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[Rezension] "Die alltägliche Physik des Unglücks" - Marisha Pessl



Titel: Die alltägliche Physik des Unglücks
Originaltitel: Special Topics in Calamity Physics
Autor: Marisha Pessl
Verlag: Fischer
Seitenzahl: 708
Preis: 10,95€
Reihe: 1/1
Bildquelle

Blue hat den Blues. Ihr Vater, der Universitätsprofessor, zieht schon wieder um. Nie länger als ein Semester bleiben Tochter und Vater an einem Ort. Bald kennt Blue jedes College. Zum Glück hat sie die Bücher – ihre engsten Vertrauten. Und so hungrig wie sie Geschichten auf Papier verschlingt, so lustvoll stürzt sie sich ins pralle Leben: Charmant und witzig besticht sie als wandelndes Lexikon und läßt zugleich keine Wodkaflasche an sich vorbeiziehen. Jeder weiß, Blue ist besonders. Man liegt ihr zu Füßen. Und dann passiert ein mysteriöser Mord und ihr Leben gerät aus den Fugen. Ein Aufsehen erregender und temporeicher Roman und ein spannend komischer Streifzug quer durch die Sätze von Shakespeare bis Cary Grant. Donna Tartt 2 + Alfred Hitchcock x Atomenergie = Formel-los das beste Debüt aller Zeiten. via
"Die alltägliche Physik des Unglücks“ ist ein Buch, wie ich es noch nie erlebt habe. Es geht auf und ab, mal zieht es sich in die Länge und man weiß nicht genau, wo das alles hinführen soll, aber am Ende sitzt man da und denkt nur: Wow! Dieser Debütroman von Marisha Pessl ist einfach nur der Wahnsinn und das aus ganz vielerlei Gründen.
Tja, worum geht es eigentlich? Blue wird von ihrem Vater erzogen, der Universitätsprofessor ist. Lange hält es die beiden nie an einem Ort, womit die Geschichte eigentlich startet. Sie wird von Blue erzählt, einem überdurchschnittlich intelligenten Mädchen, das ihren Vater liebt und das chaotische und sprunghafte Leben gewöhnt ist. Für ihr letztes Highschool-Jahr, bevor es nach Harvard geht, bleiben die beiden unglaublicherweise am selben Ort – ein ganzes Jahr lang. Kaum zu glauben für Blue. An ihrer neuen Schule kommt sie schnell in eine Art elitären Club. Doch warum, weiß sie selbst nicht genau. Es scheint so, als wenn die Lehrerin Hannah Schneider Blue unbedingt dabei haben möchte. Aber was hat es mit ihr auf sich? Eine Geschichte beginnt, die so normal startet, dass man das Ziel nicht wirklich erkennt. Und sie endet so rasant und unerwartet, wie nur möglich.

Die Story von „Die alltägliche Physik des Unglücks“ zu schildern, ist leider alles andere als leicht. Auch ein Genre festzulegen fällt schwer, da selbst ein paar Krimi-/Thrillerelemente zu finden sind. Es gibt unglaublich viele Handlungsstränge, die sich oft im Sand verlaufen und irgendwann wieder an Bedeutung gewinnen. Der Stil ist einzigartig. Die Ich-Erzählerin Blue hat (wenn ich mich recht erinnere) einen IQ von 175 und das kann man in jeder Zeile lesen. Dieses Buch kann nicht Marisha Pessl geschrieben haben, denn es ist so authentisch, dass man nur Blue sehen kann und keinen Autor, der dahinter stecken könnte. Übrigens, Hut ab an die Autorin, denn wie sie auf diese Story kam, ist mir ein Rätsel. Aber zurück zum Stil. Er ist nicht wirklich schwer, aber sehr intelligent. Der Satzbau ist okay, wenn auch oftmals lang und ausschweifend. Das Buch ist literarisch anspruchsvoll und ich traue mich das als Germanistik-Studentin zu sagen, auch wirklich wertvoll. Im Werk ist eine unglaubliche Intertextualität vorhanden – will heißen: Blue zitiert die ganze Zeit. In Klammern sind hinter Aussagen oder Vergleichen oft eine Art Fußnote zu finden, die das Ganze wie eine wissenschaftliche Arbeit wirken lassen (, allerdings mit Humor). 
Aber Achtung: Auf keinen Fall abschrecken lassen! Auch ich war anfangs von den vielen Seiten und der engen Schrift etwas überfordert, aber haltet bis zum Ende durch und es wird sich bezahlt machen! Man kann einfach gar nicht glauben, dass es all die Werke gibt, auf die hingewiesen wird, aber es ist einfach toll. Schön ist auch, wie die Erzählerin sich auf der letzten Seite über diesen Umstand selbst lustig macht…denn auch das ist ein Teil des Romans. Er besitzt nicht nur Intelligenz und Herz, sondern auch seinen ganz eigenen Humor.

Zu den Figuren bleibt zu sagen, dass sie nicht durchschaubar sind. Wir sind auf Blues Einschätzungen angewiesen. Nichts desto trotz habe ich sie und ihren Vater von den ersten Seiten an geliebt und auch wenn die anderen Charaktere vielleicht nicht so liebenswürdig sind, so haben sie doch immer etwas Besonderes, vielleicht sogar Geheimnisvolles an sich.

Auch wenn ich hier in Lobeshymnen ausbreche, und ich keinesfalls von Beginn an so gedacht habe, so ist es doch völlig verdient. Denn dieses Buch überrascht. So wie es endet, kann es wirklich niemand erwarten und man sitzt mit offenem Mund da, nachdem man es geschlossen hat. Ich behaupte nicht, dass das Buch nicht auch seine Längen hat (bei 714 Seiten irgendwie zu erwarten), aber wer sich drauf einlässt wird es nicht bereuen.Auch wenn diese Rezension nicht allzu hilfreich war und ihr über die Geschichte immer noch nicht viel wisst und euch auch nichts vorstellen könnt – dann geht es euch wie mir. Aber vertraut darauf: Es lohnt sich so sehr, vor allem für Leute, die auch mal etwas Anderes, Anspruchsvolles und wahnsinnig Intelligentes lesen wollen. Es ist das reinste Leseabenteuer. Das letzte Wort meines Notizzettels zu diesem Buch trifft es voll und ganz: HERAUSRAGEND!



Geschrieben von: Julia

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