8/05/2012

Kurzrezension: "Geschlossene Gesellschaft" - Jean-Paul Sartre

Titel: Geschlossene Gesellschaft
Autor: Jean-Paul Sartre
Verlag: rororo
Seitenzahl: 80
Preis: 4,99€

Inhalt
"Geschlossene Gesellschaft": Drei Personen, die im Leben einander nie begegnet sind, werden nach ihrem Tod für alle Ewigkeit in einem Hotelzimmer zusammensein. Das ist die Hölle. "Wenn meine Beziehungen schlecht sind, begebe ich mich in die totale Abhängigkeit von anderen. Und dann bin ich tatsächlich in der Hölle. Und es gibt eine Menge Leute auf der Welt, die in der Hölle sind, weil sie zu sehr vom Urteil anderer abhängen." (Jean-Paul Sartre) via

Meine Meinung
Ich finde es zugegebenermaßen sehr schwierig, Klassiker zu bewerten. Natürlich stehe ich dazu, wenn mir ein Werk nicht gefallen hat, aber ich zweifle häufig auch an meiner Leseart. Habe ich vielleicht überlesen, was der Autor vermitteln will? Bin ich zu schlecht im Interpretieren? Oder bin ich einfach zu jung, um das Buch gut zu finden? Was Buchkritiken angeht, bin ich ein Laie, das ist mir bewusst. Doch auch wenn die Zweifel da sind, möchte ich es mir nicht nehmen lassen, hier auch den einen oder anderen Klassiker zu bewerten. 

Sartres Stück „Geschlossene Gesellschaft“ besticht erneut durch Kürze und Einfachheit, endend mit der gesellschaftskritischen Botschaft. Ich persönlich finde es genial, die Hölle als einen Raum zu beschreiben, dem drei einander fremde Menschen – ein Mann und zwei Frauen - zugeteilt werden, die aus diesem harmlosen Raum erst dadurch eine „Hölle“ erschaffen, dass sie nur darauf achten, wie die jeweils anderen beiden die eigene Person wahrnehmen. Dadurch entsteht ein innerer Konflikt der Personen, der droht, zu eskalieren. 
Ich finde nach wie vor, dass Sartre einen guten Schreibstil hat, doch mir hat in der Handlung ein bisschen was gefehlt. Der Höhepunkt war vorhanden, das Ende leider ernüchternd. Mir hat der „Aha!“-Effekt gefehlt, obwohl ich die Botschaft verstanden habe. Außerdem konnte ich mich mit den Charakteren nicht identifizieren, sie waren mir zu grob dargestellt. Natürlich gehört das zum Stück und jeder Charakter gibt nur ein bisschen von sich Preis, doch ein paar Seiten und somit auch Informationen mehr hätten durchaus nicht geschadet. 
Demnach denke ich nicht, dass „Geschlossene Gesellschaft“ von nun an zu meinen Lieblingsklassikern gehören wird, doch bereichernd war es dennoch. Wer sich mal an Sartre versuchen will, dem kann ich dieses Stück durchaus empfehlen, doch sein Stück „Das Spiel ist aus“ hat mir im Vergleich besser gefallen. Auch, wenn die Bewertung sehr schwierig ist, vergebe ich 3,5 von 5 Punkten.


1 Kommentar:

  1. Huhu

    Deine Rezension ist ja nun schon ein paar Jährchen alt. Trotzdem hab ich Lust, meinen Senf dazu zu geben. :)

    Ich habe dieses Stück auch vor einigen Jahren gelesen und ich kann total nachvollziehen, wenn du sagst, dass es schwierig ist, Klassiker zu bewerten. Jedoch denke ich, dass jeder grob ein Buch bewerten kann, ohne Literaturkritiker zu sein. Jeder hat eben eine andere Art zu lesen, jeder hat einen anderen Wissensstand. Von daher ist es, denke ich, ok, auch als Laie an ein solches Buch heran zu gehen. Verschiedene Sichtweisen sind ja durchaus spannend. :)

    Was ich bei Sartre denke, ist: Man sollte ihn nicht als einfachen Schriftsteller betrachten, der Romane / Stücke schreibt. Er wird oft als klassischer Romancier / Dramatiker dargestellt, er erscheint auf Listen von Büchern, die man unbedingt gelesen haben muss. Aber in erster Linie ist er Philosoph und Hauptvertreter des "Existenzialismus". Seine existenzialistischen Gedanken hat er teilweise in Geschichten wie diese verpackt, aber auch in reine Sachtexte und Aufsätze. Vielleicht sind solche Stücke eher gemacht für Leute, die sich näher mit dem Existenzialismus auseinander gesetzt haben (das habe ich auch nicht). Vielleicht stellt sich dann eher ein Aha!-Effekt ein. Ansonsten kann man wohl nur erahnen oder vermuten, was er einem damit sagen wollte. Oder man findet eine eigene persönliche Interpretation, was auch okay ist. :) Ich glaube, "Das Sein und das Nichts" war sein philosophischer Schinken, der seine ganze Denkweise erklärt.
    "Das Spiel ist aus" fand ich im Vergleich aber auch viel besser und auch ohne philosophische Kenntnisse lesbar, da dieses nicht auf seiner Philosophie basiert. "Das Spiel ist aus" habe ich in einer Nacht verschlungen, so gut fand ich es. :)

    Liebe Grüße,

    http://lesenundgrossetaten.blogspot.de/

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