4/28/2012

Rezension: "Jeden Tag, jede Stunde" - Nataša Dragnic

Titel: Jeden Tag, jede Stunde
Autor: Nataša Dragnic
Verlag: DVA
Seitenzahl: 288
Preis: 19,99€


Vielen Dank an den DVA für dieses Rezensionsexemplar!

Inhalt
Sechzehn Jahre haben Dora und Luka sich nicht mehr gesehen, obwohl sie einmal unzertrennlich waren: Wunderschöne Sommertage verbrachten sie als Kinder miteinander, am Felsenstrand des kleinen kroatischen Fischerdorfes, in dem sie aufwuchsen. Doch dann zogen Doras Eltern nach Frankreich, und Luka blieb allein zurück. Als Mittzwanziger treffen sie sich nun überraschend in Paris wieder, und es ist klar: Sie gehören einfach zusammen. Drei glückliche Monate folgen, aus denen ein gemeinsames Leben werden soll; nur kurz will Luka in die Heimat zurück, um ein paar Dinge in Ordnung zu bringen – und dann meldet er sich nicht mehr. Jeden Tag, jede Stunde ist eine jener außergewöhnlichen Liebesgeschichten, die zugleich zeitlos und modern sind: zeitlos in ihrem Glauben an die Vorbestimmtheit, mit der zwei Menschen ein Schicksal teilen, und modern in ihrem Wissen, dass das Leben sich als viel schwieriger erweist. Ein Liebesroman, wie er sein sollte: poetisch, von großer emotionaler Strahlkraft, mitreißend erzählt. via

Meine Meinung 
Ich hatte wirklich große Erwartungen an dieses Buch, da die Inhaltsangabe so vielversprechend klang. Leider konnte „Jeden Tag, jede Stunde“ meine Erwartungen nicht erfüllen. Anfangs hat mir die Geschichte noch ganz gut gefallen, doch schon da haben mich die Charaktere gestört. Ich konnte mit ihnen einfach nicht warm werden. 
Dora ist mir viel zu sehr von sich selbst überzeugt gewesen und viel zu sehr davon überzeugt, dass Luka sie liebte. Natürlich tat er das, aber nie kamen ihr Zweifel auf, egal, was passierte, was mir wiederum unrealistisch erschien. 
Auch Luka hat mir nicht gefallen, wenn auch anfangs besser als Dora. Doch im Verlauf des Buches sagt und tut er so viele Dinge, oder eher gesagt, er tut sie nicht, sodass ich am liebsten ins Buch gesprungen wäre, um ihn einmal richtig durchzuschütteln. Sein Handeln war mir an keiner Stelle verständlich. Zwar wird eine kleine Begründung genannt, doch ist diese in meinen Augen bei Weitem nicht einleuchtend genug gewesen. Ich war einfach unzufrieden. Und blieb es. Denn die Charaktere bleiben so, sie verändern sich nicht, sie entwickeln sich nicht. Sie nehmen es hin, dass sie nicht zusammen sein können und leben einfach weiter. Dabei werden ihre Gefühle füreinander in den Szenen, die sie zusammen verbringen, so stark beschrieben, so entschlossen. Ich hatte keine Zweifel daran, dass die beiden füreinander bestimmt waren. Aber warum so wenig Kampfgeist? Es wollte mir einfach nicht in den Kopf. Natürlich gibt es auch im wirklichen Leben Personen, die feige sind, die resignieren, die sich fügen und alles so hinnehmen, wie es ist. Aber diese verpassten Chancen kann und konnte ich auch im Roman nicht nachempfinden. Außerdem behandelten die Protagonisten ihr Umfeld teilweise sehr unfair, ob aus Liebe oder Egoismus oder beidem, das ist mir nicht ganz klar geworden, aber nachvollziehbar war es jedenfalls nicht. 
Die Charaktere und die Handlung waren demnach schonmal nicht nach meinem Geschmack.
Der Schreibstil hingegen hat mir eigentlich gut gefallen, an ein paar Stellen fand ich ihn aber übertrieben. Wenn Beschreibungen in Sätzen verpackt sind, die teilweise fast eine halbe Seite füllen, so finde ich das nicht schlimm. Das ist der Stil des Autors, die künstlerische Freiheit. Wenn ein Charakter so redet, dann finde ich das auch okay, weil ich mir vorstellen kann, dass ein Charakter mal so redet. Aber wenn wirklich alle Charaktere in der wörtlichen Rede so lange Sätze sprechen, dann finde ich das unrealistisch. Aber das klingt schlimmer als es ist, denn diese Kleinigkeit ist mir nur an wenigen Stellen aufgefallen. Abgesehen davon war der Schreibstil schön, wenn auch nicht umhauend. 
Insgesamt habe ich das Buch aber als unzufriedenstellend empfunden. Die Charaktere machen Fehler, verpassen Chancen, aber sie ändern nichts, sie machen einfach so weiter, bis zum Schluss. Mag sein, dass die Autorin die Realität darstellen wollte, die „bittere Wahrheit“, aber diese ist, wie man sieht, nichts für mich. 

Fazit
Wer dieses Buch lesen möchte, sollte darauf gefasst sein, Gedanken und Handlungsweisen der Charaktere nicht nachvollziehen zu können. Es handelt zwar von einer großen und schönen Liebe, aber auch von Fehlern, Egoismus, Resignation und leeren Versprechungen. Lesen lässt sich das Buch zwar schnell und auch gut, aber es hinterlässt einen unzufrieden und verärgert. Selbst der Gedanke, dass das die unverblümte Realität in Romanform sein könnte, konnte mich nicht milder stimmen. 
Von mir gibt es leider von 2 von 5 Punkten, da ich mir wirklich mehr erhofft hatte und die Autorin meiner Meinung nach auch viel mehr aus der Idee hätte rausholen können.

Kommentare:

  1. Ooh schade. Ich finde deine Rezension sehr nachvollziehbar und ich denke, dass mich diese Dinge auch ziemlich an dem Buch stören könnten. Da lasse ich wohl lieber mal die Finger davon...

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    1. Letzten Endes ist das natürlich alles subjektiv und vielleicht würde es jemand anderem richtig gut gefallen, aber leider nicht in meinem Fall :/ Vor allem nachdem "Nathalie küsst" so schön war, fand ich das hier recht ernüchternd.
      Vielleicht hast du in der Bibliothek ja mal die Chance, reinzulesen, ich will niemanden davon abbringen, aber es war für mich einfach ärgerlich. :D

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    2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Wirklich schade, dabei hatte es doch so vielversprechend geklungen. :/ Ich denke, das ich in einigen Punkten dieselbe Kritik am Buch anzubringen hätte, weshalb ich wohl auch nicht danach greifen werde. Tja, da sieht man mal wieder, wie sehr ein Klappentext täuschen kann, leider... Dennoch dankeschön für diese aufschlussreiche Rezension. :)

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