Rezension: "Himmelsdiebe" - Peter Prange

Titel: Himmelsdiebe
Originaltitel: -
Autor: Peter Prange
Verlag: Piper Taschenbuch
Seitenzahl: 512
Preis: 9,99€
Reihe: -
Als sie sich das erste Mal begegnen, ist es wie Magie. Denn was Laura Paddington und Harry Winter miteinander verbindet, ist eine der größten Liebesgeschichten des 20. Jahrhunderts. Sie lieben mit einer Unbedingtheit, die sie immer wieder neue Grenzen überschreiten lässt. Rauschhaft im Kreis der Künstlerfreunde im Paris der 30er-Jahre. In der Zweisamkeit ihres selbst geschaffenen Paradieses fernab der Welt in der Provence. Bis die Wirklichkeit, der sie scheinbar immer wieder entkommen, sie endgültig einzuholen droht.. via

Dieses Buch würde bei mir in die Kategorie „Coverkauf“ fallen, was bei mir selten passiert. Doch tatsächlich habe ich mich erst in das Cover verliebt, den Inhalt als interessant befunden und es mir gekauft. Dennoch hatte ich Sorge, dass mich das Künstlerpaar kalt lassen könnte, weil mich ihre Materie einfach nicht so sehr interessiert wie manch andere. Das dachte ich zumindest. Doch Peter Prange ist hier etwas Außergewöhnliches gelungen, etwas Faszinierendes. Von Anfang an war ich in der Geschichte drin und gespannt, was als nächstes passiert, was nicht zuletzt am gut gewählten Aufbau des Romans lag. Er ist unterteilt in mehrere Abschnitte, je nach dem, wo und wann sich die Charaktere gerade aufhalten und diese Abschnitte bestehen jeweils auch noch aus Kapiteln, die sehr kurz, teilweise nur eine Seite lang, sind. Das hat mein Lesetempo enorm gesteigert, da ich mir bei jedem Kapitel dachte „Ach, das kannst du jetzt auch noch lesen“ und so ging das schließlich, bis das Buch zu Ende war. Hinzu kommt der wunderschöne Schreibstil. Der Autor hat eine faszinierende Art, mit Worten umzugehen und vermag es, den Leser damit so sehr in seinen Bann zu ziehen, dass man das Buch nur schwer weglegen kann. Durch seine Beschreibungen hatte ich jede Ort- und Landschaft bildlich vor Augen, konnte mir sogar die Kunstwerke vorstellen, die die Protagonisten während der Lektüre malen, obwohl ich auf dem Gebiet ein Amateur bin. Vom Aufbau und Schreibstil gibt es von mir also definitiv nur Positives zu berichten. 

Bezüglich der Charaktere sieht es ganz ähnlich aus. Ich muss zugeben, ich habe mich nicht sofort an die Persönlichkeiten gewöhnen können. Sowohl Laura, als auch Harry (vor allem aber dieser) sind extreme Freigeister und Träumer. Der Lebensstil, den Harry pflegt, konnte ich nicht nachvollziehen, und doch passte es wie die Faust aufs Auge. Er ist Künstler, er wird gesteuert von seinen Emotionen und er ist ein oberflächlicher Egoist. Oberflächlich nicht in dem Sinne, dass er das Innere eines Menschen unwichtig findet, aber er legt großen Wert auf das Schöne und das Schönsein. Deshalb liegt es auf der Hand, wie sehr er sich in die Naturschönheit Laura verliebt – an einer Stelle sagt er ihr sogar, dass sie immer so schön bleiben solle, weil er sie sonst nicht mehr lieben könne. Das fand ich doch sehr unsympathisch, aber im Laufe des Buches lernt man, dass Harry nunmal so ist und man lernt, ihn trotzdem gern zu haben. Nun zu Laura. Diese ist ein nicht weniger außergewöhnlicher Charakter. Sie ist sehr verträumt und metaphorisch. Sie macht alles, was sie macht, mit viel Hingabe und lebt spürbar für den Moment. Zudem ist sie sehr geheimnisvoll. Von Anfang an weiß man, dass sie unter einer Krankheit leider, „der Sache“, doch weiß man nicht, was für eine Krankheit das ist. Alles in allem harmonieren die beiden perfekt miteinander. Dadurch, dass sich auch die Perspektiven abwechseln, bekommt man Einblicke in beide Charaktere und kann die meisten Handlungen und Gedanken nachvollziehen, auch, wenn das durch die sehr speziellen Persönlichkeiten manchmal schwer fällt. 

Zur Handlung mag ich gar nicht viel sagen, denn sonst würde ich zu viel verraten. Auf jeden Fall ist sie sehr spannend, obwohl das Hauptaugenmerk auf der Liebe zwischen Laura und Harry liegt. Trotzdem bekommt man viele Orte zu „sehen“ und sammelt Eindrücke aus dem damaligen Zeitgeist der Künstler und Intellektuellen. Doch natürlich spielt auch der Zweite Weltkrieg eine entscheidende Rolle. Mir hat gefallen, dass dieser zu Anfang von den meisten Charakteren nicht ernst genommen wurde. Hitler und seine Machenschaften wurden belächelt, alles durch eine rosarote Brille wahrgenommen. Umso authentischer war es dann, als alles klar wurde, wie ernst der Krieg wirklich war. 
Das Ende kam für mich sehr unerwartet und hat mich zum Nachdenken gebracht. Das hat sich der Autor wirklich gut überlegt, denn nach einigem Grübeln ist mir klar geworden, dass es ideal passt. 

Alles in allem war das eine wirklich schöne Lektüre. Wer auf Kunst, außergewöhnliche Persönlichkeiten, einen tollen Schreibstil oder einfach nur den Zweiten Weltkrieg steht, der sollte sich „Himmelsdiebe“ auf jeden Fall anschauen. Erst wollte ich einen halben Punkt abziehen, weil ich Harry zeitweise echt unsympathisch und grob fand, doch mir ist klar geworden, dass das genau der Grund ist, warum ich nichts abziehen sollte – denn so sind die Charaktere, authentisch von Kopf bis Fuß. Demnach: 5 von 5 Sternen!


Kommentare

  1. Wow, klingt nach einem schönen Buch!!!! Erinnert mich ein kleines bisschen an Leon und Louise...

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    1. Léon und Louise spielt ja auch in der Zeit, oder? :) Vielleicht ist es tatsächlich vergleichbar. Auf jeden Fall kann ich es nur empfehlen. :)

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  2. Oh das klingt wirklich sehr, sehr gut. Ich habe ja auch öfter mit dem Gedanken gespielt, das Buch mal zu kaufen und zu lesen. Muss ich scheinbar tatsächlich mal machen...

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    1. Unbedingt! :) Und es macht echt was her im Regal, ich finde die Aufmachung soo schön :D

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