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Rezension: "Als die Liebe zu Elise kam" - Natasha Solomons


Titel: Als die Liebe zu Elise kam
Originaltitel: The Novel in the Viola
Autor: Natasha Solomons
Verlag: Kindler
Seitenzahl: 512
Preis: 19,95€

Inhalt 
Im Frühling des Jahres 1938 kommt Elise Landau nach Tyneford House, einem Anwesen an der Südküste Englands. Die junge Jüdin aus wohlhabender Familie erwartet hier eine Anstellung als Hausmädchen. Eltern und Schwester musste sie in Wien zurücklassen. Über England weiß Elise nichts – nur, dass es ihr dort nicht gefallen wird. Doch tapfer poliert sie Silber und serviert Drinks, mit der Perlenkette ihrer Mutter unter der Schürze. Einziger Lichtblick: Kit, der Sohn des Hausherrn. Mit ihm erlebt sie ihre erste zarte Liebe – eine Liebe gegen die Konventionen. Dann erreicht der Krieg das beschauliche Dorset und beschwört Ereignisse herauf, die Tyneford House und seine Bewohner für immer verändern. Elise erkennt, dass sie keine andere Wahl hat, als ihr altes Leben komplett hinter sich zu lassen... via

Meine Meinung 
Ich habe lange gebraucht, um in dieses Buch reinzukommen und überlege immer noch, woran es gelegen haben könnte. Im Grunde finde ich Romane des Zweiten Weltkrieges sehr spannend und mitreißend und mich hat gereizt, dass sich diese Geschichte in England abspielt. Doch ich konnte mit Elise einfach nicht warm werden. Zwar versuche ich immer, auch Handlungen, die ich nicht nachvollziehen kann, so zu interpretieren, dass sie mir doch wenigstens verständlich werden, doch in diesem Fall fiel mir das leider sehr schwer. Elise ist ein sehr verwöhntes und zu Anfang unselbstständiges Mädchen und geht zwar eine große Entwicklung durch, war mir aber trotzdem bis zum Ende nicht wirklich sympathisch. Und Kit, in den sich Elise verliebt, blieb mich bis zum Ende ein Rätsel. Die beiden haben viel davon gesprochen, dass sie sich lieben, doch mir fehlten die Emotionen, wenn sie beieinander waren, die ihre Worte unterstützt hätten. So war das ganze zwar recht schön geschildert, doch nicht sehr authentisch für mich. Abgesehen von den beiden Charakteren haben mir die anderen aber recht gut gefallen, viele hatte ich deutlich vor Augen und hätte gerne mehr über beispielsweise den Butler Mr. Wrexham erfahren. 
Ein deutlicher Pluspunkt ist der Schreibstil der Autorin. Sehr bildhaft und emotional, mit treffenden Worten und schönen Metaphern. Die englische Kulisse hatte ich dadurch sehr deutlich vor Augen, sowie auch die Stimmungen, die im Herrenhaus herrschte. Außerdem gefiel mir die Länge der Kapitel und vor allem die Kapitelüberschriften und -inhalte, die Bezüge zu Figuren wie Samson oder Alice im Wunderland schufen. 
Leider gab es dann auch wieder Minuspunkte im Verlauf. Nach „der Tragödie“, die ich nicht verraten möchte, waren mir die Personen zu betäubt, sodass es in meinen Augen nicht mehr glaubwürdig erschien. An deren Stelle hätte ich versucht, herauszufinden, wo und was genau geschehen ist und hätte das Schicksal nicht einfach akzeptiert. Es fiel mir schwer, diese taube Akzeptanz nachzuvollziehen. Zusätzlich dazu hat mir auch das Ende nicht ganz so gut gefallen. Ich fand es sehr merkwürdig, auch wenn man sagen könnte, dass in Kriegszeiten vieles passiert, was sonst vielleicht nicht passieren würde. 

Fazit
Wie man sieht, ist meine Meinung sehr durchwachsen. Die Kulisse und der Schreibstil, sowie viele Nebencharaktere haben mir sehr gut gefallen, wohingegen ich mich mit Elise, Kit und dem Verlauf der Geschehnisse nicht ganz so gut anfreunden konnte. Dennoch empfehle ich das Buch all jenen, die die Inhaltsangabe ansprechend finden und glaube, dass es einigen vielen besser gefallen könnte, die mit der Protagonistin wärmer werden als ich. Von mir gibt es 3 von 5 Sternen


Kommentare

  1. Schade, dass es nicht so deins war. Deine negativen Punkte kann ich nachvollziehen, auch wenn es mir mit den meisten ja anders ging. Kit ist allerdings wirklich ein blasser Charakter.
    Auch mit den Geschehnissen nach 'Der Tragödie' hast du irgendwie recht, obwohl sich Nachforschungen wohl nur durch einen Brief an irgendein Amt hätten betreiben lassen und von da hätten sie sich kaum eine Antwort bekommen. Immerhin gab es damals vergleichsweise wenige Kommunikationsmittel.

    Na ja wie dem auch sei, ich hoffe, dein nächstes Buch gefällt dir besser :D

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    Antworten
    1. Ich fand's auch schade :]
      Ja, da hast du wohl recht. Vor allem weil besagte Person ja nicht einmal genau gesagt hat, wo sie hin will. Aber mir hätte der Versuch schon gereicht, um das Ganze glaubwürdig zu machen. :/
      Aber umso besser, dass es auch viele gibt, denen das Buch gefällt. :D Wär ja langweilig, wenn alle das gleich mögen und nicht mögen würden. :)
      Danke! :)

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