich gerne hätte. Und das nicht nur bei den englischsprachigen Titeln. Obwohl da, die englische Abteilung (genaugenommen, gibt es sogar zwei) einfach immer nur die gleichen Bücher hergibt und dann meistens auch noch als UK-Taschenbücher. Die kaufe ich sehr ungerne, weil ich nicht mag wie steif die Teile immer sind, und man da oft schon Rillen hat, wenn man das Buch zweimal aufgeschlagen hat. Und dann sind die ja auch einfach immer teurer als Online.

    Und bei den deutsche YA-Titeln ist es ja nicht anders, da liegen im Grunde auch immer nur die gleichen Bücher von den gleichen Autoren rum und ja. Aber ich habe kürzlich eine ganz coole Nicht-Ketten-Buchhandlung entdeckt, die ich mir jetzt mal genauer anschauen werde, um einfach mal zu sehen, wie sich da der Service und die Verfügbarkeit englischer Titel darstellt. Aber im Grunde wäre es fast einfach in die USA auszuwandern, dann könnte man sich die ganzen Scherereien sparen xD

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    1. Yaay, danke, Fabian! Das freut mich total. :)
      Ja, genau die Probleme kenne und meine ich eben auch. Es ist einfach schade. :/ Ich hoffe, die neue Buchhandlung, die du entdeckt hast, ist besser! :D Im Grunde wäre es ja schön, wenn wir alle eine tolle Anlaufstelle hätten. Aber es ist wohl auch wirklich nicht einfach, Leute, die sich so gut auskennen aber halt auch viel auf Englisch lesen, zufriedenzustellen.. :D

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  6. Du schreibst mir aus der Seele. Ich gehe inzwischen auch nur noch äußerst selten in Buchhandlungen. Ich komme ja aus Aachen, wo die Mayersche ihren Hauptsitz hat. Früher war ich dort echt gerne, aber letztes Jahr haben die sich stark verkleinert, ca. ein Drittel gehört jetzt Rossmann und noch ein Drittel ist jetzt eine reine Spielzeug Abteilung geworden D:
    Es ist viel zu eng, durch Kindergeschrei viel zu laut und an Büchern findet man fast nur noch Bestseller. Ich versteh ja, dass es dem Buchhandel nicht gut geht, aber so zieht man sicher keine Kunden an. Thalia gibt es hier nicht und Weltbild hat zugemacht. Bei der unabhängigen Buchhandlung hier in meinem Ort fühle ich mich auch nicht richtig wohl, da sie zwar ganz gut sortiert, aber relativ klein ist und ich mich irgendwie immer beobachtet fühle und mit nem schlechten Gewissen gehe, wenn ich mal nichts gekauft habe.
    Bei deutschen Büchern mache ich es mittlerweile so, dass ich die online bei der Mayerschen bestelle. Die schicken auch nach Hause und irgendwie unterstützt man den Buchhandel dann ja auch. Rede ich mir jedenfalls ein ;) Aber bei englischen Büchern schaue ich wirklich auf den Preis und da ist eben Amazon oder Thalia mit ihren Rabattaktionen unschlagbar.
    Wirklich gerne bin ich in Wiesbaden und in Frankfurt immer zu Hugendubel gegangen, die waren echt immer top. Aber Hugendubel gibt es leider nur im süddeutschen Raum.

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    1. Das mit dem Beobachtetfühlen und dem schlechten Gewissen kann ich so gut nachvollziehen! In meiner Nähe gibt es auch kleinre, unabhängige Buchhandlungen, aber ich gehe da nur selten rein, weil ich mich dann einfach schlecht fühle, wie du beschrieben hast. Ein Teufelskreis.
      Bei Online-Bestellungen achte ich ehrlich gesagt nicht wirklich drauf, wo ich bestelle, sondern eher darauf, wo ich am meisten sparen kann. :/
      Hugendubel haben wir hier im Norden neuerdings tatsächlich auch! Aber nur ein kleiner Bereich im Karstadt, der eher spärlich ausgestattet ist. In Hamburg war ich, meine ich, auch mal in einem drin, aber daran erinnere ich mich nicht mehr wirklich. Wahrscheinlich hat man in Großstädten aber auch einfach mehr Glück.

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  7. Ich hab selber Jahre lang im Einzelhandel gearbeitet und weiß wie gefährdet diese Branche in fast allen Bereichen ist. Niemand kann es sich leisten, weder kleine Läden noch große Ketten, schlecht geschulte und dann noch unhöfliche Leute in den Laden zu stellen. Wenn es dann doch häufig passiert (und das fällt mir z.B. in Kosmetikläden wie MAC oder Douglas meist auf), dann ist es fast sicher, dass die Leute ins Netz abwandern.
    Manchmal frage ich mich, ob den Angestellten ihre Lage bewusst ist und dass sie ihre Zukunft so auch mitbeeinflussen.
    Ich arbeite ja im Reisebüro und der Grund, dass die Leute zu mir kommen und nicht im Netz buchen, ist meine Beratung und Erfahrung. Was ist der Mehrwert im Buchladen, wenn die Auswahl dürftig und die Verkäuferinnen Zicken sind?
    Ich kaufe zwar immer noch im selbst im Buchhandel und selten online, muss dir aber echt recht geben, vor allem, was die Ahnung vieler Verkäuferinnen betrifft.

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    1. Ich jobbe nebenbei auch im Einzelhandel und obwohl ich nicht darin ausgebildet bin und das nicht als Hauptbeschäftigung mache, habe ich mir in all den Jahren noch nie rausgenommen, Kunden gegenüber unfreundlich zu sein. Auch wenn ich gestresst bin oder schlechte Laune habe, sobald Kunden vor mir stehen, ist es, als ob sich bei mir ein Schalter umlegt. Ich habe einfach freundlich zu sein. Und wenn ich doch mal neben mir stehe, dann mache ich das transparent und erkläre, dass es daran liegt, dass ich grad so vieles gleichzeitig machen muss zB und darauf reagieren die Kunden in der Regel immer verständnisvoll. Das mit Douglas kann ich auch nur bestätigen. Ich werde da ohnehin jedes Mal behandelt wie ein Alien, der unmöglich Geld dabei haben kann. Deshalb gehe ich nur sehr ungern in die Filialen.

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  8. Ich bin mittlerweile auch an dem Punkt angelangt, an dem ich lieber online stöber und mich dorrt quasi selbst "berate". Leider! Denn ich mag es eigentlich auch immer in Buchläden zu gehen und mich dort umzuschauen. Oft ist es wirklich so, dass viele Verkäufer kaum wissen, was sie im Sortiment haben oder ob es sich überhaupt für einen speziellen Leser eignet. Und die Auswahl an englischen Büchern, ist mir aufgefallen, ist wirklich sehr mager. Liegt vielleicht eben daran, dass die höheren Preise im Laden abschrecken, und sie demnach nicht so gefragt sind. Allerdings finde ich, gibt es wirklich viele, tolle, kleine Buchhandlungen, die zugegeben, etwas versteckt sind, es aber umso mehr Wert sind, besucht zu werden! Man muss nur eben wissen wo sie sind und eventuell in Kauf nehmen, dass sie nicht direkt in der Innenstadt sind, wo eben die gängigen Läden dominieren.

