Rezension: "Wie Monde so silbern" - Marissa Meyer

Titel: Wie Monde so silbern (Die Luna-Chroniken 01)
Originaltitel: Cinder (The Lunar Chronicles 01)
Autor: Marissa Meyer
Verlag & Kooperation: Carlsen
Seitenzahl: 384
Preis: 18,90€
Reihe: 

Cinder lebt bei ihrer Stiefmutter und ihren zwei Stiefschwestern, arbeitet als Mechanikerin und versucht gegen alle Widerstände, sich nicht unterkriegen zu lassen. Als eines Tages in unauffälliger Kleidung niemand anderes als Prinz Kai an ihrem Marktstand auftaucht, wirft das unzählige Fragen auf: Warum braucht Kai ihre Hilfe? Und was hat es mit dem plötzlichen Besuch der Königin von Luna auf sich, die den Prinzen unbedingt heiraten will?
Die Ereignisse überschlagen sich, bis sie während des großen Balls, auf den Cinder sich einschmuggelt, ihren Höhepunkt finden. Und diesmal wird Cinder mehr verlieren als nur ihren Schuh... via

Eine Science-Fiction-Märchenadaption? Warum nicht. Für Märchen habe ich schon seit jeher eine Schwäche und Sci-Fi bin ich auch nicht abgeneigt. Gut, Cinderella gehört wohl zu den meistadaptierten Märchen überhaupt, aber nachdem es so viele begeisterte Stimmen gab, wollte ich mir dieses Buch nicht entgehen lassen. 

Die Geschichte beginnt relativ flott und behält das Tempo im gesamten Verlauf auch bei – immer passiert etwas Neues, sodass es nicht langweilig wird. Auch die innovativen Ideen der Autorin gestalten die Geschichte um Cinder sehr frisch und machen Lust auf mehr – ich meine, die Welt, die Frau Meyer geschaffen hat, ist schon ziemlich interessant. Wir befinden uns in der Zukunft nach dem vierten Weltkrieg, inzwischen ist neben der Erde auch der Mond besiedelt (deshalb auch die „Luna“-Chroniken) und teilweise gibt es Republiken, teilweise aber auch Monarchien. Das asiatische Gebiet ist eine Monarchie – wer hätte das bei Cinderella gedacht – und natürlich spielt der Prinz eine große Rolle. Cinder ist im Gegensatz zu Prinz Kai aber kein „vollwertiger“ Mensch, denn große Teile ihres Körpers bestehen aus Metall und Silikon, Cinder ist ein Cyborg. Neben den Cyborgs gibt es auch noch Dienstroboter, die sogenannten Androiden. Was ich sehr spannend fand, ist, dass die Cyborgs sozusagen einem gewissen Rassismus unterworfen sind – im Sinne von, die Menschen sind zwar fertig mit dem Rassismus zwischen den Menschen, aber nicht mit dem Rassismus an sich – er hat sich nur auf die Cyborgs verlagert. Das aber nur so am Rande, als Punkt, der mir gut gefallen hat. 

Weniger gut gefallen hat mir Cinders Verschlossenheit. Sie ist ein starker Charakter, auf jeden Fall. Schließlich ist sie die beste Mechanikerin in der ganzen Hauptstadt. Aber Stärke bedeutet in diesem Fall nicht Selbstbewusstsein, denn sie schämt sich für ihr Cyborg-Dasein und behält es möglichst für sich. Das fand ich einerseits sehr verständlich, andererseits hätte ich mir aber gewünscht, sie hätte es Prinz Kai früher gebeichtet. Nichtsdestotrotz hat mir die Geschichte, obwohl man den groben Handlungsstrang ja schon kennt, sehr gut gefallen, nachdem ich mich in der Welt eingefunden hatte. Prinz Kai ist ein toller Charakter und auch einige der Nebencharaktere konnte ich sofort in mein Herz schließen. Bei einigen war auch das Gegenteil der Fall, aber was wäre eine Märchenadaption ohne Bösewichte? In der Geschichte gibt es wahrlich genug von denen. Wobei ich mir hier vom zweiten Band erhoffe, dass vielleicht mehr Graustufen entstehen und die Charaktere sich noch weiter behaupten und entwickeln. 
Was auch vielen Kitsch-Gegnern sicher gefallen würde, ist, dass der eigentliche Dreh- und Angelpunkt des Märchens - nämlich die Liebe zwischen Aschenputtel und dem Prinzen - hier absolut keinen Vorrang hat. Es ist mehr eine beständige Flirterei mit einem sehr überraschendem Ende. 

