Direkt zum Hauptbereich

[Tag] Ganz schön kopflastig...

Die liebe Hannah hat auf ihrem Blog Paper Trail einen tollen Post über Bücher verfasst, die auch lange Zeit nach dem Lesen entweder im Kopf oder im Bauch umherschwirren und uns nicht in Ruhe lassen. 
Es gibt Bücher, bei denen muss der Kopf richtig mitarbeiten und man kann einfach nicht aufhören, über die angesprochenen Thematiken nachzudenken. Es gibt Bücher, die sind nicht unbedingt schwer zu verstehen, aber wiederum sehr schwer zu verdauen sind. Und es gibt Bücher, die gehen einem einfach nicht mehr aus dem Kopf, weil sie etwas in einem ausgelöst haben, weil man etwas aus ihnen mitgenommen hat, das das eigene Denken erweitert oder verändert hat. 

Solche Bücher sind mir generell am liebsten. Zwar lese ich, wenn ich viel zu tun hab, auch gerne mal weniger anspruchsvolle Lektüren, finde es aber schade, wenn es nur ein kurzweiliges Vergnügen bleibt und ich mich nicht wirklich bereichert fühle. Zur Zeit lese ich zwar mehr Bücher der letzten Sorte und das auch gerne, aber vor allem wenn ich zurückblicke, merke ich, dass die bauch- und kopflastigen Bücher einfach mehr Eindruck hinterlassen und im Gedächtnis bleiben. Ein paar von denen möchte ich euch heute zeigen. :)
Tausend strahlende Sonnen war das erste Buch, das ich von Khaled Hosseini gekauft habe. Ehrlich gesagt war es ein relativ blinder Kauf - ich hatte so viel gutes gehört, dabei hat mich die Inhaltsangabe nicht so sehr angesprochen. Trotzdem habe ich es gekauft, angefangen zu lesen und.. innerhalb eines Tages durchgelesen. Es hat mich fertiggemacht. Ich habe mitgefiebert. Ich habe getrauert. Ich habe gehofft. Ich habe den Drang gehabt, die Welt zu verändern, eigenständig nach Afghanistan zu reisen und diese faschistischen, altmodischen Menschen, die den Frauen leid zufügen, wachzurütteln. Genauso beim Drachenläufer. Ich kann nicht sagen, welches Buch mir besser gefallen hat. Tausend strahlende Sonnen thematisiert eher die Frauen, wohingegen Drachenläufer aus der Sicht eines Jungen geschrieben ist, der die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse der letzten 100 Jahre miterlebt. Ich würde beide Bücher empfehlen, keines ist besser als das andere. Beide zeigen die wirkliche Situation von Afghanistan auf. Dass nicht alles nur schwarz und weiß ist. Dass das Land einfach zu viel Schrecken erlebt hat, obwohl es so viel zu bieten hat. Was soll ich sagen? Man sollte es gelesen haben. 
Der Prophet von Khalil Gibran ist ein Büchlein, das aus Gedichten besteht. Diese formen sich aber zu einer Geschichte. Es handelt von einem - man glaubt es kaum - Propheten, der anreist und über verschiedene Dinge redet. Über die Liebe, über die Ehe, die Erziehung, den Tod, das Leben, das Arbeiten, den Glauben. Wer von euch nicht gläubig ist, mag jetzt vielleicht die Augenbrauen zusammenziehen - aber das Werk ist keinesfalls belehrend. Es erklärt die essenziellen Dinge im Leben. Mit einfachen, aber wirkungsvollen Worten. Als ich es das erste Mal gelesen habe, konnte ich gar nicht alles mitnehmen. Aber im Laufe der Zeit habe ich mich dabei erwischt, wie ich immer wieder in das Buch reingeguckt habe, um nachzulesen, was der Autor zu diesem und jenen Thema geschrieben hatte. Und es hat mir geholfen. Man könnte fast sagen, es ist ein Ratgeber.. auf alle Fälle ein Buch, das ich weiterempfehle und das mir sehr wichtig ist. 

Die Bücher von Jenny Downham haben mich beide Male sehr in ihren Bann gezogen und mich über diese schwierigen Dinge nachdenken lassen. Bevor ich sterbe handelt von einem krebskranken Mädchen, das nur noch wenige Tage zu leben hat, in diesen jedoch noch gewisse Dinge tun will, bevor sie stirbt. Es ist ein sehr trauriges Buch, aber gleichermaßen regt es auch dazu an, das eigene Leben in vollen Zügen zu genießen. 
Ich gegen dich hingegen beschäftigt sich mit dem Thema Vergewaltigung zwischen Jugendlichen. Und dass es nicht immer einfach ist, schuldig und unschuldig, richtiges und falsches Verhalten zu differenzieren. Bis zum Ende stellt man sich diese Fragen.
Auch No & ich hat mich sehr bewegt. Ein junges Mädchen, das einer Obdachlosen in ihrem Alter um jeden Preis helfen will. Es gibt Wendungen und viele Gefühle und man stellt sich die Frage, ob man manchen Menschen einfach nicht helfen kann. Ein kurzweiliges, aber sehr eindrucksvolles Lesevergnügen.