    Grundsätzlich denke ich sollten vorallem große Ketten wie Thalia etc (um es mal beim Namen zu nennen : D) mehr auf Persönlichkeit setzen und nicht nur die gewöhnlichen Bücher rauslegen. Dabei muss ich die Filiale in Bonn wirklich loben, weil ich dort schon das ein oder andere Buch wirklich neu entdeckt habe und die Auswahl dort auch sehr groß ist! Mittlerweile kann man ja auch online nachschauen, ob das gewünschte Buch vor Ort vorhanden ist. Da sieht man schon eine Tendenz, welche Filialen auf mehr Vielfalt setzen. (Kommt natürlich auch auf den Platz an, denn viele Kunden suchen nun mal auch nur die gängigen Bücher, die zum Beispiel gerade auf den Longlists oder Bestenlisten dominieren...)

    Schöner Beitrag übrigens! :)


    Liebe Grüße,
    Karin

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    1. Ja, das ist genau das, was ich meine. :/
      Mit den kleineren, unabhängigen Buchhandlungen gebe ich dir zwar recht (und besuche sie hin und wieder auch), aber da hatte ein paar Kommentare vor dir Lettersalad das Problem sehr gut beschrieben - ich fühle mich einfach auch beobachtet und habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich ohne ein Buch den Laden verlasse. :/

      Hehe, die Möglichkeit, online nach der Verfügbarkeit zu schauen, kannte ich tatsächlich noch nicht, aber ich muss gestehen, mir würde sie nichts bringen, da ich das Sortiment, das mich auch wirklich interessiert, in- und auswendig kenne :'D Und da hat sich seit Monaten nichts Wesentliches geändert...
      Danke sehr und liebe Grüße zurück! :)

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  9. Jetzt kommt mal eine Meinung vom "Feind", denn ich arbeite zufälligerweise als Aushilfe beim großen T und habe vorm Studium auch meine Buchhändlerausbildung absolviert.

    Traurigerweise möchte ich dir an vielen Stellen gar nicht widersprechen, sondern kann nur zustimmen. Das große T hat eine Zentrale, die bestimmt, welche Titel in jeder Filiale vorhanden sein MÜSSEN, die Mitarbeiter haben da also nur ein kleines Mitspracherecht. Abhängig davon wie groß die Buchhandlung ist, werden also noch nebenbei zusätzlich Titel eingekauft, die den Abteilungsleitern persönlich gefallen. Man kann sich aber vorstellen, dass das auch nur funktioniert, wenn die Filiale eine bestimmte größe hat, da die Zentralbestellungen meist sehr üppig ausfallen und kaum Platz für eigene Wünsche übrig lassen. So kommt es leider auch zu kleinen Klassiker-Regalen. In unserer Filiale haben wir noch Glück, da es Kollegen gibt, die diese Abteilung pflegen und dafür sorgen, dass sie immer gefüllt ist. Doch wenn du dir andere Buchhandlungen ansiehst, dann gibt es da vereinzelt überhaupt keine Klassiker. Das finde ich sehr schade.

    Damit kommen wir zum nächsten Punkt: Höflichkeit und Motivation der Mitarbeiter. Aus dem eben genannten Grund kann man ja bereits herleiten, dass die meisten Buchhändler des großen Ts ziemlich unmotiviert sind, da man ihnen jegliche Verantwortung entreißt und sie Bücher verkaufen sollen, die ihnen vielleicht überhaupt nicht gefallen. Dazu kommt der Druck von Oben: Verkaufen, Verkaufen, Verkaufen, ohne Rücksicht auf Verluste und schon begegnet man vielen grummligen Kollegen. Es gibt natürlich viele, die sich davon nicht unterbuttern lassen, aber dann existieren natürlich auch die eben aufgeführten Personen, die einfach nicht mehr wissen, was diese Job noch mit dem von ihnen gelernten Beruf zu tun hat. Ich möchte hier niemanden in Schutz nehmen, denn Höflichkeit tut keinem weh und die Kunden können schließlich nichts für die Situation der Mitarbeiter, aber das sind so Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe (sozusagen hinter den Kulissen) und ich kann dir sagen, dass in den Chefsesseln des großen Ts keine Buchhändler oder Leser sitzen. Das sind alles Geschäftsleute, die vielversprechende Verträge mit großen Verlagen unterschreiben und somit dafür sorgen, was verkauft wird und was nicht. Es ist grässlich, aber leider die Realität in jeder Form von Handelsketten.

    Ein wenig hart finde ich allerdings deine Aussage "warum werden nicht Leute mit mehr Ahnung eingestellt". Ich muss ehrlich gestehen, dass ich keine kompetente Beraterin im Bereich Kinder- und Jugendbuch, Belletristik und Klassikern bin, wenn mich aber jemand etwas zu Krimis fragt, oder noch schlimmer, historische Romane, dann bin ich auch froh, wenn eine Kollegin in der Nähe ist, die in diesem Bereich sehr viel liest und den Kunden besser beraten kann als ich. Die Erwartung des Kunden, dass jeder Buchhändler in jeder Abteilung gleich gut beraten kann, finde ich etwas zu hoch, nicht umsonst sind die Läden in Abteilungen eingeteilt. Natürlich sollte sich jeder überall jedenfalls etwas auskennen, aber es gibt nunmal für alles Spezialisten. Aber wenn du da mal gejobbt hast, müsstest du das ja wissen.

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    1. ich meinte natürlich, dass ich EINE kompetente Beraterin im Kinderbuch etc. bin. sorry auch für die vielen kleinen Tippfehler, die sich eingeschlichen haben ;)

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    2. Ach was, "Feind"! :D Ich finde es extrem bereichern, deine Perspektive zu erfahren! Das mit den Vorgaben der Zentrale habe ich tatsächlich auch schon fast geahnt, also hatte ich mit dem Gefühl recht. Anders kann ich mir auch nicht erklären, dass so gut wie jede Filiale die gleichen Bücher führt. Da kann ich schon besser nachvollziehen, warum bestimmte Genres weniger vertreten sind, aber schade finde ich es dennoch. In diesem Fall geht die Kritik dann an die geldgierige, nüchtern denkende Zentrale. Auch in Bezug auf die Verkaufsstrategien, was ich ebenfalls nicht gut heißen kann - andererseits muss ich dazu sagen, dass ich auch im Einzelhandel jobbe und öfter gejobbt habe und wir haben ebenfalls Druck und Vorgaben. Dennoch mangelt es nie an Kundenfreundlichkeit. Gerade im Einzelhandel sollte man das im Griff haben. :/

