Direkt zum Hauptbereich

Rezension: "I'll never get out of this world alive" - Steve Earle


Titel: I'll never get out of this world alive
Autor: Steve Earle
Verlag: Karl Blessing Verlag
Seitenzahl: 384
Preis: 19,95€


Doc war einmal ein erfolgreicher Arzt, jetzt schlägt er sich ohne Zulassung in San Antonio, Texas, mit illegalen Abtreibungen durch. Seit sein enger Freund und berühmtester Patient Hank Williams, der größte Countrymusiker aller Zeiten, mit einer Mischung aus Alkohol und Morphium im Blut auf dem Rücksitz seines Cadillacs aus dem Leben glitt, plagen Doc schwere Schuldgefühle und ein hartnäckiger Begleiter: Hanks zänkischer und ruheloser Geist, der ständig seine ungeteilte Aufmerksamkeit fordert.
Als das Mädchen Graciela in Docs Leben tritt, ist Hank also überhaupt nicht begeistert. Zudem passieren, seit sie da ist, seltsame Dinge: Prostituierte, die zu Docs besten Kundinnen gehören, geben ihren Beruf auf, Wunden heilen wie von selbst. Doch damit wird Doc mehr öffentliches Interesse zuteil, als er sich wünschen kann.. via
Bevor ich versuche, meine Meinung zu diesem Buch in Worte zu fassen (was sehr schwierig sein wird), klickt einmal hier und hört euch das Lied an, während ihr mein Geschreibsel lest. Es fasst die Stimmung des Buches, das offensichtlich nach diesem Lied benannt wurde, perfekt zusammen. Es ist ruhig, schon fast monoton und dennoch dramatisch, trostlos, mit einem Funken Ironie, sowie Hoffnung. 
Doc ist ein sehr passiver und Protagonist. Man erfährt wenig über seine Gefühlswelt und noch weniger über die der anderen Charaktere. Der Erzähler beschreibt das meiste zwar aus Docs Sicht, doch die Charaktere sind bis zum Ende ein Rätsel. Aber darum geht es auch gar nicht. Es geht vielmehr um die Geschehnisse und die Handlungen der Personen, um die Beweggründe.
Mich hat von Anfang an etwas in seinen Bann gezogen. War es die Atmosphäre? Oder die Neugier, wohin mich das Buch führen will? Vielleicht war es auch der sehr schöne Schreibstil, ich kann es nicht genau sagen. 
Im Grunde fehlt dem Buch ein roter Faden und teilweise weiß man gar nicht, was man denken soll. Existiert Hank, der Geist, der Doc heimsucht? Oder ist er eine Einbildung, während dieser von Drogen berauscht ist? Was ist mit Graciela? Bilden sich alle nur ein, dass sie Wunder bei Verletzten vollbringen kann, oder ist sie wirklich eine „von Gott gesandte“ bzw. eine Hexe? Diese Fragen klären sich nicht auf. Ich bin mir sicher, dass man diese Dinge in einem übertragenen Sinn betrachten sollte, doch ich bin immer noch unschlüssig, was Steve Earle vermittel wollte. Vielleicht, dass Menschen sich nicht in gut und böse einteilen lassen. Dass niemand, der schlechte Dinge getan hat, aussichtslos ist. Dass man immer noch eine gute Richtung einschlagen kann, egal, wie schlimm es ist – solange man jemanden hat, der einem dabei hilft. 
Unverblümt und trotzdem ruhig erzählt Steve Earle hier eine Geschichte über den Tod, um Sünden, Reue und Vergebung. Ich kannte ihn als Musiker vorher nicht richtig, aber dieses Buch vermittelt, was sonst wohl seine Songs vermitteln würden – nur mit einer größeren Auswahl an Worten. 
Ich kann mir vorstellen, dass die Botschaft und der Sinn des Buchs deshalb nicht ganz klar wird, damit es metaphorisch und interpretierbar bleibt wie ein Song. Dennoch hätte ich bei einem Buch ein bisschen mehr Klarheit nicht schlecht gefunden. 
Ein eindrucksvoller Roman, der sich sehr gut lesen lässt, der einen nachdenklich und zufrieden hinterlässt, obwohl er so viele dunkle Themen behandelt. Lest die ersten Seiten, und ihr werdet das Buch zu Ende lesen wollen. Mir ist immer noch nicht klar, was es ist, das einen so in den Bann zieht – aber irgendetwas erzielt genau diesen Effekt. Einen halben Punkt Abzug gibt es dafür, dass vor allem am Ende der rote Faden ein bisschen verloren geht. 
Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen.

