4/27/2015

[Rezension] "Feuer und Stein" - Diana Gabaldon


Titel: Feuer und Stein
Originaltitel: Outlander
Autor: Diana Gabaldon
Verlag: Blanvalet
Seitenzahl: 801
Preis: 8,00€
Reihe: 1/8
Bildquelle

Man schreibt das Jahr 1945. Claire Beauchamp Randall, die bis vor kurzem als Krankenschwester an der Front gearbeitet hat, verbringt die zweiten Flitterwochen mit ihrem Mann Frank in den schottischen Highlands. Als sie bei einem Spaziergang nichtsahnend einen magischen Steinkreis berührt, verliert sie das Bewusstsein – und erwacht mitten im Schlachtgetümmel schottischer Rebellen, im Jahr 1743. Schon bald lernt sie James Fraser kennen... via

Schon seit einer halben Ewigkeit habe ich dieses Buch auf dem Schirm und nicht weniger lange ungelesen im Regal stehen. Zum Glück beschlossen Liesa und ich, dieses Buch gemeinsam zu lesen, sodass ich es endlich von meinem imaginären und tatsächlichen SuB befreien konnte. 

Und wow! Dieses Buch spaltet die Gemüter. Einiges hat mir richtig gut gefallen, anderes hingegen hat mich wütend gemacht und mich nur mit Kopfschütteln weiterlesen lassen. Mir gefiel zunächst einmal die Idee wirklich gut, zumal ich mit der schottischen Geschichte noch nicht richtig in Berührung gekommen war und ich es immer spannend finde, historische Abschnitte durch Romane zu entdecken. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass es der Autorin an Recherche-Fähigkeit mangelte, das 18, Jahrhundert ist sehr detailreich und durchaus authentisch. Am Anfang, als die Geschichte noch im Jahr 1945 spielt, wollte die historische Atmosphäre nicht so richtig aufkommen, aber sobald es tiefer in die Vergangenheit ging, war das passé. Dann wurde es richtig spannend! Wie man wahrscheinlich schon ahnt, werden Claire und Jamie ein Paar. Das ist jetzt kein riesiger Spoiler, das steht in jeder Inhaltsangabe (ich habe meine nur abgekürzt). Und als Paar sind die wirklich richtig cool! Claire ist schlagfertig und kickass und Jamie ist beschützerisch, so lieb und süß und im Grunde ein Traummann. Bis das passiert, was mich zur Weißglut gebracht hat. SPOILER (zum Lesen markieren): Weil Claire eine Anweisung von Jamie nicht befolgt und sich und ihn dadurch in Lebensgefahr bringt, verprügelt Jamie Claire. So richtig. Und genießt es. Claire ist stinksauer, aber verzeiht ihm trotzdem. Dann folgen zwei Sexszenen, in denen Claire sagt, dass sie gerade nicht möchte, aber Jamie macht trotzdem weiter. Auf sowas reagiere ich inzwischen ja wirklich unfassbar allergisch und ich habe das Jamie immer noch nicht wirklich verziehen. Das Ding ist: Ja, es war zu der Zeit so. Das verstehe ich. Aber die Autorin könnte irgendwie, durch die Augen von Claire oder sonst wie, vermitteln, wie falsch das ist. Das geschieht nicht. Absurderweise sagt Jamie im Verlauf noch, dass er nie jemandem absichtlich wehtun könnte, den er liebt - äh, Mister, genau das hast du getan. SPOILER ENDE Nachdem ich dieses Ereignis verdaut hatte, ging es wieder, aber so komplett versöhnen konnte ich mich mit Jamie nicht mehr. Vielleicht hätte das Ereignis am Ende dafür sorgen müssen, denn es war wirklich herzzereißend, aber da wiederum dachte ich, ob es denn wirklich nötig war, das noch in die Geschichte einzubauen. Und wenn ich überlege, dass die acht Bände auch noch von den beiden handeln und dass sicher nicht immer alles rosig sein wird, dann weiß ich nicht, ob das für meinen Geschmack nicht zu viel wird. 

Was mir auch nicht gefiel, war, dass Claire von Anfang an so wenig an Frank denkt, ihren eigentlichen Ehemann, den sie angeblich so sehr liebt. Außerdem fand ich es unnötig, dass der Vorfahre von Frank, dem sie begegnet, diesem 1:1 aus dem Gesicht geschnitten ist.