      Oh nein, ich erwarte keinesfalls, dass jeder Mitarbeiter in jeder Abteilung fit ist! Das weiß ich natürlich, dass alle ihre Bereiche haben. Aber mir ist eben aufgefallen, dass selbst innerhalb dieser Bereiche die zugeordneten Mitarbeiter nicht immer kompetent beraten und das wiederum finde ich schon eher uncool.
      Danke nochmal für deine "Innenperspektive", ich fand das wirklich bereichernd! :)

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    3. Man müsste mal den Chefs da oben solche Artikel wie deinen zuschicken, damit sie endlich merken, dass ihre Strategien nicht funktionieren. Ich glaube, das große T macht sogar mit Nonbook-Artikeln (also den ganzen Krimskrams drumherum) mehr Umsatz als mit Büchern. Das finde ich schon sehr bedenklich :/

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    4. Wahrscheinlich wäre es denen aber leider ziemlich egal. :/ Ja, die Nonbook-Artikel nehmen auch wirklich sooo einen großen Teil an! "Geschenkabteilung" und der ganze Kram. Finde manches ja auch schon, aber na ja, ob man so viele Yankee Candles verkaufen muss? Bringt halt Kohle :D

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  10. Ich hatte diese Buchhandlungserfahrung diese Woche - also nicht, wegen dem schlechten Service, aber das Sortiment. Es war eine kleine Düsseldorfer Buchhandlung. Aus Platzgründen hätte man nicht erwarten können, dass das Sortiment riesig ist, aber zumindest dass die Regale mehr genutzt werden. Ich war so froh, dass ich mein Buch vorher bestellt habe. Es ist cool, dass man teilweise überall Bücher hinbestellen lassen kann, das macht schon Spaß, andererseits lohnen sich solche Läden nicht zum stöbern.
    Ich hab ebenfalls vor ein paar Monaten einen Beitrag dazu geschrieben wieso ich inzwischen lieber Online shoppe, indem sich einige deiner Punkte wieder finden:
    http://www.kinda-bookish.de/2015/09/kolumne-7-grunde-wieso-ich-online.html

    Das mit der Unfreundlichkeit und der Unterqualifiziertheit fällt mir allerdings nicht nur in Buchhandlungen auf, aber Buchhandlungen sind so speziell, da reicht es nicht nur mal eben ne Aushilfe einzustellen. :/

    Ich finds schade, dass Buchhandlungen es nicht mehr wirklich schaffen Fuß zu fassen. Bei uns in Düsseldorfer macht zum beispiel jetzt der riesige Sternverlag zu. Das ist so traurig, weil das wirklich noch eine Buchhandlung war, in die ich gerne rein gegangen bin und deren Angebot unglaublich war :/ Zudem gehörte sie weder dem großen T noch dem großen M an.

    Liebe Grüße,
    Susanne

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    1. Das Hinbestellen ist natürlich eine gute Möglichkeit, aber ehrlich gesagt spare ich mir das erneute Hinfahren lieber und lass es mir dann eher nach Hause schicken. :/ Ah genau, du hattest auch einen ähnlichen Beitrag geschrieben! Ich erinnere mich wieder :)

      Ja, die Unfreundlichkeit und Unterqualifiziertheit ist leider keine Seltenheit. Wobei ich das nicht unbedingt auf die Art der Beschäftigung (Aushilfe etc) schieben würde - viel mehr habe ich das Gefühl, dass die meisten Filialen eher auf andere Faktoren achten und weniger darauf, ob sich der- oder diejenige auch privat mit Literatur beschäftigt. Ja, da spricht auch ein bisschen die Bitterkeit, weil ich nie richtig gewollt wurde, trotz vieler Bewerbungen... :'D

      Schade finde ich das auch, aber ich glaube, durch viele unserer genannten Punkte machen sie sich auch keinen Gefallen :( Den Sternverlag kenne ich nicht, das klingt wirklich nach einer schönen Buchhandlung. Aber bei denen, die ich halt kenne, müsste viel mehr auf die menschliche Ebene geachtet werden, damit die Kunden gerne hingehen.

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  11. Zunächst möchte ich dir sagen, dass ich diesen Beitrag gestern schon gelesen habe und wirklich sprachlos war. Nun hat er mich seitdem nicht mehr losgelassen und ich muss auch mal etwas dazu sagen. Ich habe Buchhändlerin gelernt und 3 1/2 Jahre in dieser Branche verbracht. Da ich meine Ausbildung in einer familiengeführten Buchhandlung gemacht habe kann ich zu einigen Dingen, die die großen betreffen, nichts sagen. Ich kann dir/ euch aber versichern, dass die Buchhändler in all diesen Buchhandlungen auch viele tolle Ideen im Kopf haben und viele Dinge gerne ändern würden und einige Dinge wiederum nicht ändern können. Die Preise werden nicht von den Buchhandlungen gemacht! Auch nicht die der nicht preisgebundenen Artikel. Bei den großen ist es, wie schon von anderen gesagt, die Zentrale, die für ALLE Filialen einkauft und aufgrund der großen Menge natürlich auch günstig verkaufen kann, bei den kleinen sind es die Großhändler ( Libri, KNV, Umbreit ) über die eingekauft wird. Und was englische Bücher betrifft: Genau das Argument was ihr nennt online zu kaufen und nicht in die Buchhandlung zu gehen ist der Grund warum das Sortiment in dem Bereich meistens eher dürftig ausfällt.Buchhandlungen können es sich nicht erlauben Platz für Genres zu reservieren, die keine bzw nicht genügend Abnehmer haben. Wo wir auch schon zum Thema Klassiker kommen. Ich finde Schmuckausgaben auch klasse und lese gerne Klassiker. Doch die meisten tun dies leider nicht, was dafür sorgt das von 10 Kunden nur 1-2 nach so etwas fragen. Übrigens arbeiten viele kleine Buchhandlungen mit sogenannten Regalmanagern ihrer Großhändler. Das bedeutet, die Buchhändler entscheiden nicht welche Titel zb an Englischsprachigen im Regal stehen, sondern bekommen es vorgegeben! Auch ein Buchhändler rollt entnervt die Augen, wenn er die tausendste Ausgabe The Hunger Games in der Kiste vorfindet!Was die Freundlichkeit betrifft muss ich dir leider auch ein bisschen recht geben, doch sollte man auch ein bisschen bedenken, dass da oben in den Chefsesseln Menschen sitzen, die meistens von dem was in der Buchhandlung vor sich geht keine Ahnung haben und die Mitarbeiter einfach permanent daran einnern, dass sie verkaufen,verkaufen,verkaufen müssen. Das eben diese Vorgaben geben, die umgesetzt werden müssen und den Buchhändler in seiner Handlungsfreiheit einschränken. Wir lieben diesen Job und wir lieben es, dass unsere Kunden die Liebe zum Buch mit uns teilen und es macht uns traurig, dass wir unsere Kreativität und unseren Ideenreichtum nicht voll ausleben können und Buchliebhaber sich an diesem wundervollen Ort nicht mehr wohl fühlen!