Was bei diesem Buch übrigens nicht unerwähnt bleiben sollte und was mir das Lesen oftmals sehr versüßt hat, ist der Humor. Vor allem Cinder und Prinz Kai machen gerne mal Gebrauch von der Ironie und das sehr gekonnt. Nicht selten habe ich beim Lesen lachen müssen. Doch auch die stumpfen, auf den Punkt gebrachten Antworten einiger Androiden haben mich teilweise sehr amüsiert. Die Autorin hat das wirklich gut eingebracht und der Geschichte dadurch noch eine erfrischende Note verliehen. 

Zu guter Letzt war ich sehr positiv überrascht, dass die Geschichte am Ende des Buchs nicht abgeschlossen war. Ich hatte geglaubt, dass jedes Buch zu einem Märchen gehört, was zwar auch der Fall ist, aber die Geschichten sind dennoch miteinander verwoben und ich freue mich schon auf den nächsten Band und die Entwicklung von Cinders Geschichte, die man hoffentlich weiterverfolgen kann.

Insgesamt hat mich das Buch nicht vom Hocker gerissen, aber es hat mich wunderbar unterhalten und mir Lust auf den Verlauf in den Folgebänden gemacht. Neben vieler, mit Märchen-Elementen verknüpfter innovativer Ideen glänzt die Geschichte durch eine sympathische Protagonistin und den humorvollen Schreibstil. Empfehlen kann ich das Buch jedem, der Sci-Fi, sowie Märchenadaptionen mag, als auch Bücher mit einer schönen Prise Humor. „Wie Monde so silbern“ ist ein gelungener Auftakt, der neugierig auf die Fortsetzung macht und deshalb von mir 4 von 5 Sternen bekommt!


Kommentare

  1. Hallo Elif :)
    Ich habe dich getaggt und würde mich freuen, wenn du mitmachst:
    http://phantasiewelten.blogspot.de/2014/01/und-wieder-einmal.html
    Liebe Grüße und noch ein schönes Wochenende!
    Nora

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    1. Hallo Nora! Vielen Dank dafür, ich finde den Tag wirklich spannend! Ich hoffe, ich hab demnächst einmal mal Zeit, ihn zu machen. Ansonsten tut es mir leid, ich bin bei sowas nicht der zuverlässigste Mensch >:(
      Dennoch ganz liebe Grüße!

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  2. Schön mal eine deutsche Meinung zu dem Buch zu hören. :) In den USA wird die Reihe ja ungemein angepriesen und gehört schon zum Standardinventar jedes Buchliebhabers. Ich habe mich aber bis jetzt nicht so wirklich für die Reihe interessiert, weil die ganze Cyborg Geschichte mich doch etwas abgeschreckt hat. Aber durch deine Rezension habe ich jetzt richtig lust es doch zu lesen. Besonders deine Einschätzung, dass das Buch humorvoll sein soll, hats mir angetan. Ich liebe es, wenn man in einem Buch nicht aus dem Grinsen herauskommt. :D
    Liebe Grüße

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    1. Ich muss sagen, wäre der Hype nicht gewesen, wär ich wohl auch nicht aufmerksam darauf geworden. Aber es lohnt sich wirklich! Und jetzt kann ich auch bestätigen, dass es im zweiten Teil genauso humorvoll weitergeht. :D Außerdem ist der zweite Teil generell nochmal eine tolle Steigerung! Also inzwischen bin ich richtig begeistert von der Reihe! :)

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  3. Ein Buch, das einem wirklich überall begegnet, wenn man nur ansatzweise was mit Buchbloggen zu tun hat. Aber ihr, die es bereits gelesen habt, scheint euch ja alle einig zu sein. Dass es ein humorvolles Buch ist, wusste ich bisher aber nicht. Das macht die Sache noch interessanter. Wird Zeit, dass ich es auch mal lese :)

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    1. Wie Recht du hast :D Es ist aber auch wirklich mal was anderes und lohnenswert :)

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  4. Wie alle jetzt dieses Buch hypen... :D
    Ich hab's mir bisher noch nicht genauer angeschaut, aber Märchenadaptionen mag ich in der Regel ganz gern (außer Snow White and the Huntsman, das war schrecklich Q.Q) ^^
    Tolle Rezi, finde ich sehr gut geschrieben ;)
    ♥, Josi

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    1. Zurecht! :D
      Dann solltest du dir die Reihe unbedingt mal genauer ansehen :) Danke!

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