Trotz alledem hatte das Buch natürlich auch positive Aspekte zu bieten. Ich habe ja schon erwähnt, wie gut mir die Idee gefällt. Claires Schlagfertigkeit und Jamies eigentlich so fürsorglicher Charakter haben mich auch oft begeistert, generell kam Humor nicht zu kurz und ich musste öfter schmunzeln. Mir gefielen auch einige Nebencharaktere sehr gut, wie Jamies Schwester und dessen Mann, sowie Geillis. Gut hat mir auch gefallen, dass Claire nicht die einzige ist, die zufällig eine Zeitreise hinter sich gebracht hat - das wird zwar nur am Rande thematisiert, aber so wirkt es nicht so beliebig und als stecke mehr dahinter. Vielleicht wird das in den Folgebänden ja noch erwähnt. Und zu guter Letzt muss ich der Autorin zugutehalten, dass sie es versteht, Emotionen zu wecken. Es gibt eine Streitszene im Buch - mein lieber Scholli, so einen guten Streit habe ich selten in einem Buch erlebt. Auch eine weitere Szene hat mich unfassbar mitgenommen. An Ideen- und Wortreichtum mangelt es der Autorin jedenfalls nicht. 
Es fällt mir extrem schwer, dieses Buch zu bewerten. Eigentlich bin ich sogar fast sauer auf das Buch, denn wenn diese eine wesentliche Sache nicht gewesen wäre, dann hätte ich das Buch richtig mögen können, auch wenn es trotzdem ein paar kleinere Kritikpunkte gibt. Das war einfach unnötig und hat mir meinen Lesespaß deutlich vermiest. Es wurde wieder besser, aber irgendwann dachte ich, dass es doch zu viel des Guten ist. Im Moment glaube ich auch nicht, dass ich die Reihe fortsetzen möchte. Trotzdem fand ich das Buch an und für sich gut; historisch scheint Gabaldon fit zu sein, sie baut viele Details ein, die die Welt zum Leben erwecken und schafft Emotionen, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Ich schwanke die ganze Zeit zwischen 2,5 und 3 Sternen, aber obwohl die negativen Punkte eigentlich für 2,5 sprechen, runde ich auf 3 auf, weil ich trotz allem meistens Freude am Buch hatte. Es ist nicht perfekt, aber es hat mich unterhalten. Die vielen extremen Lobeshymnen kann ich allerdings nicht bestätigen. Also 3 von 5 Sternen

Kommentare:

  1. Du bist immer so fix mit deinen Rezensionen aber um ehrlich zu sein, wenn ich das lese, dann kann ich einfach exakt zu 100% zustimmen und das genauso unterschreiben. Mir gefielen dieselben Dinge wie dir und ich störte mich an genau denselben Szenen wie du - Claire als Protagonistin fand ich zwar schon klug, gewitzt und auch selbstbewusst, aber trotzdem finde ich, dass sie viel zu selten auch tatsächlich auf ihren Standpunkt/ihre Recht beharrt hat. Trotzdem war das Buch wirklich unterhaltsam, aber ich verstehe den Hype darum (sogar die Mutter meines Freundes hatte mir das Buch wärmstens empfohlen) nicht so wirklich. Ich glaube, ich werde mich dann vielleicht doch eher der Serie widmen, als mich noch durch weitere solcher Klopper zu wälzen (auch wenn sich dieser ja erstaunlich flüssig lesen ließ, aber lange habe ich dafür irgendwie trotzdem gebraucht). :D Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Buch, das wir dann zusammen lesen werden! <3 :)

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    1. Ich musste in diesem Fall meine Gedanken einfach schnell loswerden, weil ich so viele dazu hatte :'D Ich kann dir mit Claire auch nur beipflichten. Aber die Muße für 8 weitere solcher Klopper hab ich dann glaub ich doch nicht. :D Zumal, wenn die Bücher eh alle verbildlicht werden, dann schau ich lieber die Serie einfach weiter.
      Oh ja, ich mich auch! <3

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  2. Also die Szene, die du erwähnst, fand ich auch etwas grenzwertig. Aber ich sag mal, dass man da auch nicht zu viel hereininterpretieren sollte. Sie hat sich ja noch überzeugen lassen.

