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[Rezension] "Der Sommer, als Chad ging und Daisy kam" - Jennifer Gooch Hummer




Titel: Der Sommer, als Chad ging und Daisy kam
Originaltitel: Girl Unmoored
Autor: Jennifer Gooch Hummer
Verlag & Kooperation: Carlsen
Seitenzahl:
352
Preis: 17,90€
Reihe: 1/1
Bildquelle

Aprons Leben ist in Aufruhr: Sie versucht, über den Tod ihrer Mutter hinwegzukommen, die neue Partnerin ihres Vaters ist bei ihnen eingezogen und ihre beste Freundin Rennie hat sie fallenlassen. Ihr droht ein einsamer Sommer, aber dann nimmt sie einen Ferienjob in Mikes und Chads Blumenladen an. Die beiden stehen ihr freundschaftlich und väterlich zur Seite in Zeiten, in denen sich sonst niemand um sie kümmert, und ihr Blumenladen wird für Apron zu einem zweiten Zuhause. Doch das währt nicht lange, denn Chad ist todkrank... via
Nachdem das Buch schon zu Beginn so viele positive Stimmen geerntet hatte und mir die Inhaltsangabe auch zusagte, wollte ich es ebenfalls unbedingt lesen. Leider habe ich zu Beginn nicht direkt reingefunden. Ich musste ein wenig weiterlesen, um mit Apron und ihrem Umfeld warm zu werden, aber nachdem es so weit war, hab ich das Buch sozusagen eingeatmet. 

Apron, die erst 13 ist, aber für ihr Altern schon sehr viel mitgemacht hat, ist ein sehr interessanter und starker Charakter. Auch hab ich sie als sehr reif empfunden, was sicherlich auch daran liegt, dass ihre Mutter gestorben ist und sie früh erwachsen werden musste. Es gibt einige, die ihr das Leben vermiesen, wie die neue Freundin ihres Vaters, aber Apron ist tough und sehr, sehr geduldig. Oft bin ich beim Lesen ganz böse geworden, weil sie Gemeinheiten begegnet, aber sie selbst war ruhig und hatte die Situationen im Griff. Am Ende hatte ich Apron richtig lieb gewonnen, solche Protagonisten sollte es öfter geben. 

Und dann sind da natürlich Chad und Mike. Was in der Inhaltsangabe nicht erwähnt wird, was ich aber nicht unerwähnt lassen möchte, ist, dass die beiden schwul sind. Und es spielt Anfang der 80er in den USA. Ich denke, es ist selbsterklärend, dass den beiden viel Intoleranz begegnet und durch Aprons Freundschaft mit den beiden erlebt man das als Leser auch mit und will nicht selten Figuren aus dem Buch nehmen und sie zurechtweisen, denn warum sind sie so gemein zu zwei so liebenswerten Kerlen? Ich finde es wahnsinnig gut, dass das Buch eine solche Thematik beinhaltet, denn auch wenn es vor etwa 30 Jahren spielt, ist Homophobie ja heute noch aktuell. Dementsprechend wird der Leser auf eine tolle Art und Weise sensibilisiert, sollte er das nicht schon sein. Das alles geschieht aus den Augen von Apron, die es selbst aufgrund ihrer Erziehung und der Gesellschaft zu Anfang komisch findet, dass Mike und Chad schwul sind - die aber auch in dieser Sache im Laufe des Buches reift. Das Thema wurde wirklich gut aufgegriffen und auf einfache Art und Weise vermittelt. 

Doch es geht natürlich nicht nur um Chad und Mike, sondern auch um Aprons Schulleben, ihre Ex-Beste-Freundin Rennie, ihren Schwarm, ihre körperlichen Veränderungen und nicht zu vergessen ihre Probleme zu Hause. Durch die Sache mit Mike und Chad gewinnt die Handlung zwar an Spannung, aber auch alle anderen Stränge habe ich gerne verfolgt und war gespannt, wie sich alles weiterentwickeln würde. 

Besonders toll fand ich auch die liebevollen Kapitelanfänge - Aprons Vater ist nämlich Lateinprofessor, weshalb Apron eine Schwäche für die Sprache hat. Jedes Kapitel beginnt mit einem Spruch auf Latein, wie z.B. "Si vis pacem, para bellum - Wenn du Frieden willst, sei auf Krieg gefasst" (S.19). Nach jedem Kapitel war ich schon gespannt, was der nächste Spruch sein würde. Eine sehr originelle Idee, die mich begeistern konnte! Überhaupt hat mir der Schreibstil sehr gut gefallen, es wird nicht alles vorweggenommen und direkt verraten, aber der aufmerksame Leser denkt sich schon früh seinen Teil. 
Zum Schluss hätte ich es noch toll gefunden, ein paar Kapitel mehr zu lesen, es endet doch etwas abrupt. Ich hätte gerne erfahren, wie sich einige Dinge weiterentwickelt haben. 

Das wunderschöne Cover möchte ich auch nicht unerwähnt lassen - die Blumen und die Regentropfen passen wirklich wunderbar zum Inhalt, auch wenn das Cover insgesamt sehr fröhlich aussieht, obwohl das Buch eine starke traurige Note hat, aber im Nachhinein finde ich es wirklich sehr passend. Ein toller Hingucker. 
"Der Sommer, als Chad ging und Daisy kam" ist ein Buch mit ganz vielen Facetten, die mich alle überzeugen konnten. Es geht um Homophobie in den 80ern, es geht um eine tödliche Krankheit, eine Protagonistin, die mit 13 schon einige große Hürden zu bewältigen hat und das gemischt mit einer ganzen Prise Herz und Sensibilität. Einzig der Anfang war für mich nicht so glatt, weil ich etwas gebraucht habe, um reinzukommen und am Ende hätte ich mir auch 1 oder 2 Kapitel mehr gewünscht. Deshalb gibt es von mir 4 von 5 Sternen und eine eindeutige Empfehlung. 
                                                                       ★★★★☆

Kommentare

  1. Danke für deine tolle Rezi, sie hat mir meine Entscheidung etwas leichter gemacht :-) Ich schleiche schon ewig um dieses Buch herum.
    LG

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  2. Mir ging es auch so bei dem Buch :D Es war wirklich richtig toll...am Anfang hatte ich ein paar Problemchen, aber alles in allem sind 4 Sterne die perfekte Wertung dafür :)

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