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Rezension: "Trisomie so ich dir" - Dirk Bernemann

Seitenzahl: 188
Verlag: Unsichtbar
Preis: 12,95€

Hier habe ich dieses Buch als Rezensionsexemplar von Blogg dein Buch erhalten. 
Ich bedanke mich herzlich beim Unsichtbar Verlag


Meine Meinung
Das Thema dieses Buches ist eines, mit dem ich mich bislang nie so nah beschäftigt hatte. Und genau das ist, denke ich, eine der Botschaften.
Trisomie 21. Down-Syndrom. Nicht selten begegnet man Menschen mit diesem Gendeffekt, denen man diesen sofort ansieht. Bei manchen scheint er ausgeprägter, bei manchen weniger.
Aber was geht in diesen Menschen wirklich vor? Vor allem in denen, die sich nicht mitteilen können.
Einen solchen Fall beschreibt Dirk Bernemann in seinem Buch „Trisomie so ich dir“. Sein Protagonist Roy hat das Down-Syndrom und redet nicht, dafür aber denkt er viel. Sehr viel.
Neben Roy gibt es noch zwei andere Personen, aus der Sicht kapitelweise geschrieben wird. Einmal Solveig, eine hübsche, aber depressive und lebensunzufriedene junge Frau und Ingeborg, die das meiste ihres Lebens hinter sich hat und gerade ihren Mann verliert. Außerdem schleicht sich immer mal wieder ein Abschnitt aus der Sicht Gottes mit ein, der gelangweilt und enttäuscht ist von der Welt und das Geschehen dennoch ab und zu beobachtet.
So viel zum Inhalt.
Das Buch las sich sehr flüssig, wobei die Sprache, von der Dirk Bernemann Gebrauch macht, sowohl gehoben als auch teilweise sehr vulgär und alltäglich ist. Dieser Stilwechsel macht es aber umso interessanter und auf eine gewisse Art und Weise passt es wirklich gut zum Thema und zur Handlung.
Die Charaktere sind sehr interessant. Die Gedankengänge fand ich oft einleuchtend, auch wenn ich nicht alles nachvollziehen konnte. Was Roy angeht, so spricht sein Charakter natürlich nicht für alle Menschen mit Down-Syndrom. Aber seine Sicht hat mir fast am besten gefallen, bis auf.. das Ende.
Was die Handlung angeht, so hat mir diese zu Anfang gut gefallen, das Ende finde ich aber sehr grotesk und fragwürdig. Es verstärkt den Eindruck des Buches natürlich, aber ich habe mich gefragt, ob das nun wirklich sein muss.
Auch bei den Abschnitten aus der Sicht von Gott habe ich mich dasselbe gefragt, aber das ist kein Kritikpunkt, weil das vom Leser abhängt und ob dieser gläubig ist oder nicht, denke ich. Die Idee an sich aber fand ich sehr originell und für die Atmosphäre des Buches gut umgesetzt.
Diese Atmosphäre ist im Ganzen sehr düster, auf seine Art. Depressiv. Negativ. Passiv.
Für meinen Geschmack ein bisschen zu viel, aber das hängt natürlich vom Publikum ab. Wahrscheinlich bin ich einfach nicht das Geeigneteste dafür.
Dennoch regt das Buch sehr zum Nachdenken an und ist auf seine Art sehr lebensweise und philosophisch.

Wen die Inhaltsangabe neugierig gemacht hat und wer etwas unverblümt Realistisches lesen möchte, dem kann ich dieses Buch nur ans Herz legen. Dirk Bernemann beweist Originalität und wagt sich an ein Thema ran, das offensichtlich viel zu wenig behandelt wird. Insgesamt hat er es sehr gut umgesetzt. Gestört hat mich der Verlauf der Handlung und dass das Buch durchgehend depressiv und passiv ist. Dafür bin ich wahrscheinlich einfach das falsche Publikum, weil ich eher ein positiver Mensch bin. Dennoch empfehle ich das Buch guten Gewissens weiter und vergebe 4 von 5 Sternen.

Kommentare

  1. Sehr schöne Rezension. An sich hört sich das Buch auch gut an, aber ich denke, dass es auf Grund dieses negativen Tons eher nicht so mein Fall wäre.

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