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Rezension: "Silberlicht" - Laura Whitcomb


Titel: Silberlicht
Autor: Laura Whitcomb
Verlag: Pan
Seitenzahl: 320
Preis: 8,99€

Inhalt 
Seit über hundert Jahren ist Helen reines Licht, der strahlend helle Schatten einer wunderschönen Frau. Als unsichtbare Muse flüstert sie literaturbegabten Menschen die richtigen Worte ein. Bis eines Tages ein Siebzehnjähriger ihr unsterbliches Leben verändert: Er blickt Helen direkt ins Gesicht und … lächelt! Im Körper des Schülers steckt James, ebenfalls eine Lichtgestalt. Vom ersten Augenblick an wissen die beiden, dass sie füreinander bestimmt sind. Aber um zusammen zu sein, müssen sie unvorstellbare Hindernisse überwinden, die ihre Liebe auf eine harte Probe stellen.. via


Meine Meinung 
„Silberlicht“ war mir schon seit langem ein Begriff und da ich hin und wieder Phasen habe, in denen ich nichts allzu anspruchsvolles lesen möchte, kam mir das sehr gelegen. „Nichts anspruchsvolles“ soll keinesfalls als Abwertung verstanden werden, denn auch solche Bücher können mich des Öfteren vollkommen von sich überzeugen. Hier war das leider nicht der Fall. 
Natürlich war mir schon vorher klar, dass es um „Geister“ gehen würde, oder „Licht“, wie die Protagonistin Helen sich selbst betitelt. Ein fantastisches Thema also. Bei solchen Fantasie-Elementen finde ich den Grad zwischen Fantasie und Realität immer sehr schwierig zu bewältigen. Wenn es von Zauberei oder allgemein Übernatürlichem handelt, dann kann die Autorin eigentlich alles möglich machen, ohne es unbedingt begründen zu müssen. Und genau das ist die Schwierigkeit. Fantasie ist zwar Fantasie, aber sie muss erklärt werden. In „Silberlicht“ wird gar nichts erklärt. Helen ist „Licht“ und war Jahrzehnte lang allein und unsichtbar, bis sie James trifft. Warum ist sie „Licht“? Warum sieht sie sonst keine „Lichtgestalten“? Warum dann James? Und warum kann Helen plötzlich in einen menschlichen Körper eintreten? Das alles wird nicht thematisiert, was mein größtes Problem bei diesem Roman war. 
Die Charaktere waren nicht uninteressant, doch im Nachhinein fühle ich mich nicht, als hätte ich sie wirklich kennengelernt. Trotzdem waren ihre Handlungsweisen nachvollziehbar, zum Beispiel, warum sie sich so schnell verlieben und warum sie so schnell zu Körperlichkeiten übergehen. Schließlich waren beide sehr lange einsam gewesen und treffen ineinander dann endlich Gleichgesinnte. Auch die Nebencharaktere und ihre Geschichten waren interessant dargestellt. 
Was mir außerdem gut gefallen hat, war der Schreibstil und die Thematisierung der Literatur und Poesie. Sehr poetisch, sehr romantisch, lyrisch und mit viel Liebe zum Wort hat Laura Whitcomb ihr Werk geschrieben. 

Fazit 
Jenen, die nichts dagegen haben, wenn bestimmte Dinge, wie das Dasein der „Lichtgestalten“, nicht erklärt werden, kann ich dieses Buch durchaus empfehlen. Es ist nichts Großes, doch ein angenehmes Lesevergnügen, begleitet von einem poetischen und liebevollen Schreibstil. Doch auch auf die sich schnell entwickelnde Liebesgeschichte sollte man vorbereitet sein. 
Für mich war dieses Buch nichts besonderes und der erstgenannte Punkt, mit dem suspekten Dasein Helens, hat mir das ganze Buch hindurch keine Ruhe gelassen, weshalb ich es nicht wirklich genießen konnte. Von mir gibt es 2 von 5 Punkten für einen Roman, der nicht schlecht ist, aber auch nicht heraussticht. 


Kommentare

  1. Hmmm vielleicht hat es auch seine Gründe, dass ich bis vor kurzem von diesem Roman noch fast nichts wusste?! :S Ich glaube nach der Rezension auch nicht unbedingt, dass sich mein Interesse diesbezüglich noch vertiefen wird.

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    1. Verpassen tust du nichts. :) Ich glaube nicht, dass es dir besser gefallen würde, als mir. :]

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  2. Ich kann dich so gut verstehen, ich war damals ziemlich enttäuscht von "Silberlicht" :-(
    Am Anfang hatte ich große Erwartungen, weil die Thematik so interessant und nachdenklich klang und alle meinten, der Schreibstil wäre so schön und auch komplexer (was ich ja liebe). Die Liebe zum geschriebenen Wort darin war dann aber im Grunde das Einzige, was ich wirklich gut fand. Die Charaktere konnten mich nicht überzeugen und ich konnte auch nicht nachvollziehen, warum sich bei ihrem Alter größtenteils wie hormongesteuerte, rücksichtslose Teenies aufführen mussten ...

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