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Rezension: "Die Liebenden von Leningrad" - Paullina Simons


Titel: Die Liebenden von Leningrad (Tatiana und Alexander #1)
Autor: Paullina Simons
Verlag: u.a. Heyne
Seitenzahl: 752
Preis: 9,95€

Inhalt 
An einem warmen Sommertag 1941 begegnet Tatiana dem jungen Offizier Alexander, der Liebe ihres Lebens. Doch Alexander hütet ein Geheimnis, das so lebensgefährlich ist wie der Krieg, der vor den Toren Leningrads steht. Werden sie jemals ihre Gefühle füreinander zeigen können? via

Meine Meinung 
Es fällt mir wirklich schwer, zu diesem Buch eine möglichst objektive Rezension zu schreiben, denn auch beim zweiten Mal Lesen hat es mich umgehauen. Dieses Buch ist der Auslöser dafür, dass ich so sehr auf die osteuropäische Geschichte abfahre, dass ich Geschichte studiere und dauernd osteuropäische Module belege und dass ich so eine Liebe für Romane habe, die in der Sowjetunion und vor allem in Russland spielen. Nun, aber was macht dieses Buch denn so besonders? 

Zum einen ist da Paullina Simons Schreibstil. Sie schreibt nicht außergewöhnlich kunstvoll oder ungewöhnlich, aber sie trifft mit ihren Worten direkt ins Herz. Ihre Worte drücken so viele Gefühle aus, dass ich jedes Mal wie gebannt von einer Seite zur nächsten husche und mich wundere, wie schnell sich über 700 Seiten lesen lassen. Ich bin Frau Simons so dankbar für all die Gefühle, die sie mir beim Lesen und auch danach noch beschert, denn ihre Geschichte und Charaktere lassen mich auch im Nachhinein nicht los. 
Tatiana ist so ein bewundernswertes Mädchen, das im Laufe des Buchs zu einer unglaublich starken, selbstlosen, aber auch dickköpfigen Frau heranwächst, dass ich gar nicht anders kann, als sie in mein Herz zu schließen. Bislang ist sie meine ungeschlagene Lieblingsprotagonistin und ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass sie mein Vorbild ist. Zugegeben, wer das Buch nicht kennt und das jetzt so liest, wird vielleicht die Augen verdrehen, weil Tatiana nach einem makellosen Charakter klingt, doch auch sie hat ihre Schwächen und ihre Stärke führt daher, dass sie ihre Familie und Alexander so sehr liebt und ihnen helfen will.
Alexander hingegen ist kein so augenscheinlich glatt geschmirgelter Charakter wie Tatiana. Er hat eine schwierige Vergangenheit und ist ein Frauenheld mit einem eigennützigen Ziel, bevor er Tatiana kennenlernt. Erst sie verwandelt ihn in den Mann, der alles gibt, um sie zu beschützen. Er ist zwar ein Charakter, der schnell die Geduld verliert und für seine Vorhaben auch über Leichen gehen würde, aber gerade diese Unperfektheiten machen ihn so faszinierend. 

Anlässlich des Schauplatzes – das Leningrad während der deutschen Blockade – brauche ich wohl eigentlich nicht mehr erwähnen, wie spannend der Roman ist. Keine einzige Seite ist zu viel oder langweilig und Paullina Simons beschreibt sehr gut, welche Probleme und Schrecken es während der Belagerung mit der Lebensmittelversorgung und der Kälte gab und wie viele Leben es kostete. Sowohl die Gefahr von Seiten der Wehrmacht, als auch die von Seiten der eigenen Regierung werden sehr schlüssig und historisch richtig dargestellt. 
Im letzten Drittel gibt es jedoch eine große Wendung und die Probleme verlagern sich. Eine Verstrickung folgt auf die nächste, bis zum spannenden Ende. Aber viel mehr will ich auch gar nicht verraten. 
Zugegeben, die Liebe zwischen Tatiana und Alexander steht sehr im Mittelpunkt des Geschehens und Leser, die eine Abneigung gegen Kitsch haben, könnten an einigen Stellen die Augen verdrehen, doch in meinen Augen ist die (Liebes-)Geschichte so authentisch und berührend, dass ich mir schwer vorstellen kann, dass sie jemandem nicht gefällt. Man muss nicht einmal ein großes Interesse an Geschichte haben, um dieses Buch zu mögen, man wird ganz von selbst in den Bann gezogen. 

Fazit 
Dieses Buch belegt schon seit ungefähr zwei Jahren den Posten als mein Lieblingsbuch und das völlig zurecht. Auch nach dem zweiten Lesen ist meine Faszination nicht gebrochen. Im Gegenteil, ich habe die Charaktere nur noch mehr in mein Herz geschlossen. 
Ich kann dem Roman wirklich ausnahmslos jedem empfehlen. Es gedenkt der Opfer während der Blockade Leningrads, es beinhaltet eine wundervolle Liebesgeschichte und stellt einem Charaktere vor, die man so schnell nicht mehr vergisst. 
Von mir gibt es selbstverständlich die volle Punktzahl - mit hundert Sternen obendrauf.


Meine jeweiligen Rezensionen zum zweiten und dritten Band findet ihr hier und hier

Kommentare

  1. Ich liebe "Die Liebenden von Leningrad", habe auch den zweiten Band "Tatiana und Alexander" in meinem Regal. Beide Bände sind die Art Bücher die man nicht so leicht vergisst.

    Liebe Grüße,
    Suey

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    1. Ja, find ich auch! :) Hast du auch den dritten Band gelesen? Der ist auch ganz, ganz toll!

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    2. Ehrlich gesagt nein, weil ich die ersten beiden schon so intensiv fand und nach der ganzen Geschichte in Russland, mit nicht vorstellen konnte, dass der dritte den ersten beiden gerecht wird.

      LG,
      Suey

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    3. Kann ich verstehen, die Bedenken hatte ich auch. Aber mir haben die Charaktere so gefehlt, dass ich unbedingt mehr wollte und mich konnte der dritte Teil komplett überzeugen. :) Es stehen zwar mehr die Probleme in der Ehe im Mittelpunkt (Kriegstrauma und alles), aber es liest sich genauso schön. Übrigens wird der Vietnamkrieg nicht wenig thematisiert, deshalb könnte es dir vielleicht doch gut gefallen :]

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  2. Ich finde deinen Blog ech toll
    würde mich über einen gegenbesuch freuen
    LG
    Ally
    http://allys-wildebuecherwelt.blogspot.de/

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