    Was muss der Buchhandel eurer Meinung nach tun damit ihr euch wieder wohl fühlt? Stellt euch vor, ihr würdet als Buchhändler arbeiten. Was würdet ihr in der Buchhandlung tun damit eure Kunden gerne kommen? :)

    Und da ihr zu großen Teilen Dussmann so lobt ( auch ich liebe diese Buchhandlung!!!) : Was macht Dussmann anders oder besser als die anderen? Aus welchen Gründen geht ihr dort lieber hin?

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    1. Danke erstmal für den anregenden Kommentar! Ich verstehe, dass man sich als Buchhändler jetzt vielleicht auf den Schlips getreten fühlt. Das war nicht meine Absicht und deshalb habe ich auch mehrmals hervorgehoben, dass ich nicht pauschalisieren möchte. Und viele der Gründe sind nicht auf die Mitarbeiter zurückzuführen, es war keinesfalls meine Absicht, alle Schuld bei diesen zu suchen! Auf die Mitarbeiter trifft wohl vor allem die Unfreundlichkeit zu; und da kann ich ehrlich gesagt keine großen Ausreden akzeptieren. Ich jobbe auch im Einzelhandel, meine Kollegen arbeiten Vollzeit, wir haben ebenfalls Druck und Auflagen, aber wir würden nie auf die Idee kommen, Kunden unfreundlich zu behandeln. Das hat etwas mit der Arbeitsmoral und -atmosphäre zu tun und ist etwas, was jeder selbst in der Hand hat.
      Und ich glaube dir vollkommen, dass es bei dir um die Liebe zum Buch geht und du vieles gerne anders ausleben würdest! Meine Eindrücke in den Buchhandlungen, die ich kenne, sind nur leider andere. Die Liebe zum Buch ist eben leider nicht bei jedem Buchhändler vorhanden; oft eben bei den großen Ketten.
      Den Teufelskreis mit den "Nischenbüchern" wie Klassiker oder engl. Literatur sehe ich ja auch ein. Aber da sehe ich mich als Kunde mit wenig Budget ehrlich gesagt nicht als Retter - an erster Stelle denke ich da an mein Konto, nicht an die Buchhandlungen, so leid es mir tut.

      Ich fänd es in Buchhandlungen zunächst einmal sehr angenehm, für voll genommen zu werden. Noch nie hatte ich ein nettes Gespräch über ein Buch mit einer/m Mitarbeiter/in. Ich finde es überhaupt nicht schlimm, wenn jemand auf mich zukommt und ein Gespräch anfängt; im Gegenteil, gerade bei Büchern fänd ich es schön, sich auszutauschen. Und eben eine persönliche Ebene aufzubauen. Wie gerne hätte ich eine Anlaufstelle, die mich motiviert, wiederzukommen. Und gerade bei kleinen Buchhandlungen kann man bestimmt auch Namen von Stammkunden lernen. Ich persönlich träume davon. Ein paar nette Sessel und ein Kaffeeautomat sind bestimmt auch nicht verkehrt.. aber da geht jetzt wirklich die Träumerei mit mir durch :D
      Bei Dussmann bewundere ich einfach die riesige Auswahl. Ich verstehe, dass das nicht bei allen Buchhandlungen möglich ist. Aber manchmal muss man etwas riskieren, denke ich. Bücher, die vielleicht noch nie angefragt wurden, aber sicherlich durch schöne Aufmachung bestechen würden, führen. Aber ich bin da auch kein Experte - war bisher nur einmal drin und bewundere sonst nur die Fotos von den vielen Penguin English Library-Editionen und weiteren tollen Ausgaben. :) Aber ich gebe die Frage gerne weiter! Und danke nochmal für den Kommentar. Ich will schließlich nicht nur stänkern; ich freue mich, wenn es gegenteilige Beispiele gibt, sowie Menschen, die es noch besser machen möchten!

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    2. Noch nie ein nettes Gespräch mit Mitarbeitern über Bücher ? Was sind denn das für Menschen ? Ich habe eine Ausbildung in einer inhabergeführten Buchhandlung gemacht, und wenn ich von dem Genre Ahnung hatte, liebend gern mit Kunden diskutiert (außer im Weihnachtsgeschäft, was aber sowieso eine Ausnahmesituation ist). Ich bin über Facebook auf dieses Beitrag gestoßen, den ich gerade für mich als Mensch von der anderen Seite der Ladentheke sehr interessant finde. In einem Punkt muss ich aber ganz laut meckern: Online-Shops haben NICHT andere Preise bei deutschen Büchern als der Handel ! Entschuldigung, aber ich hasse diese weit verbreitete Annahme dezent. Der stationäre Buchhändler darf an den Preisen gar nicht drehen (wie bereits von Mintasticxo angemerkt), also bitte verurteile uns nicht dafür. Zum Thema Geldgeilheit: ich hatte, da wir ein kleiner Laden waren, gute Einblicke in unsere Finanzsituation. Wenn du als Laden nicht in einer Top-Lage bist, ist es ganz schwer, einigermaßen gewinnbringend zu wirtschaften. Als Inhaber steht man aber meißt sechs Tage die Woche neun Stunden und länger auf Arbeit, reißt sich den Hintern auf, organisiert Events, muss bei jeder Dreistigkeit (ja, es gibt auch wirklich schlimme Kunden) immer freundlich bleiben, den Laden sauber und einladend halten und nebenbei noch alle Neuigkeiten der Branche im Blick behalten - bzw. sollte man dies alles tun. Ein wenig mehr als nur eine schwarze Null am Monatsende wäre also schon wünschenswert. Und wenn ich jedesmal Hacke auf Spitze planen muss, um über die Runden zu kommen, überlege ich es mir sehr, ob ich unbedingt ein Regal schlecht gehender Klassiker brauche nur aus Prestigegründen. Würdest du denn höhere Preise in Kauf nehmen, wenn du dafür auch einen weniger discountermäßigen Laden vorfindest ? Und, weil du es oft erwähnst, welche Bücher sollten denn im Laden vorhanden sein, damit du hineingehst ?

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    3. Ich zitiere aus meinem Beitrag: "Das gilt natürlich nicht für preisgebundene, deutsche Bücher."
      Entschuldige, aber so unwissend bin ich auch nicht. Es ist mir klar, dass das nicht von Buchhändlern beeinflussbar ist. Und wie ich schon schrieb, selbst die Preise bei den nicht-preisgebundenen Büchern verstehe ich; aber ich muss an der Stelle eher an mich und mein Studentenbudget denken als an den Laden, in dem ich ohnehin nicht mit Freundlichkeit begegnet werde.
      Ich kann gut nachvollziehen, wie erschöpfend das sein muss. Ich arbeite nebenher auch im Einzelhandel, nicht 6 Tage die Woche, aber neben einem quasi-Vollzeitjob namens Uni ist das ebenfalls zehrend. Trotzdem bin ich ausnahmslos immer freundlich und höflich zu meinen Kunden und jederzeit für ein nettes Gespräch bereit.

