7/09/2014

[Rezension] Die Nacht des Kranichs - Patrick Ness




Titel: Die Nacht des Kranichs
Originaltitel: The Crane Wife
Autor: Patrick Ness
Verlag & Kooperation: Goldmann (Verlagsseite / Facebook-Seite)
Seitenzahl: 320
Preis: 19,99€
Reihe: 1/1
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Als die „Kranichfrau“ in das Leben von George tritt, ist nichts mehr, wie es war ... 

Eines Nachts wird George Duncan von einem Geräusch in seinem Gartenhaus seinen Träumen gerissen. Er kann kaum glauben, was er dort sieht: Ein Kranich ist vom Himmel auf seinen Rasen gefallen, er hat einen Pfeil in seinem Flügel und kann nicht mehr fliegen. George eilt dem Vogel sofort zu Hilfe, befreit ihn, und beobachtet, wie er sich daraufhin wieder erhebt und fortfliegt. Am nächsten Morgen steht George wieder in seinem kleinen Laden und sieht, wie eine Frau in einem langen weißen Kleid hereinkommt. Von dem Moment an ist Georges Leben nicht mehr so, wie es war. Kumiko ist etwas ganz Besonderes, und sie erzählt ihm eine Geschichte, die alles verändert... via

„Die Nacht des Kranichs“ war meine erste Begegnung mit Patrick Ness, der ja vielerorts sehr hoch gelobt wird, besonders für seine „Chaos Walking“-Trilogie. Zwar hat mich dieses Buch nicht vom Hocker gerissen, aber ich habe es gern gelesen und werde sicher auch noch zu weiteren Büchern des Autors greifen. 

Besonders interessiert hat mich an dem Buch der Aspekt, dass ein japanisches Märchen in der Gegenwart nacherzählt wird. Ich mag Märchen-Neuerzählungen und hatte mir dementsprechend eine Geschichte erhofft, die mich träumen lässt. Verträumt ist das Buch sicherlich, es trifft sogar ziemlich gut zu, aber dadurch ist es leider auch sehr langsam. Eigentlich bin ich kein Feind von langsamen Büchern und ich habe dieses hier auch trotzdem recht schnell gelesen, aber ich habe mich immerzu gefragt, ob da noch was kommt und worauf das hinaus will. Es war zwar ein gewisser roter Faden da, dadurch, dass man zum Jetzt-Geschehen zwischendurch auch „Märchen-Passagen“, die an eine Schöpfungsgeschichte erinnern, lesen und diese mit der Geschichte der Charaktere verbinden konnte, aber ich habe bis zum Ende nicht verstanden, worauf das Ganze hinausläuft und ich weiß es ehrlich gesagt immer noch nicht. Ich fand es teilweise wunderschön und sehr ehrlich und ich habe George und seine Vater-Tochter-Enkel-Beziehung geliebt, aber alles andere war mir fast zu abstrakt. Sicher, dadurch gibt es viel Interpretationsraum, aber das sollte man eben vorher wissen. Interpretation spielt allgemein eine entscheidende Rolle in dem Buch, was ich wiederum sehr interessant fand. An einer Stelle steht, dass das Wahre immer vom Blickwinkel abhängt und dass es, je nach Anzahl der Betrachtenden, viele verschiedene Wahrheiten gibt. Das greift der Autor auf und entwirft gegen Ende mehrere Szenarien, wie eines der Ereignisse im Buch vorgefallen sein könnte. Die endgültige Interpretation ist dem Leser überlassen. Diese Stelle habe ich mit Vergnügen gelesen und mich über eine solche „Spielerei“ gefreut, literarisch fand ich das sehr wertvoll. 

Daneben hat mir auch der Schreibstil an sich sehr gut gefallen. Er ist teilweise sehr poetisch und philosophisch, was gut zum Geschehen gepasst und mich dazu veranlasst hat, mehrere Passagen zu markieren. Das muss man dem Herrn Ness schon lassen, schreiben kann er. 

Zu den Charakteren muss ich sagen, dass ich nicht mit allen warm geworden bin. Ich mochte zwar die Beziehung zwischen George und seiner Tochter Amanda, aber Amanda selbst war mir nur teilweise sympathisch. An einigen Stellen habe ich sie so gut verstanden und gemocht, an anderen hab ich wiederum nur den Kopf geschüttelt. Kumiko war mir, wie Teile der Geschichte auch schon, zu abstrakt. Sie sollte wahrscheinlich auch dieses ferne, unnahbare Märchengeschöpf darstellen, aber ich habe das nicht ganz mit der Jetzt-Zeit vereinen können.
Trotz meiner Kritikpunkte kann ich das Buch all jenen weiterempfehlen, die ruhige und verträumte Bücher mit philosophischen und märchenhaften Einflüssen mögen. Für mich hätte das Ziel der Erzählung schon im vorherigen Geschehen deutlicher gemacht werden müssen. Zudem war die Handlung teilweise zu langsam und einige Charaktere nicht meins. Dennoch hat das Werk auch einige positive Seiten und ich sicherlich nicht zu verachten! Von mir gibt es 3,5 von 5 Sternen.

Kommentare:

  1. Deine Kritikpunkte verstehe ich, jedoch lese ich langsame Geschichten sehr gerne und auch nicht so sympathische Charaktere stören mich nur sehr selten. Den Faden beim Lesen zu verlieren, könnte allerdings für mich ebenfalls zum Problem werden. Ich bin immer sehr schnell verwirrt, wenns zu abstrakt wird xDD
    Der Rest scheint aber wie für mich geschrieben zu sein. :) Patrick Ness mag ich ja wirklich sehr gerne. Hoffentlich gefallen dir seine weiteren Bücher dann "besser". "The Knife of Never Letting Go" ist wirklich lesenswert. Vor allem was den Stil betrifft!

    Liebe Grüße,
    Bramble

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    1. Ich hab eigentlich auch nichts gegen langsame Geschichten, aber diese war eben spezieller. :D Trotzdem kann ich dir empfehlen, es mal auszuprobieren, lesenswert ist es allemal!
      Ja, "The Knife of Never Letting Go" will ich ohnehin unbedingt noch lesen :)
      Liebe Grüße zurück!

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  2. Für mich hört sich das richtig gut an :-) Danke für deinen schönen Bericht!
    Vielleicht solltest du "Sieben Minuten nach Mitternacht" von ihm lesen. Ich fand's umwerfend.
    LG

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    1. Gerne, probieren solltest du es unbedingt mal mit dem Buch :)
      Danke für den Tipp, das kommt auf die Wunschliste! :)

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