Das Bildnis des Dorian Gray. Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht, was ich dazu schreiben soll. Oscar Wilde ist ein Genie. Ich hab aus diesem Buch Alles mitgenommen, aber auch Nichts. Es ist faszinierend, zynisch, Augen öffnend und in jedem Fall bereichernd. Ein grandioser und zeitloser Klassiker.
Die Physiker könnte ich wöchentlich lesen und es würde nicht langweilig werden. Es ist ein Geniestreich, ganz einfach. Von wegen Komödie. Im Deutschunterricht fiel damals der Begriff Mausefalle. Besser könnte man es nicht sagen. Es fängt lustig an, es geht lustig weiter, es hört lustig auf. Und am Ende denkt man sich trotzdem: "Verdammt. Ich muss jetzt erstmal nachdenken.", weil es so eine ernste Thematik behandelt. Ich verbeuge mich vor Dürrenmatt für das Werk, das er geschaffen hat. Das mich immer noch zum Nachdenken, aber auch zum Lachen bringt. 


Es gab eine Zeit, da habe ich Èric-Emmanuel Schmitts Bücher alle hintereinander verschlungen. Sie sind weltlich, philosphisch, aufschlussreich, erklärend, aber nicht belehrend. Seine Reihe Cycle de l’invisible handelt von den vier Weltreligionen, die Bücher hängen jedoch nicht miteinander zusammen. Trotzdem zeigt er in jedem Buch auf, was die Religionen ausmacht und was jede gemeinsam hat. Es sind tolle Bücher, sehr kurz und einfach geschrieben, aber einfach nur bewundernswert. Mein liebstes ist Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran.
Auch Die Schule der Egoisten hat mich auf seine Weise fasziniert. Es spielt im 18. Jahrhundert, in dem ein Mann in einem Buch etwas von einem anderen liest, der eine etwas eigene Philosophie verfolgte. Sehr interessant und metaphorisch. Ich denke bis heute über das Buch nach, dabei ist es schon drei Jahre her, dass ich es gelesen habe.

Jaja, Die Liebenden von Leningrad. Natürlich geht es in diesem Buch und auch in den Nachfolgebänden  hauptsächlich um die Liebe zwischen zwei Menschen. Aber es hat seine Gründe, warum sie meine absoluten Lieblingsbücher sind. Zum einen hat der erste Band in mir mein Interesse für Russland und die russische Geschichte geweckt. Seitdem bin ich Feuer und Flamme, was dieses Thema angeht, sei es im Geschichtsunterricht, jetzt im Studium oder in der Literatur. Doch nicht nur das - die beiden Protagonisten sind zu etwas wie Vorbildern für mich geworden. So viel Leid, so viele Probleme, und trotzdem halten sie durch und bleiben zusammen. Was kann man sich im Leben mehr wünschen? Ich denke so viel über die beiden nach, dass sie in meinem Kopf schon fast real ist. Ich bewundere diese Geschichte einfach, bedingungslos.
Lolita ist, wie Hannah auf ihrem Blog auch schon geschrieben hat, ein sehr schwieriges Buch. Es ist genial geschrieben und zunächst einmal Hut ab, Herr Nabokov, ich hätte mich vor allem als Mann nicht getraut, ein Buch über einen Pädophilen zu schreiben. Es klärt einiges auf, aber vieles auch nicht. Ich konnte bis zum Ende nicht verstehen, dass der Protagonist sich zu Kindern hingezogen fühlte. Aber ich konnte manche Handlungen zumindest nachvollziehen, wenn man bedenkt, dass Lo gar nicht wirklich etwas dagegen hat, was er tut. Im Gegenteil, sie hat ihn eher in der Hand. Natürlich kann man das nicht auf alle Pädophile und ihre Opfer projizieren, aber zumindest wird auch hier aufgezeigt, dass es nicht nur böse und nicht nur gut gibt, sondern dass in manchen Fällen auch beide Parteien einander beeinflussen. Ein abstoßendes, fasznierendes, genial geschriebenes, sehr gewagtes, aber auch gerade deshalb lesenswertes Buch, das nicht einfach zu verdauen ist.

