Direkt zum Hauptbereich

[Rezension] "Das Mädchen, das Geschichten fängt" - Victoria Schwab




Titel: Das Mädchen, das Geschichten fängt
Originaltitel: The Archived
Autor: Victoria Schwab
Verlag & Kooperation: Heyne
Seitenzahl:
432
Preis: 13,99€
Reihe: 1/3
Bildquelle


Wenn ein Mensch stirbt, wird seine Lebensgeschichte in einer Art Bibliothek abgelegt. Manchmal jedoch erwachen die Geschichten und versuchen in die Welt der Lebenden zurückzukehren. Dann kommt Mac ins Spiel, denn sie ist eine Hüterin und ihre Aufgabe ist es, die entlaufenen Geschichten zurückzubringen. Doch plötzlich häufen sich diese Vorfälle, und die Grenzen zwischen Leben und Tod drohen zu verschwimmen. Mac beschleicht der schreckliche Verdacht, dass jemand die Lebensgeschichten manipuliert. Gemeinsam mit dem Hüter Wes versucht Mac, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. via

Victoria Schwab war und ist mit „The Archived“ in der Blogger-Welt ja in aller Munde – kein Wunder also, dass ich es auch unbedingt lesen wollte. Dementsprechend hoch waren natürlich auch meine Erwartungen, leider muss ich sagen, zu hoch. Ich habe eine ganz andere Art von Geschichte erwartet – aber das, was ich letztendlich dann zu Lesen bekommen habe, hat mich ebenfalls nicht enttäuscht. 

Zunächst einmal fällt natürlich die unheimlich originelle Idee auf. In der Welt von Victoria Schwab werden Tote archiviert – nicht ihre physischen Körper, aber ihre Lebensgeschichten in Form ihrer Körper, genannt Chroniken. Diese Chroniken werden eigentlich von Bibliothekaren archiviert und gelangen nicht nach außen – wenn aber doch, dann sind Wächter wie die Protagonistin Mackenzie dafür verantwortlich, sie wieder ins Archiv zu bringen. So viel zum groben Aufbau der Geschichte. 

Mackenzie war mir als Protagonistin von Anfang an sympathisch. Sie hat gerade einen klassischen Umzug hinter sich, weil ihr jüngerer Bruder gestorben ist und ihre Eltern versuchen, vor der Trauer zu fliehen. Auch Mac leidet, das merkt man beim Lesen ganz eindeutig. Denn auch ihr Großvater, der ebenfalls Wächter gewesen war und ihr dieses Geheimnis und die Gabe mitgegeben hat, ist gestorben. Aber genau diese „Narben“, die sie mit sich trägt, haben sie noch authentischer und interessanter gemacht, weshalb ich sehr gerne aus ihrer Sicht gelesen habe. Zwischendurch gibt es auch immer wieder Rückblicke, in die Zeit, in der ihr Großvater sie in das Wächter-Dasein einführt. Auch diese Rückblicke fand ich sehr spannend, zumal sie jedes Mal zum aktuellen Geschehen gepasst haben, da ihr Opa ihr Weisheiten und Erfahrungen mit auf den Weg gab. Dementsprechend sind diese Rückblicke sehr gut platziert und mit der Jetzt-Zeit der Handlung verwoben. 

Auch einige der anderen Charaktere haben mir sehr gefallen – besonders oft kommen Wesley, Owen und Roland vor. Wesley ist ein Junge, den sie durch den Umzug kennenlernt und der ebenfalls ein Wächter ist. Er ist kein typischer und gerade deshalb ein ziemlich cooler Nebencharakter. Owen lernt sie auf etwas andere Weise kennen und Roland ist der Archivar ihres Vertrauens, der einige Eigenarten aufweist, aber insgesamt echt herzerwärmend ist. 

Die Handlung ist unerwarteterweise wenig ereignisreich gewesen. Die Geschichte lässt sich Zeit, baut sich langsam auf, es geschehen immer mal wieder ungewöhnliche Dinge und es finden nicht selten Kämpfe zwischen Mac und den entlaufenen Chroniken statt, doch insgesamt kommt die Spannung erst am Ende auf, als Mackenzie hinter ein Geheimnis kommt, dem sie von Anfang an auf den Grund zu gehen versucht. An ein paar Stellen hätte ich mir doch eine etwas schnellere Handlung gewünscht, aber rückblickend ist es doch auch passend, dass es sich langsamer aufbaut. Wahrscheinlich ist das auch einfach eine Frage des Geschmacks, ich hatte wie gesagt etwas mehr Action erwartet, aber auch so hat mir die Erzählweise gefallen. Der angenehme Schreibstil der Autorin passt sich dem auch gut an, das Buch liest sich flüssig und schnell.

Zuletzt möchte ich noch kurz auf das deutsche Cover eingehen – es passt ü b e r h a u p t nicht zur Geschichte. Da muss ich doch das englische Originalcover loben, denn das vermittelt gleich, dass es sich bei dem Buch um eine düstere und „staubige“ Geschichte handelt, wenn ihr versteht, was ich meine. Das deutsche Cover hingegen wirkt viel zu fröhlich und unbeschwert für mich. Wie immer hat die Aufmachung keinen Einfluss in meine Bewertung, aber ich wollte es dennoch erwähnen, damit ihr nicht, wie ich, etwas anderes erwartet.

