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Rezension: "Wer Liebe verspricht" - Rebecca Ryman

Titel: Wer Liebe verspricht
Autor: Rebecca Ryman
Verlag: Fischer 
Seitenzahl: 816
Preis: 9,95€

Inhalt 
1848 trifft die 22jährige Amerikanerin Olivia auf Einladung ihrer Tante in Indien ein. Lady Bridget sucht für ihre Nichte einen Ehemann, doch Olivia erstickt an der Steifheit der sogenannten guten Gesellschaft wohlsituierter englischer Kolonialherren und sehnt sich nach der Freiheit ihrer amerikanischen Heimat. Da begegnet sie Jai Raventhorne, dem illegitimen Sohn eines Engländers und einer Inderin aus ärmlichen Verhältnissen. Er ist ein Fremder, ein Ausgestoßener in dieser vorurteilsvollen und selbstgerechten Welt der britischen Kolonie, er erobert Olivia im Sturm. Dem Gleichklang der Herzen folgen Qualen der Aussichtslosigkeit, denn Jai lässt es nicht zu, dass sie sich seiner Vergangenheit, seinem Wesen nähert. Eines Tages verlässt er sie, und aus ihrer hingebungsvollen Liebe wird unerbittlicher Hass. Ihr Wunsch nach Rache ist von derselben Intensität wie einst ihre Liebe für Jai. via 

Meine Meinung 
„Wer Liebe verspricht“ hielt ich anfangs für einen sehr kitschigen Titel, doch jetzt, nachdem ich das Buch gelesen habe, könnte ich mir keinen passenderen vorstellen. Doch nicht nur der Titel haben mich anfangs skeptisch gemacht – wäre mir das Buch nicht wärmstens empfohlen worden, ich hätte das Buch wahrscheinlich nicht gelesen, da mein Interesse bislang nicht bei der indischen Kolonialzeit lag. Doch so kann man sich irren. 
Wenige Seiten haben ausgereicht und ich war so gefesselt, dass sich regelrechte Aufregung in mir breit machte, weil ich schon lange mehr kein solch fesselndes und rundum gelungenes Buch gelesen habe. Schon zu Anfang war ich fasziniert davon, wie gut die einzelnen Charaktere ausgearbeitet sind. Jeder hat seine eigene Tiefe und diese ist so ausgefeilt, wie ich sie bisher selten in Romanen erlebt habe. Zudem habe ich die Protagonistin Olivia sehr schnell ins Herz geschlossen und mit ihr mitgelitten, weil sie so ein wundervoller, selbstloser, starker und kluger Charakter ist und ich mich in vielen Dingen mit ihr identifizieren konnte. Außerdem ließ sie noch authentischer wirken, dass auch sie nicht fehlerlos ist, was letztendlich auf jeden Charakter zutrifft. Jeder hat seine schlechten Seiten und wird nicht idealisiert. Die ganzen verschiedenen Gedanken und Sichtweisen der Charaktere waren unheimlich interessant, ich hatte regelrecht das Gefühl, die Personen und deren Psychen mit jeder neuen Begebenheit persönlich kennenzulernen. Auch wenn das meiste aus der Sicht Olivias in der personalen Erzählperspektive geschildert wird, so schlüpft der Erzähler hin und wieder auch in die Perspektive anderer Charaktere. 
Des Weiteren muss ich der Autorin und ihrem Schreibstil ein Kompliment machen. Knappe 800 Seiten und keine zu viel. Die Seiten sind nur so verflogen und ich war viel zu schnell beim Ende angelangt. Der Schreibstil ist sehr passend, nicht zu archaisch, aber das damalige Jahrhundert authentisierend. Es gibt, genau wie ich es mag, viele Dialoge, aber auch schöne Beschreibungen, sodass man sich alles bildlich vorstellen kann. 
Zu guter Letzt die Liebesgeschichte – ich nahm an, dass dieses Buch ein schöner, kitschiger Schmöker sein würde, à la Nicholas Sparks zum Beispiel. Doch weit gefehlt. Natürlich ist die Liebe zwischen Olivia und Jai der Dreh- und Angelpunkt, doch die Szenen mit den beiden überwiegen nicht. Im Gegenteil – nur an wenigen Stellen würden Gegner vom Kitsch mit den Augen rollen, die restliche Handlung ist einfach nur mitreißend und tragisch. 

Fazit 
Diesen Roman empfehle ich ausnahmslos jedem. Er ist schlicht und einfach fesselnd und sehr klug ausgebaut. Wem eine große Charaktervielfalt gefällt und wen eine gewisse Tragik nicht stört, der sollte sich dieses Buch schleunigst zulegen. Auch Leseratten, die keinen Kitsch mögen, würde diese Geschichte gefallen, da der Kitsch keinesfalls überwiegt. Und vor allem, selbst wenn ihr kein Interesse an der indischen Vergangenheit habt – ihr werdet euer Interesse schon bald nach dem Lesen entdecken und das Buch verschlingen. Zumindest war das bei mir der Fall und ich bin froh, ein weiteres Buch zu meinen Lieblingsromanen zählen zu können. Von mir gibt es – wie sollte es auch anders sein? - 5 von 5 Sternen.


Kommentare

  1. Hallo,

    deine Rezension finde ich wundervoll und man merkt richtig deine Begeisterung für das Buch. Vor allem finde ich, dass du mit deiner Meinung den Inhalt und Aufbau der Geschichte toll wiedergegeben hast.

    Ich mag dieses Buch auch sehr gerne und es zählt schon seit Jahren zu meinen Lieblingsbüchern.

    LG,
    Jai (die zwar weiblich ist, Jai Raventhorne aber so toll fand, dass sie den Namen seither als Nick benutzt)

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    1. Hallo,

      danke dir! :) Das freut mich sehr. Ich bin froh, dass ich jetzt auch zu meinen Lieblingsbüchern zählen kann, es hat mich einfach umgehauen.

      Ahh, jetzt verstehe ich! :D Ich muss zugeben, ich habe Jai mehr gehasst als geliebt. Aber er ist einer der interessantesten Buchcharaktere, denen ich begegnet bin.

      Liebe Grüße zurück :)

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  2. Jaaaa! Ich kann das alles nur zu gut nachvollziehen :D Wirst du den zweiten Band auch lesen?

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    1. Haha :D Ich bin so froh, dass ich hierbei auf dich gehört hab, obwohl mich das nicht so interessierte... das Buch ist der Wahnsinn. :D
      Ich weiß nicht so recht.. nachdem ich mir den Inhalt durchgelesen habe, habe ich Angst, dass es meine Gefühle zum ersten Band kaputtmachen würde. Ich glaube, ich lasse mich erstmal Zeit damit.. hast du den gelesen oder hast du es noch vor? :)

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    2. Haha, das freut mich auch :D
      Mir geht's auch so. Ich hab den zweiten Band noch nicht gelesen und warte jetzt auch erstmal ab... Vielleicht lese ich ihn noch, aber erstmal noch nicht, weil ich befürchte, dass es an den ersten Teil nicht rankommt.

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  3. Dein Blog und deine Bilder sind echt schön!:)
    Vielleicht magst du ja auch mal bei mir vorbei schauen,da läuft noch einige Tage ein Gewinnspiel mit einem Gesamtwert von 50 Euro: http://kimheartit.blogspot.de
    Liebe Grüße :)

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