    Überhaupt fand ich, dass sich das Buch trotz seiner Länge richtig flott weggelesen hat und es vor allem unterhalten hat. Die ein oder anderen Ereignisse später fand ich etwas überdramatisch bzw. sehr zufällig. Aber es unterhält und macht ingesamt Spaß. Ich werde auf jeden Fall weiterlesen ;)

    Liebe Grüße,
    Tina

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    1. Aber gerade, dass sie sich hat überzeugen lassen, fand ich ja auch grenzwertig. Auch historische Romane haben mMn eine, keine Ahnung, nennen wir es "emanzipatorische Pflicht", also es sollte Frauen nicht vermittelt werden, dass es okay und völlig normal ist, wenn man geschlagen wird und es danach verzeiht. Ich bin da vielleicht empfindlicher als andere, aber es hat mich nun mal echt aufgeregt :/

      Da kann ich dir aber zustimmen! Ich hab es vergleichsweise auch schnell gelesen und fühlte mich unterhalten. Dann warte ich mal ab, was du zu Band 2 sagst - vorerst reizt es mich ja nicht, weiterzulesen. :D

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  3. Halli-Hallo :)
    Gerade heute kam auf VOX "Outlander", die ab heute als Serie da läuft. Das hat mich wieder an die Bücher erinnert und auch was ich von ihnen halte. Und nun les ich Deine Rezi hier :)
    Also ich bin auch gegen Frauenschläger, aber in solchen Geschichten stößt es mir wiederum nicht auf, weil die Zeiten so waren und das nicht mit der heutigen Zeit und Moral verglichen werden kann und ich dann auch irgendwie einen eingebauten "erhobenen Zeigefinger" unpassend finde.
    Aber davon mal ab, ich habe den ersten Teil damals in einem Rutsch durchgelesen. vom frühen Abend bis anderen Morgen durch und wirklich nicht abgesetzt bis die letzte Seite gelesen war.
    Dann bin ich 2 Tage später mit dem 2. Teil angefangen und hatte den dann auch innerhalb 3 Tagen durch (ab und an muss sogar ich mal schlafen ;-) )
    Fand den auch immer noch toll und war begeistert - aber dann, Teil 4 hab ich irgendwann abgebrochen und der Rest steht auch bis heute ungelesen im Regal.
    Warum?
    Einfach weil ich die Geschichte irgendwann langweilig fand. Sicher passiert viel, denn Krieg um die Highlands und alle historischen Ereignisse aus der damaligen Zeit sind mit verbaut, aber letzt endlich ist es doch (für mich) nichts weiter als immer von einem Zeitsprung zum nächsten, mit allem was im Leben dazu gehört.
    Und da hatte ich irgendwann keine Lust mehr drauf - trotz tollem Schreibstil und Kopfkino.
    Ich könnte ja noch direkt begründen warum ich keine Lust mehr hatte, aber ich will nicht spoilern und was mir zu langweilig wird, kann ja jemanden anderen voll und ganz begeisterm :)
    Puih, das war aber nu ne lange Rede 0_0
    Wünsche trotzdem weiterhin viel Spaß in den Highlands!

    LG von der Nordsee,
    Su

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    1. Hi Su!
      Ich habe gestern auch die Serie auf Vox geschaut und muss dir leider widersprechen - gerade da wirkt Claire auch so emanzipiert, dass ich aus ihrer Perspektive diesen besagten Zeigefinger sehr passend gefunden hätte. Ich bin gespannt, wie die Serie die Szene behandeln wird, denn allein in den ersten beiden Folgen ist Claire noch viel selbstsicherer als im Buch (z.B. ihre Entgegnung, ungefährer Wortlaut: "Ist eine Vergewaltigung jemals begründet?").

      Ich glaube dir gern, dass es irgendwann langweilig wurde. Ich denke, ich werde die Bücher nicht weiterlesen, sondern die Serie schauen, die ich bislang ziemlich gelungen finde. :)

      Liebe Grüße!

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  4. Hi Elif!
    Auf meinem Blog erscheint heute Abend auch ein Beitrag zu dem Buch. Am Ende des Artikels füge ich Links zu anderen Blogs, wie Deinem ;-) hinzu, die das Buch auch bereits gelesen haben. Wenn Du nicht einverstanden bist oder das doof findest, schick mir doch bitte einfach eine kurze Nachricht.
    Viele Grüße

    Kati @Zeit zu Lesen
    http://zeitzulesen.blogspot.de/

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