      Die Klassiker sollte man m.E. auch nicht aus Prestigegründen führen. Sondern einfach, weil sie es verdienen, vertreten zu sein, in die Hand genommen zu werden. Und beim Verkauf hilft es sicher, besonders schöne Ausgaben zu führen.
      Ich würde mich unfassbar freuen, im Buchhandel mal eine nennenswerte Auswahl an Penguin English Library-Editionen zu sehen. Außerdem Neuerscheinungen aus dem englischen Sprachraum im Young Adult-Bereich. Bücher, die so viele in meinem (teilweise virtuellen) Umfeld lesen wie "Six Of Crows", "Winter", die Romane von Rainbow Rowell, "Uprooted", die Bücher von V.E.Schwab oder Sarah J. Maas habe ich noch nie im Laden gesehen. Was demnächst erscheint und mir wichtig wäre, habe ich zum Beispiel auch im letzten Post aufgelistet. Aber das sind sehr subjektive Beispiele (bei denen ich trotzdem überzeugt bin, sie würden sich verkaufen). Und wenn ich eine Anlaufstelle hätte, die eine gute Auswahl und freundliche Mitarbeiter hat, dann ja, dann wäre ich auch durchaus bereit etwas mehr zu zahlen.

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    4. Alles gut Elif, ich habe mich nicht wirklich auf den Schlips getreten gefühlt. Ich finde es gut und wichtig, dass dieser Post entstanden ist und das so zahlreich kommentiert wird und so viele verschiedene Meinungen und Erfahrungen zusammen kommen. Jeder sollte hier das Recht haben seine Meinung offen zu sagen und auch auf die Meinung der anderen zu antworten, ohne das man sich hier persönlich angreift.

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    5. Schön, dass du das auch so siehst. :)

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  12. Oh je, du scheinst da ja wirklich einige miserable Erfahrungen gemacht zu haben. Ich kaufe selbst auch öfter im Internet als im Laden, das liegt aber (glücklicherweise!) nicht an den unhöflichen Verkäufern oder der miserablen Auswahl (ob das bei Hugendubel, der hier bei uns eher vertreten ist als Thalia, einfach besser funktioniert oder ob es einfach daran liegt, dass ich meistens in der größten Filiale bin?) sondern eher daran, dass ich meistens englische Bücher lese und die - wie du schon gesagt hast - im Internet einfach billiger sind.
    Es gibt allerdings bei meiner Uni einen total gemütlichen kleinen englischen Buchladen, der für seine Größe eine wirklich bemerkenswerte Auswahl hat und in dem ich wahnsinnig gern stöbere, in dem ich ab und zu auch mal zwei, drei Euro mehr zahle, einfach nur, weil es mir da so gut gefällt. Es kommt natürlich auch immer darauf an, wie viel teurer die Bücher im Laden sind - zwei Euro zum Beispiel sind es mir vielleicht schon einmal wert, dafür, dass ich nicht nur den lokalen Buchhandel unterstütze sondern das Buch auch gleich mitnehmen kann, aber das geht natürlich auch krasser - einmal habe ich im Hugendubel das englische Hardcover von Stephen Kings "Revival" für 29,90€ gesehen und mal bei Amazon nachgeschaut, weil mir der Preis derart hoch vorkam und das gleiche Buch dort ungelogen für 12€ gefunden. Klar, vielleicht müssen Buchläden englische Bücher etwas teurer verkaufen, weil die Beschaffung für sie teurer sind, aber das finde ich dann doch irgendwie unverschämt. :'D
    Ihr macht mich mit eurem Gerede über Dussmann übrigens alle total neidisch - wenn ich irgendwann mal in Berlin bin werde ich dort ganz sicher mal reingehen. :D

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    1. Das klingt nach einem tollen kleinen Laden, sowas hätte ich auch zu gern in meiner Nähe :) Das mit den Preisen für englische Hardcover ist mir tatsächlich auch mal aufgefallen, jetzt, wo du es sagst. Vielleicht werden die Preise zu Erscheinen draufgepappt und später, wenn die Preise runtergehen, nicht mehr angepasst?
      Jaa, Dussmann ist toll! Ich war da aber vor 6 Jahren oder so, würde also liebend gerne nochmal richtig stöbern. :')

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  13. Bei einigen Punkten stimmen unsere Erfahren überein - zumindest was das große T anbelangt. Ich gehe zwar jedes Mal wieder in den Laden bei uns in MD, aber die Auswahl ist jedes Mal so verdammt eintönig, dass ich so manches Mal etwas entnervt wieder gehe. Die englische Sektion hat sich inzwischen dort vergrößert und auch die Auswahl ist eigentlich in Ordnung. Allerdings ändert sie sich nur sehr, sehr selten bei super gehypten Büchern (wie die Selection-Bücher). Und ja, die Preise sind dort wirklich intensiver, aber solange ich finde, was ich wirklich suche und dringend brauche, nehme ich das in Kauf. Vom Service kann ich mich dort allerdings nicht beschweren - immer freundlich, sehr hilfsbereit und suchen auch das Gespräch mit dem Kunden.
    Ein tolles Erlebnis hatte ich mit einem Second Hand Buchladen in Potsdam. Toller Kontakt mit der Verkäuferin, super Auswahl, man konnte so lange dort stöbern - ein Traum! Dussmann ist natürlich auch super, da war ich bisher auch nur ein Mal. Aber diese Auswahl war ziemlich beeindruckend. Allein für Atmosphäre und vielfältiges Angebot bleibe ich länge und kaufe mit Sicherheit ein, zwei Bücher ein bzw. bezahle gern etwas mehr statt online zu bestellen. Leider sind solche Buchläden in dieser Ausführung viel zu selten. :(

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    1. Wenigstens mangelt es da nicht an Freundlichkeit, das stört mich insgesamt nämlich am meisten, bei den anderen Punkten gibt es ja teilweise gute Gründe. Ich war noch nie in einem Second Hand Buchladen, nur mal in einem Antiquariat, aber das war eher nicht meins. Second Hand Buchladen klingt irgendwie toll. :D
      Ja, ich war auch erst einmal im Dussmann, gäbe es sowas aber auch hier vor Ort, wäre ich da viel öfter und würde auch mehr kaufen. :(

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  14. Liebe Lese-Freunde -Teil 1-,
    ich komme ebenfalls aus dem Buchhandel. Ich kann alle angesprochenen Punkte gut nachempfinden. Hier ein paar Denkanstöße:

