4/25/2012

Rezension: "Nathalie küsst" - David Foenkinos

Titel: Nathalie küsst
Autor: David Foenkinos
Verlag: C.H.Beck
Seitenzahl: 239
Preis: 16,95€


Herzlichen Dank an Blogg dein Buch und C.H.Beck für dieses tolle Rezensionsexemplar!

Inhalt
Nathalie und François sind ein Paar wie aus dem Märchenbuch, mit Feingefühl und Geschmack. Doch eines Tages kommt François nicht vom Joggen zurück, eine Blumenhändlerin überfährt ihn. Die schöne Nathalie muss fortan allein durchs Leben gehen, sich der Neugier der Kollegen und der Avancen ihres Chefs Charles in der schwedischen Firma, in der sie als leitende Angestellte arbeitsbesessen über der Akte 114 brütet, erwehren. Als der unscheinbare Quotenschwede Markus ihr Büro betritt, packt sie ihn unvermittelt und küsst ihn. Markus, konsterniert, geht aufs Ganze, eine Liebesgeschichte beginnt, wie sie purer, zärtlicher und empfindsamer nicht sein kann. Während in der Firma die Gerüchteküche brodelt und Charles zu brutalen Maßnahmen greift, begeben sich Nathalie und Markus auf die Flucht in den Garten der Großmutter, zurück zu den Ursprüngen von Kindheit und der gemeinsamen Lieblingssüßigkeit PEZ - und lassen sich von der Liebe überraschen. Voller Anspielungen mit hohem Wiedererkennungswert für alle Fans schreibt Foenkinos hier seine bisher schönste Liebesgeschichte. via

Meine Meinung
Schreiben ist eine Kunstform, das liegt auf der Hand. Doch auch wenn dieser und jener Schriftsteller sehr schön und angenehm schreiben mag und jeder seinen eigenen Stil hat, so ähneln sich viele doch einander. Es ist kein Leichtes, zwischen all den Massen der Literatur noch einen einzigartigen, erkennbaren Stil zu definieren, aber David Foenkinos ist das mit „Nathalie küsst“ eindeutig gelungen. Er erzählt in einem sehr besonderen, distanzierten und doch so umhauend wahren Ton, dass ich von den ersten Seiten an gefesselt war. 
Der Handlung stand ich zunächst skeptisch gegenüber. Ich kann es nicht ändern, ich bin eine hoffnungslose Romantikerin, die immer von der einen wahren Liebe im Leben träumt. Deshalb befürchtete ich, dass es mir schwer fallen würde, mich in Nathalies Lage zu versetzen, nachzuvollziehen, dass sie sich erneut verliebt. Dem war aber ganz und gar nicht so, denn Foenkinos, so kam es mir vor, zielt gar nicht so sehr darauf an, dass man sich in Nathalie oder Markus hineinversetzt (er schreibt aus der Er-/Sie-Perspektive und mal aus Nathalies und mal aus Markus' Sicht, ab und zu auch aus der Sicht anderer Charaktere), sondern einfach, dass man den Fortgang begleitet und sich von der Unberechenbarkeit der Personen überraschen lässt. Das ist ihm sehr gut gelungen. Trotzdem konnte ich einige Tatsachen gut nachvollziehen, zum Beispiel, dass Nathalie nach Francois' Tod in die Monotonie verfällt und resigniert. Als sie Markus näher kommt, wird Francois zwar nicht mehr so oft erwähnt, was mir komisch vorkam, aber man hat trotz der Nichterwähnung seines Namens seine An- bzw. Abwesenheit und Nathalies Leid immer gespürt. Die Besonderheit ist ja, dass Nathalie Markus gar nicht richtig kennt, bevor sie ihn küsst. Und auch das tut sie in einer Art Delirium. Aber das Verhalten der beiden danach konnte ich nur mit Spannung verfolgen und nachempfinden. 
Manch einen mag es stören, dass Nathalie so wunderschön, elegant und fehlerlos dargestellt wird, wohingegen Markus von seinen Kollegen nur als hässlich und stillos beschrieben wird – beides Extreme. Mich hat das allerdings nicht gestört, es waren lediglich Nebenaspekte, die aber gut ins Gesamte gepasst haben. Überhaupt passt einfach alles gut. Die Kapitel sind kurz und knapp, das ganze Buch ist kurz und knapp, aber gerade das macht es aus. Es vermittelt viele gemischte Gefühle, Trauer, Vermissen, und den Drang nach Nähe auf so wenigen Seiten, wie es nur geht, aber es ist kein Wort zu viel oder zu wenig. Besonders gefallen haben mir kleine Kapitel, die zum Beispiel nur aus einem Liedtext von einem erwähnten Lied bestanden oder aus Auszügen aus Stücken oder Büchern, die die Gedanken der beiden durchkreuzt hatten. Sehr originell und toll gemacht. Auf eine Art hat mich der Roman und vor allem der Erzählstil an den Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ erinnert, was aber nicht daran lag, dass auch in „Nathalie küsst“ die Darstellerin Audrey Tatou sein soll oder dass beides in Frankreich spielt. Nein, ähnlich war sich eher der knappe, fast stumpfe, aber gerade deshalb geniale Erzählstil. 

