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Rezension: "Der Russe ist einer, der Birken liebt" - Olga Grjasnowa


Titel: Der Russe ist einer, der Birken liebt
Autor: Olga Grjasnowa
Verlag: Hanser
Seitenzahl: 288
Preis: 18,90€

Inhalt 
Mascha ist jung und eigenwillig, sie ist Aserbaidschanerin, Jüdin, und wenn nötig auch Türkin und Französin. Als Immigrantin musste sie in Deutschland früh die Erfahrung der Sprachlosigkeit machen. Nun spricht sie fünf Sprachen fließend und ein paar weitere so "wie die Ballermann-Touristen Deutsch". Sie plant gerade ihre Karriere bei der UNO, als ihr Freund Elias schwer krank wird. Verzweifelt flieht sie nach Israel und wird schließlich von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt. Mit perfekter Ausgewogenheit von Tragik und Komik und mit einem bemerkenswerten Sinn für das Wesentliche erzählt Olga Grjasnowa die Geschichte einer Generation, die keine Grenzen kennt, aber auch keine Heimat hat. via


Meine Meinung

„Der Russe ist einer, der Birken liebt.“. Der Titel hat mich schon auf Anhieb neugierig gemacht, der Inhalt klang sehr interessant und nachdem ich immer mehr über dieses Buch mitgekriegt habe, musste ich es einfach lesen. Gesagt, getan. 
Ich muss sagen, der erste Eindruck war ernüchternd. Mascha ist ohne Zweifel eine sehr interessante Protagonistin, genauso wie die anderen Personen interessant sind, doch ich konnte sie nur selten verstehen oder mich mit ihr identifizieren, obwohl ich – wie sie – einen Migrationshintergrund habe und mehrsprachig aufgewachsen bin. Leider wird in meinen Augen vieles zu radikal geschildert. Liegt es daran, dass ich nicht ausländisch aussehe und deshalb relativ wenig mit ausländerfeindlichen Menschen in Kontakt gekommen bin, oder stellt die Autorin das einfach zu überspitzt da? Vielleicht sogar, um durch Übertreibungen die Realität besser darzustellen? Mir ist das leider nicht ganz deutlich geworden und, wie gesagt, meine Wahrnehmung der heutigen Zeit ist ein wenig anders. 
Trotzdem war ich neugierig, wie sich die Geschichte im Verlauf des Buches entwickeln würde. Ich habe mit der Zeit gemerkt, dass Mascha ein stark traumatisierter Charakter ist und dass sie sich schwer tut, Dinge positiv zu sehen. Nachdem ihr Freund stirbt, konnte ich ihre Sichtweisen und teilweise auch ihr Handeln zwar nachvollziehen, doch ich wurde immer noch nicht mit ihr warm. 
Die restliche Handlung will ich euch nicht vorwegnehmen. Überhaupt ist die Handlung, wie ich es wahrgenommen habe, gar nicht das Hauptmerkmal dieses Romans. Vielmehr geht es um Maschas Vergangenheit, Multikulturalität und Darstellungen vieler ausländischer Menschen. So tauchen außer Mascha noch türkisch- und arabischstämmige Freunde auf, außerdem lernt sie auf ihrer Isreal-Reise noch sehr viele Menschen verschiedener Nationalitäten kennen. Das mag der ein oder andere sehr faszinierend finden, so wie ich. Dennoch.. 
Ich bin unschlüssig, wie ich das in Worte fassen soll. Ich bin ein Mensch, der wenig in Nationalitäten denkt. Die Gesellschaft sollte sich in eine Richtung bewegen, in der jeder nur ein Weltbürger ist und kein Deutscher, Türke, Aserbaidschaner, wie auch immer. Und deshalb erschienen mir während des Lesens Grjasnowas Darstellungen schon zu radikal. Im Nachhinein denke ich mir, dass sie genau das vielleicht bezwecken wollte, dass dem Leser klar wird „Hey, so eine Nationalitäten-Bewertung ist doch vollkommener Schwachsinn“, aber mir hat der Aha-Moment gefehlt, in dem das wirklich deutlich wird. 
Zum Schreibstil kann man nichts Schlechtes sagen. Die Autorin versteht es, mit Worten umzugehen und nicht selten musste ich ein paar Tränen unterdrücken. Nichtsdestotrotz gefiel mir die Protagonistin einfach nicht, doch, wie ich am Ende festgestellt habe, das muss sie auch nicht. Das Buch war auch so sehr interessant und für die Botschaft, wie ich sie verstanden habe, war es nicht nötig, aus Mascha einen „Mich-lieben-alle“-Charakter zu machen. 

Fazit 
Insgesamt klingt das nun möglicherweise sehr kritisch und unzufrieden, doch das Buch hat mir trotzdem gut gefallen. Ich würde nicht sagen, dass ich es unbedingt besitzen oder nochmal lesen muss, aber es ist sehr interessant und durchaus empfehlenswert für jene, die der Inhalt anspricht. Von mir gibt es gute 3,5 von 5 Punkten.

Kommentare

  1. Hmm das klingt ja nicht soo gut, aber irgendwie auch nach einem Buch, das man selbst gelesen haben muss, um es beurteilen zu können. Auch wenn ich jetzt etwas skeptischer bin, denke ich, dass ich es trotzdem noch lesen möchte, einfach weil deine Rezension den Eindruck macht, dass es irgendwie Ansichtssache ist. Mal sehen, was ich von dem Buch halten werde :D Aber seine sehr schöne Rezension!

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    1. Ja, ich denke auf jeden Fall, dass es Ansichtssache ist, aber man muss auf jeden Fall in der Stimmung für etwas Ernstes sein. :) Lesen solltest du es wirklich, ich bin gespannt, wie es dir dann gefallen wird. Ich habe gerade ein paar Rezensionen auf Amazon gelesen und konnte sowohl bei den guten als auch bei den schlechten Bewertungen zustimmen. Es ist wirklich eine sehr subjektive Angelegenheit. :D

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  2. Looking good sweetie! do you wanna follow each other?:X

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