Das sind die Bücher, die sich in meinem Regal befinden. Weitere, die mich noch lange nicht losgelassen haben, sind zum Beispiel Clockwork Orange und Und in mir der unbesiegbare Sommer. Letzteres handelt ebenfalls in Russland und begleitet eine Familie, die unter Stalin deportiert und in ein Zwangsarbeitslager nach Sibirien verlegt wird. Eine sehr bewegende Geschichte.
Clockwork Orange hingegen hat mich wie einige der Bücher hier sehr stutzig hinterlassen. Es wirft sehr schwierige Fragen auf. Der Protagonist ist ein Verbrecher, ein Vergewaltiger, brutal, herzlos. Er wird gefangen genommen und psychisch behandelt. Bis zum Ende weiß man nicht, was man denken soll. Sollte man Menschen die Entscheidungsfähigkeit entziehen, gut oder böse zu handeln? Wird man dadurch nicht selbst böse? Und was heißt das überhaupt - gut und böse? Das Buch ist krass. Anders kann ich es nicht sagen. Aber äußerst lesenswert.

So, das war es von mir. Es sind doch recht viele zusammengekommen, wie man sehen kann und falls ihr euch das alles durchgelesen habt - Respekt! :D
Falls ihr auch Lust habt, einen Post dieser Art zu verfassen, schaut euch Hannas Beitrag an, lasst euch inspirieren und haut in die Tasten! :) 

Kommentare

  1. Hihihi, wow, ein toller Beitrag :D Hach, und die meisten Bücher davon habe ich entweder gelesen und kann dir da nur nickend zustimmen oder sie befinden sich noch auf meinem SuB/meiner Wunschliste. Auf jeden Fall sehr toll beschrieben, was dich an den einzelnen Büchern besonders faszinieren konnte. Unterhaltungslektüre ist ja manchmal auch nicht schlecht (gerade wenn man im Stress ist), aber aus solchen Büchern nimmt man einfach noch viel mehr mit und sie bleiben einem im Gedächtnis und prägen einen. Wirklich toll :)
    Deine Ausgabe von Lolita ist aber echt toll *_*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dankeschön :D Ohne deinen wäre er nicht entstanden ^.^
      Ganz genau! :)
      Jaaa, oder? *-* Die hab ich damals auf ebay ersteigert, ich wollte unbedingt diese Ausgabe, weil ich das Gesicht dadrauf so hübsch finde :D

      Löschen
  2. Bevor ich sterbe ist sicher sehr sehr traurig. Liegt noch auf meinem SuB :)

    Ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen und habe ein bisschen auf deinem Blog gestöbert und mich dazu entschlossen, regelmäßiger Leser zu werden.
    Ich würde mich sehr freuen, wenn du meinen Blog besuchen würdest und und ihn, wenn er dir gefällt, regelmäßig lesen würdest.

    Hier der Link zu meinem Blog:
    http://rozasleselieblinge.blogspot.com/


    Liebe Grüße
    Chrisy

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Behind The Screens] Goodbye, Mai

Seit langem schon verfolge ich auf diversen Blogs die Behind The Screens-Beiträge - ins Leben gerufen von Annabelle von Stehlblueten und Philip von Book Walk und momentan übernommen von meiner lieben Bücherkrähe / Mareike.  Weil ich so unregelmäßig blogge, hat es sich bislang nie angeboten, mitzumachen - heute habe ich aber spontan Lust bekommen und schaue einfach mal, ob ich das ab und an beibehalte oder es bei diesem einen Mal bleibt. Im Grunde geht es darum, von seiner Woche zu berichten und sich dafür an ein paar Fragen entlangzuhangeln. 
Wie war deine Woche? 
In Sachen Blog relativ produktiv, aber das, was ich eigentlich tun sollte - die Bücher für meine Masterarbeit durcharbeiten - habe ich nicht gemacht. Ich bin total raus aus meinem Trott und sollte mir wieder angewöhnen, in der Woche täglich in die Unibibliothek zu fahren. Zu Hause mache ich ja doch nichts. 
Außerdem hatte ich diese Woche meinen 24. Geburtstag und freue mich schon darauf, euch im Monatsrückblick meine neuen …

[Rezension] "George" - Alex Gino

George - Alex Gino - Fischer KJB - 208 S. - 978-3-7373-4032-8
George ist zehn Jahre alt, geht in die vierte Klasse, liebt die Farbe Rosa und liest heimlich Mädchenzeitschriften, die sie vor ihrer Mutter und ihrem großen Bruder versteckt. Jeder denkt, dass George ein Junge ist. Fast verzweifelt sie daran. Denn sie ist ein Mädchen! Bisher hat sie sich noch nicht getraut, mit jemandem darüber zu sprechen. Noch nicht einmal ihre beste Freundin Kelly weiß davon. Aber dann wird in der Schule ein Theaterstück aufgeführt. Und George will die weibliche Hauptrolle spielen, um allen zu zeigen, wer sie ist. Als George und Kelly zusammen für die Aufführung proben, erzählt George Kelly ihr größtes Geheimnis. Kelly macht George Mut, zu sich selbst zu stehen. via
„George“ müsste eigentlich „Melissa“ heißen. Denn das ist der Name, den George für sich am schönsten findet – drückt er doch aus, dass sie ein Mädchen und kein Junge ist, wie alle zu wissen meinen. George geht in die Grundschule und fühlt si…