    1. Alle möchten in einer Buchhandlung freundlich, höflich und vor Allem kompetent beraten werden. Logisch - wer will das nicht? Es gibt viele literarisch höchst bewanderte Buchhändler, die ihre Kunden gerne intensiv beraten, immer up-to-date sind und für jede Gelegenheit einen Geheimtipp parat haben. Leider gerät bei diesem "Typ" Buchhändler die Wirtschaftlichkeit aus dem Fokus und wenn sobald sich weitere Kunden einfinden. Des Weiteren straft der literarische Buchhändler den typisch deutschen Leser (Lieblingsbuch Shades of Grey) eher mit Verachtung. Der Leseratten-Buchhändler ist ebenfalls weit verbreitet. Dieser ist von freundlicher Natur, hat jedoch meist weder verkäuferische Ambitionen noch entsprechende Fähigkeiten - Leseratte will Lesen nicht verkaufen... Daher wurde vor Allem in den großen Buchhandelsketten umgeschwenkt auf sozialkompatible, immerfreundliche Persönlichkeiten, denen eine ansatzweise wirtschaftliche Denkweise nicht fremd ist. Knackpunkt ist hier, dass oft kein allzu lesefreundlicher Hintergrund besteht (Diese Kategorie Buchhändler steht dann meist lächelnd hinter der Kasse, weil das literarische Kollegenquartett sie mit noch größerer Verachtung beäugt, wie ihre Kunden). Klar gibt es auch einfach Arschlöcher - aber das ist nun wirklich nicht Buchhändler spezifisch. Also immer daran denken: Welche Ansprüche habe ich an einen Buchhändler und ist es überhaupt möglich diesen Ansprüchen branchenweit gerecht zu werden?

    2. Buchhandlung = Bibliothek = Charitas
    In meiner ganzen Buchhändler-Karriere wurde ich genau zweimal nach Klassikern gefragt, die nicht für die Schule/Studium als Lektüre gesucht wurden. ZWEI MAL. Ich bin also Buchhändler und als solcher liebe ich schöne Bücher. Wirklich. Und nun sehe ich eine schöne gebundene Ausgabe von einem bekannten Klassiker: Schöner, hochwertiger, cremefarbener Leineneinband, tolle Ausstattung, Verkaufspreis 60 Euro. Die Ausgabe wird von einem kleinen Verlag herausgegeben, der mir leider nur 25% Rabatt gewähren kann. Das heißt, mein Einkaufspreis für das Buch sind 45 Euro. Der Verlag schickt mir das Buch per Post zu - es ist schwer, deshalb als Paket - Kosten 5-7 Euro. Das Buch steht jetzt schön im Regal, extra frontal, damit es direkt ins Auge fällt. Der zweite Kunde, der es sieht, möchte mal reinschauen - ich mache die Folie ab, der Kunde blättert ein bißchen und kauft es nicht. Nach 6 Monaten steht das Buch immernoch im Regal. Der Einband ist mittlerweile schmutzig, weil jeder das echt schöne Buch anfassen möchte. Kaufen will es jetzt niemand mehr. Außer als Mängelexemplar für 5 Euro. Der Verlag nimmt es auch nicht mehr zurück, weil es schmutzig ist und ich das Buch eben nach 6 Monaten nicht mehr zurückschicken kann. Deswegen sieht man kaum noch Klassiker in Buchhandlungen. Bei Büchern gibt es keine Gewinnspanne von 150% oder ähnliches. Für jedes Buch, dass nur im Regal steht, weil es eine Daseinsberechtigung als Klassiker, schönes Buch, Geheimtipp usw. hat, sich aber in einem Jahr nur 1x verkauft, zahlt der Buchhändler drauf. Also bitte bedenken: Nicht jeder Buchhändler ist vermögend bzw. eine belesene Frau mit reichem Ehemann. Die großen Buchhandelsketten sind nicht einfach nur geldgierig - sie tragen auch eine Verantwortung ihren Angestellten gegenüber. Wenn die Ketten also nicht wirtschaftlich arbeiten gehen sie pleite und die Buchhändler werden arbeitslos.

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  15. Liebe Lese-Freunde -Teil 2-,
    3. Englische Bücher und Amazon
    90% der Kunden, die mir im Buchladen Amazon vor die Nase gehalten haben, haben ihre Augen nicht offen gehabt. Das ist Fakt. Meistens wurde nicht beachtet, dass die Titel Importe aus UK oder USA sind, die 2-6 Wochen Lieferzeit haben oder dass die Preise für gebrauchte Bücher sind oder dass es sich um eine andere Ausgabe handelt oderoderoder... Fakt ist Amazon kauft englischsprachige Bücher in Massen ein. Dabei werden die Verlage von Amazon massiv unter Druck gesetzt, um einen niedrigen Einkaufspreis zu bekommen. Jetzt mal ehrlich - welche Buchhandlung soll dabei denn mitspielen? Oder sollen die Buchhändler auch bei den englischsprachigen Titeln Verluste machen? Die 2-3 Euro, die die Bücher in der Buchhandlung vielleicht teurer sind, sind in der Regel, das Einzige, was der Buchhändler daran verdient - wenn überhaupt! Aldi kauft seine H-Milch auch nicht für 55 Cent ein und verkauft sie auch für 55 Cent...

    Nicht nur der Buchhandel merkt, dass wir als Kunden immer anspruchsvoller werden: Niedrigere Preise, längere Öffnungszeiten, immerwährende Freundlichkeit, kompetentes und zahlreiches Personal. Wenn wir im Internet kaufen sind wir die Einzigen im Laden und haben alle Aufmerksamkeit. Im Geschäft fällt uns plötzlich auf, dass wir nicht mehr allein sind und dass jeder Kunde gerne König sein möchte. Immer öfter fällt uns das leider nicht mehr auf...

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    1. Hallo und danke erstmal für die Einblicke!
      Zu 1) Ich denke, du hast es bewusst überspitzt dargestellt. Ich kenne einige Menschen, die sowohl gut verkaufen können und im Einzelhandel arbeiter, die gleichzeitig belesen sind. Und ich beziehe mich ja wie gesagt nicht auf alle Buchhandlungen, die es gibt, aber in denen, die ich regelmäßig besuche, ist es wirklich auffällig mit der Unfreundlichkeit und Unkenntnis. Da kann man diskutieren, so viel man will, du hast andere Einblicke und Eindrücke und ich ebenso. :) Meine Ansprüche sind dahingehend nicht zu hoch.

      Zu 2) Die Verantwortung in allen Ehren, ich rede nicht von so teuren Ausgaben. Ich kenne Buchhandlungen, die ganze FÜNF Klassiker im gar nicht so kleinen Laden haben. Und es gibt etliche schöne Ausgaben für SEHR wenig Geld. Allein im Deutschen die Anaconda-Bücher.