„Das Mädchen, das Geschichten fängt“ ist ein Buch mit einer unheimlich originellen Idee, einer im wahrsten Sinne des Wortes unheimlichen Atmosphäre und interessanten Charakteren. Es lässt sich zwar Zeit, aber es lohnt sich. Ich kann es euch guten Gewissens empfehlen, wenn ihr in der Stimmung für eine magische Geschichte über das Jenseits seid. Von mir gibt es 4 von 5 Sternen.

Kommentare

  1. Kann ich dir nur zustimmten! Vor allem auch die Sache mit dem Cover, die englischen Originale sind einfach wundervoll und viel passender. Dennoch freut es mich sehr, dass das Buch übersetzt wurde und auch hier seine Leser gefunden hat und hoffentlich noch finden wird. Umso besser sieht es dann vielleicht auch mit dem geplanten 3. Band aus.

    Liebe Grüße,
    Tina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, das ist echt auch etwas ärgerlich, da es so eher ein "Mädchen"-Cover ist, dabei ist das Buch meiner Meinung nach nicht nur was für die Femininen unter uns :D Da haben die Originale eindeutig bessere Arbeit geleistet.
      Irgendwie hab ich noch in Erinnerung, dass Teil 3 gar nicht mehr erscheinen sollte, war das so?

      Löschen
  2. Ich liebe dieses Buch! Habe es letzten Monat gelesen und freue mich schon so unglaublich auf die Fortsetzung. Das mit dem Cover finde ich auch echt unpassend, aber naja..

    Liebe Grüße,
    Maike

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wirst du denn dann auf Englisch weiterlesen? :) Ich kann glaub ich noch warten, es war ja kein böser Cliffhanger am Ende :D

      Löschen
  3. Ich will das Buch ja auch noch total gerne lesen und jetzt habe ich erst recht Lust darauf :D Ich hab bisher auch nichts schlechtes gehört :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Jaaa, mach das mal, ich glaub, das würde dir gefallen! :D

      Löschen
  4. Über das Buch schwärmt wirklich jeder, besonders all die amerikanischen Youtuber hypen es in den Himmel xD Die Geschichte klingt eigentlich wirklich originell, aber ich weiß nicht, spricht mich nicht so richtig an :D
    Und deutsche Cover finde ich voll hübsch und kenne das englische gar nicht, werde ich aber gleich mal wieder googlen xD

    Hmm, das mag ich nicht ganz so gerne, aber kann ja nicht so richtig beurteilen, ob es zum Buch passt oder nicht :p

    Liebe Grüße,
    May

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Behind The Screens] Goodbye, Mai

Seit langem schon verfolge ich auf diversen Blogs die Behind The Screens-Beiträge - ins Leben gerufen von Annabelle von Stehlblueten und Philip von Book Walk und momentan übernommen von meiner lieben Bücherkrähe / Mareike.  Weil ich so unregelmäßig blogge, hat es sich bislang nie angeboten, mitzumachen - heute habe ich aber spontan Lust bekommen und schaue einfach mal, ob ich das ab und an beibehalte oder es bei diesem einen Mal bleibt. Im Grunde geht es darum, von seiner Woche zu berichten und sich dafür an ein paar Fragen entlangzuhangeln. 
Wie war deine Woche? 
In Sachen Blog relativ produktiv, aber das, was ich eigentlich tun sollte - die Bücher für meine Masterarbeit durcharbeiten - habe ich nicht gemacht. Ich bin total raus aus meinem Trott und sollte mir wieder angewöhnen, in der Woche täglich in die Unibibliothek zu fahren. Zu Hause mache ich ja doch nichts. 
Außerdem hatte ich diese Woche meinen 24. Geburtstag und freue mich schon darauf, euch im Monatsrückblick meine neuen …

[Rezension] "George" - Alex Gino

George - Alex Gino - Fischer KJB - 208 S. - 978-3-7373-4032-8
George ist zehn Jahre alt, geht in die vierte Klasse, liebt die Farbe Rosa und liest heimlich Mädchenzeitschriften, die sie vor ihrer Mutter und ihrem großen Bruder versteckt. Jeder denkt, dass George ein Junge ist. Fast verzweifelt sie daran. Denn sie ist ein Mädchen! Bisher hat sie sich noch nicht getraut, mit jemandem darüber zu sprechen. Noch nicht einmal ihre beste Freundin Kelly weiß davon. Aber dann wird in der Schule ein Theaterstück aufgeführt. Und George will die weibliche Hauptrolle spielen, um allen zu zeigen, wer sie ist. Als George und Kelly zusammen für die Aufführung proben, erzählt George Kelly ihr größtes Geheimnis. Kelly macht George Mut, zu sich selbst zu stehen. via
„George“ müsste eigentlich „Melissa“ heißen. Denn das ist der Name, den George für sich am schönsten findet – drückt er doch aus, dass sie ein Mädchen und kein Junge ist, wie alle zu wissen meinen. George geht in die Grundschule und fühlt si…