Kommentare

  1. Das klingt ja interessant! Und das Cover sieht genial aus :O

    AntwortenLöschen
  2. Das klingt echt mega interessant und das Cover sieht gut aus. Ich denke, wenn ich in der Laune nach so etwas kryptischem bin, werde ich danach mal greifen :D Danke für die Rezi :D

    AntwortenLöschen
  3. Ich mag ja solche Bücher, hört sich ehrlich gesagt auch alles ziemlich undurchsichtig an, aber sowas ist bestimmt auch mal ganz cool, vor allem wenn man wie ich in letzter Zeit viele Dystopien liest und mal ein wenig in die Realität zurückgeführt wird ;D

    AntwortenLöschen
  4. Das klingt wirklicg gut, super Rezension! Übrigens ist deine Design echt toll. *-*
    Doch, ich bin total High-Fantasy-Fan. :D Jep, ich bin auch schon auf "Elfenmagie" gespannt. *-*

    LG♥
    Lydia

    AntwortenLöschen
  5. das Buchcover ist der hammer :D übelst schön kreativ & ja ich hätte dich besuchen können,so jemand völlig fremden macht man ja oft :D ♥ & ja Bremen ist richtig schön :)

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Behind The Screens] Goodbye, Mai

Seit langem schon verfolge ich auf diversen Blogs die Behind The Screens-Beiträge - ins Leben gerufen von Annabelle von Stehlblueten und Philip von Book Walk und momentan übernommen von meiner lieben Bücherkrähe / Mareike.  Weil ich so unregelmäßig blogge, hat es sich bislang nie angeboten, mitzumachen - heute habe ich aber spontan Lust bekommen und schaue einfach mal, ob ich das ab und an beibehalte oder es bei diesem einen Mal bleibt. Im Grunde geht es darum, von seiner Woche zu berichten und sich dafür an ein paar Fragen entlangzuhangeln. 
Wie war deine Woche? 
In Sachen Blog relativ produktiv, aber das, was ich eigentlich tun sollte - die Bücher für meine Masterarbeit durcharbeiten - habe ich nicht gemacht. Ich bin total raus aus meinem Trott und sollte mir wieder angewöhnen, in der Woche täglich in die Unibibliothek zu fahren. Zu Hause mache ich ja doch nichts. 
Außerdem hatte ich diese Woche meinen 24. Geburtstag und freue mich schon darauf, euch im Monatsrückblick meine neuen …

[Rezension] "George" - Alex Gino

George - Alex Gino - Fischer KJB - 208 S. - 978-3-7373-4032-8
George ist zehn Jahre alt, geht in die vierte Klasse, liebt die Farbe Rosa und liest heimlich Mädchenzeitschriften, die sie vor ihrer Mutter und ihrem großen Bruder versteckt. Jeder denkt, dass George ein Junge ist. Fast verzweifelt sie daran. Denn sie ist ein Mädchen! Bisher hat sie sich noch nicht getraut, mit jemandem darüber zu sprechen. Noch nicht einmal ihre beste Freundin Kelly weiß davon. Aber dann wird in der Schule ein Theaterstück aufgeführt. Und George will die weibliche Hauptrolle spielen, um allen zu zeigen, wer sie ist. Als George und Kelly zusammen für die Aufführung proben, erzählt George Kelly ihr größtes Geheimnis. Kelly macht George Mut, zu sich selbst zu stehen. via
„George“ müsste eigentlich „Melissa“ heißen. Denn das ist der Name, den George für sich am schönsten findet – drückt er doch aus, dass sie ein Mädchen und kein Junge ist, wie alle zu wissen meinen. George geht in die Grundschule und fühlt si…