      Zu 3) Ich schrieb schon mehrmals, dass ich die Preise VERSTEHE. Trotzdem denke ich da eher an mein mickriges Budget. Und wenn ich dann auch noch eine Buchhandlung mit UNFREUNDLICHEN Mitarbeitern unterstützen soll, lasse ich es lieber. Würde ich mich in einer Filiale endlich mal wohlfühlen und nicht so unwillkommen, dann würde ich die 2-3€ mehr sicher auch mal öfter in Kauf nehmen.

      Deinen letzten Absatz finde ich eindrucksvoll. Ich kann ihn auch ein Stück weit nachvollziehen. Aber ich habe auch Einblicke in den Einzelhandel, habe schon oft in welchen gearbeitet und tue es auch im Moment. Und man kann das durchaus schaffen, trotzdem freundlich zu sein und sich gegen Online Shops zu behaupten. Deshalb zieht die Ausrede bei mir nicht wirklich..

      Auch wenn wir nicht einer Meinung sind, danke für den Beitrag.

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  16. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  17. Bis auf die Klassiker kann ich dir in jedem Punkt zustimmen. Hier bei mir gibt es nur Hugendubel als Buchhandlung, Thalia ist seit letztem Jahr weg und Weltbild gibt es auch nicht mehr von kleinen Läden erst gar nicht zu sprechen. Jedesmal gibt die gleichen uninteressanten Bücher, die jeder kennt. Englische Bücher auch nur die typischen wie Panem und Co. und wenn ich mal englische Bücher darüber kaufe muss ich auch so lange warten. Außerdem sind die englischen Bücher auch so teuer geworden in letzter Zeit und dort nochmal teurer als es sowieso schon ist.
    Mir sind die Mitarbeiter vor allem bei Thalia auch negativ aufgefallen. Die haben sich nicht für ihre Kunden interessiert und wenn man sie angesprochen hat gab es auch nur uninteressierte Antworten und schon sind die weitergegangen.
    Allgemein habe ich das Gefühl, dass die Mitarbeiter dort gar nicht an Bücher interessiert sind und nur gezwungenermaßen dort arbeiten.

    Liebe Grüße
    May

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  18. Ich kann dir in vielen Belangen zustimmen bei dem Beitrag, denke aber auch, dass es (wie du schreibst) schon sehr auf die Auswahl an Buchhandlungen ankommt. Zu T. gehe ich auch nicht besonders gerne, weil ich die Auswahl da ähnlich blöd finde, die Sortierung etwas fehlt, alles sehr anonym ist etc. Dussman ist sehr groß und bezüglich Anonymität auch nicht immer hervorragend - und auch dort habe ich schon komische Beratungen miterlebt bzw. davon gehört (ich glaube Miss Bookiverse musste mal "dazwischengehen" weil einem Kunden der zweite Teil einer Reihe empfohlen wurde, obwohl dieser noch nicht mal den ersten kannte). Unfehlbar sind die also auch nicht, aber dort ist die Auswahl gut, bei den deutschen sowie bei den englischen und allen möglichen Sachbüchern.
    Ansonsten kenne ich in Dresden eine tolle Buchhandlung (dort kriegt man zum Stöbern einen Kaffee oder Tee angeboten, für den man, wenn man möchte, in einer kleinen Teetasse Geld da lassen kann oder aber auch nicht), in der es zwar eine relativ kleine Auswahl gibt, aber bisher wurde ich dort IMMER gut beraten. Außerdem nutzen die libri als Großhändler, sodass ich mir englische Bücher einfach manchmal dorthin bestelle und über die kaufe (wobei in letzter Zeit die Preisunterschiede immer krasser geworden sind zu Thalia Onlinebestellen oder so). In Berlin kenne ich eine richtig gute deutsche und zwei schöne englische Buchhandlungen neben Dussmann, die auch unabhängig geführt sind. Auch da wurde ich bisher immer toll beraten, bei der deutschen Buchhandlung ist mir das besonders im Jugendbuchbereich aufgefallen. Da wurde ich nicht mal komisch angeschaut, weil ich als eindeutig nicht-mehr-Jugendliche etwas kaufen wollte und bin in richtig nette Gespräche gekommen. Das sind aber auch ziemliche Ausnahmen. Mich stört bei den großen geführten Buchhandlungen auch einfach die Atmosphäre. Da ist nichts gemütlich eingerichtet, sodass man mal länger dableiben möchte zum Stöbern, sondern alles vergleichsweise steril gehalten? Das fand ich allein in England in den großen Waterstones schon besser gelöst.
    Ich finde deinen Beitrag auf jeden Fall sehr interessant und irgendwie erleichtert es mich gerade ein bisschen, dass es mir nicht nur so geht. Ich habe im vergangenen Jahr recht viel online gekauft (nur in London nicht und ab und zu auch bei Dussmann mal was) und dabei ist mir im Nachhinein nicht besonders wohl. Allerdings habe ich mich auch gefragt, woran das liegt, und bei dir auf der Liste kann ich da so einige Punkte wiederfinden.

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  19. Hallo liebe Elif,
    Leider hab ich keine Zeit alle Kommentare durch zu lesen ;)muss gleich wieder in die Buchhandlung.
    Ich habe deinen Text interessiert gelesen und werde ihn mir zu Herzen nehmen .Manche Sachen waren mir gar nicht bewusst .Gleichzeitig bin ich erstaunt wieviele es ähnlich sehen wie du .Was mir aber als Buchhändlerin mit Leib und Seele auf dem Herzen liegt :Es wurde kaum erwähnt das wir ja die von Euch Lesern vermissten Bücher meist auf den nächsten Tag bestellen können und auch so mit bekommen würden was euch interessiert. Englische Bücher mal ausgenommen, da verstehe ich den Kosten Punkt. Ich finde es schade das du so schlechte Erfahrungen gemacht hast .Für mich als Buchhändlerin steht immer an erster Stelle die Freundlichkeit.Denn natürlich kommt es vor,das mein Gegenüber sogar belesener ist wie ich. Aber dann lerne auch ich noch etwas dazu und genau das liebe ich an diesem Job ...Jeden Tag neuer Input..Durch Bücher und Menschen Ganz liebe Grüße
    (Sorry falls Kauderwelsch.-nur schnell am Handy getippt)