Fazit 
„Nathalie küsst“ hat mich gänzlich begeistert. David Foenkinos macht von einem so originellen und einzigartigen Schreibstil Gebrauch, dass ich von den ersten Seiten an gefesselt war. Auch die Charaktere und der Verlauf des Romans haben mir sehr gut gefallen und trotz dass ich gerne mehr gelesen hatte, liegt in diesem Fall die Würze in der Kürze. Wen die Inhaltsangabe anspricht und wer ein wundervoll geschriebenes Buch lesen will, dem kann ich „Nathalie küsst“ nur empfehlen. Sicherlich ist es auch etwas für Liebhaber von „Die fabelhafte Welt der Amélie“. 
Ich habe nichts auszusetzen und diesen Roman von Anfang bis Ende genossen. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen.

Kommentare:

  1. schöne rezension. von dem buch habe ich schon öfters gehört und es das ein oder andere mal in der buchhandlung gesehen, und ich denke, dass ich es mir jetzt mal merken und demnächst lesen werde, es klingt nämlich wirklich gut. :-)

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    1. Freut mich, dass ich dich überzeugen konnte! :D Es lohnt sich! :)

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  2. Toller Eindruck von dir! Ich bin so wie Pia auch schon oft über das Buch gestolpert und überlegt ob es vielleicht etwas für mich ist. Irgendwann werd ichs wohl mal leihen, aber ich glaube im Moment hab ich nicht die riesen Lust auf so ein gefühlvolles Buch.
    Aber nun hab ichs wieder in Erinnerng ;)

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    1. Dankeschön. :) Ja, so ging es mir auch, deshalb hab ich mir gedacht, diesmal wagst du es einfach. :D Und es hat sich gelohnt ^.^
      Ja, leihen ist immer am besten, wenn man sich unsicher ist! :)

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  3. Wow, eine tolle Rezension! Das klingt ja ziemlich gut :D Ich wollte das Buch ohnehin lesen, allerdings macht mich die Beschreibung der beiden "idealen" Charaktere etwas zögerlich. Ich habe mit sowas immer enorme Probleme, aber vielleicht sollte ich es irgendwann mal riskieren :)

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    1. Vielen Dank <3 Das mit den "idealen" Charakteren fällt aber eigentlich gar nicht so auf, das ist eher Nebensache. Vielleicht kannst du es dir ja irgendwo ausleihen, denn der Schreibstil könnte dir wirklich gut gefallen. :)

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    2. Ach so, okay. Wahrscheinlich sollte ich es einfach mal ausprobieren. Vor allem was du über den Schreibstil schreibst klingt gut :D
      Vielleicht leihe ich es aus, oder ich wage es einfach mal und kaufe es. Mal sehen :)

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  4. Richtig schöne Rezension. :)
    "Nathalie küsst" hatte ich zwar in der Buchhandlung bereits in meinen Händen, aber der Klappentext hat mich dann doch ein wenig skeptisch werden lassen. Nach deiner Rezension überlege ich mir aber nun doch mich vielleicht bald an das Buch heranzuwagen. :)

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    1. Dankesehr. :) Ja, so ging es mir auch lange Zeit, ich bin aber wirklich immer wieder über das Buch gestolpert und wollte dann durch Blogg dein Buch schließlich den "Sturz ins kalte Wasser" wagen. :D Es lohnt sich aber wirklich :)

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  5. Sehr schöne Rezension. Ich glaube für mich ist das momentan nichts, aber ich werde es mir mal merken.
    Du hast dich übrigens einmal vertippt: "mal aus Nathalies und mal aus Nathalies Sicht" kurz nach dem ersten Absatz ;)

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    1. Danke! Und Mistekiste, du hast Recht :D Gleich verbessert, danke ^.^ Hach, was hab ich aufmerksame Leser :D

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  6. Tolle Rezi! Ich habe das Buch gerade ausgelesen (hatte es auch von Blogg dein Buch bekommen) und kann dir nur zustimmen! Also eigentlich könnte ich jetzt per copy&paste deine Rezension auf meinen Blog hochladen :-) (na gut, ich lass es lieber und schreib dann doch was eigenes *lach*)

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    1. Cool, dass dir das scheinbar auch so gefallen hat! :D

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    2. Oh ja, besonders der Schreibstil hat es mir angetan - ich musste beim Lesen auch ständig an "Amelie" denken :-)

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