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„Der Märchenerzähler“ von Antonia Michaelis



Titel: Der Märchenerzähler 
Autor: Antonia Michaelis 
Verlag: Oetinger 
Seitenzahl: 446 
Preis: 16,95 € 



Inhalt

Es war einmal ein junges Mädchen namens Anna. Sie lebte mit ihren Eltern in einem gutbürgerlichem Haus. Anna liebte es Musik zu machen und sie liebte den Schnee, der im Februar nieder fiel. Sie führte das Leben einer ganz normalen Abituierentin. Doch eines Tages fragte sie sich, warum alle ihre Freunde den Jungen Abel Tannatek eigentlich immer nur Kurzwarenhändler nannten. Warum schlief Abel aus ihrem Deutsch-Leistungskurs oft im Unterricht ein? Und vertickte er wirklich "heiße Ware" auf dem Schulhof? Fragen, die Anna bald oder auch erst später beantwortet werden sollten. Denn Abel gewährte ihr Einlass in seine Welt. In dieser Welt wirbelte er seine kleine Schwester Micha durch die Luft und erzählte ihr Märchen. Auch Anna lauschte diesen Märchen bald und verliebte sich rettungslos. Doch was geschieht, wenn das Märchen mit dem realen Leben verschmilzt? Was ist Fiktion und was ist wahr? Was, wenn Zweifel kommen und nicht mehr klar ist, wer der Feind ist? Liebt sie gar den Feind? So viele Fragen, doch Abel möchte nur eins sein. Der Märchenerzähler. via


Meine Meinung

Bei diesem Buch bin ich wirklich sehr gespaltener Meinung. 
Ich hatte große Erwartungen, als ich zu lesen anfing, denn ich habe echt viel, viel Gutes über das Buch gelesen. Und die Story hat mich neugierig gemacht. Und am Anfang wurde ich auch nicht enttäuscht.
 Antonia Michaelis hat eine wundervolle Art zu schreiben. Punkt. Das ist Fakt und das zweifle ich nicht an, will ich auch gar nicht. Denn ihr Schreibstil hat mich wirklich glücklich gemacht beim Lesen. Ich liebe es, Bücher mit individuellen Schreibstilen zu lesen. Und diese Autorin versteht es, den Leser in den Bann des Buches zu ziehen, durch ihre schönen Worte. Vor allem im Märchen, das sich durch das ganze Buch zieht, kam ihr Talent sehr gut zum Vorschein.
 Das Märchen ist auch der nächste positive Punkt – ich bewundere Frau Michaelis dafür, dass sie es geschafft hat, die Realität mit einem Märchen zu verknüpfen, plus, ein Märchen in einem Jugendroman interessant erscheinen zu lassen. Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Und wenn man es dann auch noch so gut umsetzt wie sie – Hut ab!
 Außerdem fand ich die Charaktere anfangs sehr gut konstruiert – Anna, die Naive, die sich in Abel, den undurchschaubaren, bösen Mitschüler verliebt. Dass er sie jedes Mal abgewiesen hat, fand ich zu Beginn der Geschichte sehr nachvollziehbar. Aber...
Und nun kommt das große Aber.
 … Warum geht es so weiter? Warum wird überall von einer großen Liebesgeschichte gesprochen, wenn die Liebe zwischen beiden doch irgendwie nur von Anna kommt? Abel hört nicht auf, sie zurückzuweisen. Es kommt sogar schlimmer, viel, viel, schlimmer. Es wird unverzeihlich. Und es wird trotzdem verziehen. Anna läuft trotzdem noch hinterher, Anna liebt trotzdem noch. Natürlich, Liebe sollte bedingungslos sein, aber... alles hat seine Grenzen. Und meine waren an dem Punkt überschritten, als.... Achtung, Spooooiler! (in weißer Schriftfarbe)
 ….. Abel Anna vergewaltigt hat. Und sie ihm verziehen hat! Meine Güte, sowas verzeiht man nicht, egal, aus welchen Gründen er das getan hat! Hätte er Anna wirklich geliebt, hätte er das nicht getan. Das ist meine Ansicht. Außerdem fand ich es so unrealistisch, als Anna im Wald zufällig die Leiche von Michelle gefunden hat. Was für ein Zufall! - Ich finde, „Reinfall“, trifft es eher. Das hat mich wirklich sehr, sehr stutzig gemacht. Und dann der Selbstmord, direkt nach dem ersten, normalen Sex. Und die Adoption, ohne irgendwelche Einwände, Diskussionen, Probleme, vor allem von Annas Eltern aus. 
Am und vom Ende war ich wirklich stark enttäuscht. Wieso so hektisch? Wieso so konstruiert? Wieso so naiv? Wieso, wieso, wieso? Der Anfang war doch so schön.
Alles in allem könnt ihr also sehen, dass das Buch mich nicht vom Hocker gehauen hat (...wenn, dann nur vor lauter Empörung...).


Fazit

Die Idee ist schön, der Schreibstil ebenso, der Anfang auch.
Aber danach nimmt die Handlung einen Lauf, den ich persönlich nicht mehr nachvollziehen kann. Ich habe bis zur letzten Seite gehofft, dass die Geschichte noch eine mir zusagende Wendung nimmt, aber das war nicht der Fall.
 Dennoch war nicht alles schlecht. Aus dem Grund gibt es von mir 3,5 von 5 Sternen, auch, weil mich das Buch noch mehrere Tage hat grübeln lassen.

Kommentare

  1. Auch wenn das Buch mich persönlich sehr beeindruckt und mir gefallen hat, verstehe ich, was du meinst, und heiße so manche Geschehnisse und Reaktionen der Charaktere in diesem Buch nicht gerade gut.

    Mir ging es ähnlich wie dir, gerade zu Ende hin hätte ich Abel am liebsten an den Schultern gepackt und geschüttelt, um ihm wenigstens ein bisschen Zeichen der Zuneigung zu Anna zu entlocken.
    Nichtsdestotrotz fand ich das Buch sehr... wie soll ich sagen? Realistisch, menschlich? Zumindest in dem Punkt, was Liebe betrifft, und wie sehr sie einen vielleicht sogar "verblenden" kann und einen dazu bringt, Dinge zu akzeptieren und hinzenehmen, die man niemals hinnehmen dürfte.
    Danke für diese interessante und ehrliche Rezension! Glücklichweise aber hast du es nur ausgeliehen und musst jetzt keinen Kauf bereuen. :)

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  2. Ich fand diese Makel an dem Buch auch schon wieder so interessant, weil sie es irgendwie doch anders gemacht haben und einen zum Nachdenken gebracht haben. Das Ende fand ich allerdings in Ordnung und dann auch wieder recht nachvollziehbar - auch der Fund, schließlich kann man bei Schnee und vereister Erde nicht besonders tief graben.
    Aber ansonsten kann ich deine Meinung ziemlich gut nachvollziehen!

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