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    1. Liebe Sindy,
      danke für deinen überraschenden Kommentar, ich hätte nicht gedacht, dass dieser Post nochmal ausgegraben wird. Aber scheinbar ist es noch ein Bedürfnis, darüber zu reden. :)
      Zum Punkt "Freundlichkeit" könnte ich mittlerweile sogar noch mehr erzählen; sowohl Erfahrungen, die ich, als auch welche, die Freundinnen gemacht haben. Das ist wirklich sehr schade, damit kann ich aber nur für die Buchhandlungen in meiner Umgebung sprechen und möchte das auch gar nicht auf andere münzen.
      Zum Punkt mit den Bestellungen - ich weiß, dass das sehr schnell geht, aber ich brauche mit den öffentlichen Verkehrsmitteln eine Dreiviertelstunde zur nächsten Buchhandlung und mit dem Auto fahre ich auch lange und aus ökonomischer Sicht ungerne Umwege; nach wie vor denke ich da an mein Studentenbudget. Außerdem bietet die Bestellmöglichkeit ja nur das gleiche wie Online Shops - im Sinne von: ich kann nicht stöbern. Das würde ich aber zu gerne in einer schön ausgestatteten Buchhandlung. Durch die Reihen gehen, dieses und jenes Buch herausnehmen, darin blättern - bestellen kann ich nur gezielt, eine Auswahl fernab des Mainstreams würde aber für ein viel schöneres Stöbererlebnis sorgen. Davon sollten Buchhandlungen doch profitieren können, das ist das, was Online Shops nicht bieten können. Und bei einer immer gleichen Auswahl ist das mühselig.
      Liebe Grüße zurück. :)

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  20. Also, ich kann deinen Post nur ein wenig nachvollziehen.
    1. Die Auswahl. Ich habe selbst auch in einer Buchhandlung gearbeitet und weiß daher, wie schwierig es ist die richtige Auswahl zu treffen. Ich muss gestehen, dass es leider häufiger der Fall dem Trend zu folgen (Shades of Grey und wer weiß wie viele Nachahmer). Bei uns lagen sie bei Fantasy und ich habe sie irgendwann davon getrennt, weil es mir total auf den Senkel ging. Ich selbst bin großer Fantasy Fan und muss mir meine Sachen meistens immer bestellen. Die Fantasy Abteilungen sind in meiner Stadt eher dürftig, ach was sag ich Stadt, eher Dorf. Ich habe hier einen ortansässigen Buchhändler und das große M. Große Auswahl gibt es hier eh nicht. Aber ich bestelle trotzdem dort, denn ich will nicht, dass ich irgendwann in einer Geisterstadt lebe. Wenn ich mal in Köln bin, gehe ich sehr sehr gerne in die große M-Filiale. Dort ist eine riesige Auswahl und wenn ich nicht aufpasse, hänge ich ein bis zwei Stunden dort drinnen.
    2. Die Bedienung. Zu dem ortansässigen sag ich nichts, wir sind nicht im Guten auseinander gegangen. Beim großen M bin ich immer sehr freundlich behandelt worden. Inzwischen kennen die auch meinen Namen, wenn ich bestelle. Ich habe mit Verkäufern im Allgemeinen immer sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich will niemanden etwas unterstellen, aber da ich auch die andere Seite kenne, kommt es leider oft genung vor, dass Kunden noch einmal "Guten Morgen" sagen, sondern einfach nur "Ich will, ich brauche etc." Das man dann nicht unbedingt freundlich reagiert ist ganz normal. Ich weiß nicht, wie ihr auf die Verkäufer zugeht, aber ein Lächeln hat schon immer Wunder gewirkt.
    3. Die Preise. Euch ist bewusst, dass der Buchhandel am Aussterben ist und die Preise eigentlich noch viel zu niedrig gehalten ist? Ihr wollt Dumping-Preise haben? Habt ihr unsere Bücher qualitativ mit denen aus dem Ausland verglichen? Unser Papier ist wesentlich hochwertiger und auch die Einbände wesentlich robuster. Zudem kommen auch die Kosten für die Übersetzer dazu. Den Verlagen bleibt dabei nicht allzuviel, denn euer schönes großes A, will nämlich fette Rabatte haben und da bleibt dem Verlag leider nicht allzuviel. Aber unterstützt ruhig weiter das große A und dann wird die Vielfalt die wir an Büchern haben, irgendwann den Bach runtergehen.

    Nehmt euch das zu Herzen und unterstützt eure Buchhändler.

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    1. Hallöchen,
      da bist du nicht allein, auch ich habe für das große T gejobbt. Meine Erfahrungen habe ich geschildert, als Mitarbeiterin und als Kundin. Es ist schön, wenn du andere Erfahrungen gemacht hast und die Menschen zu dir freundlich(er) waren. Es ist auch richtig, zu hinterfragen, was ich schildere - ich könnte ja wirklich eine biestige und unfreundliche Kundin sein. Objektiv kann ich dir das nicht widerlegen, denn was ist schon objektiv? Ich kann dir nur versichern, dass ich ein immer freundlicher Mensch bin und niemals unhöflich Fragen stelle. Ich arbeite selbst seit Jahren im Einzelhandel neben dem Studium und weiß, wie wichtig der Ton ist. Ich kenne das also aus beiden Perspektiven. Demnach kann ich dir da leider nicht beipflichten; wenn ich freundlich bin, erwarte ich Freundlichkeit zurück. Wenn diese Unfreundlichkeit nicht einmal oder zweimal, sondern wirklich jedes Mal erfolgt, dann, nein, dann möchte ich auch nicht die Filialen unterstützen und verspüre dabei auch kein Mitleid. Zumal das Unterstützen großer Ketten, bei denen es eher um Profit als um alles andere geht, nochmal eine andere Frage ist. Wie sehr man da der Bücherhingabe hilft, sei mal dahingestellt.

      Auf deinen dritten Punkt möchte ich trotz deines sehr unfreundlichen Tons ebenfalls eingehen (empfehle dir aber, dir das nochmal durchzulesen - sind deine Vorwürfe und dein Tonfall wirklich berechtigt?) - der Punkt geht aber total an dem vorbei, was ich geschrieben habe.
      Wenn ich englische Bücher kaufe, haben diese keine deutsche Qualität. Deutsche Bücher sind preisgebunden und das hat alles seine Berechtigung; ich kaufe deutsche Bücher jedoch trotzdem aufgrund meines geringen Studentenbudgets lieber gebraucht. Und wenn die englischen Bücher 1. immer die gleichen sind, egal in welcher Filiale ich bin, 2. hohe Preise haben, 3. unfreundliche Mitarbeiter*innen mir den Stöberspaß verderben, dann bestelle ich lieber online und möchte mich dafür auch nicht rechtfertigen. Je öfter ich deinen dritten Punkt lese, desto weniger möchte ich darauf eingehen, ehrlich gesagt. Er strotzt nur so vor Vorurteilen, ungerechtfertigten Vorwürfen und einem unmöglichen Tonfall. Egal ob Buchhänder*in oder nicht, ich unterstütze nichts, was ich nicht unterstützen möchte. Übrigens ist beim großen T inzwischen auch noch die skandalöse Bewerbung des Kopp-Verlags dazugekommen: http://lost-in-written-words.blogspot.de/2016/10/thalia-der-kopp-verlag-und-warum-ich.html
      Was die angeht, bin ich durch. Und viele andere Buchhandlungen gibt es in meiner Nähe nicht.

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