7/15/2011

"Spieltrieb" von Juli Zeh



Auf Juli Zeh bin ich durch einen ihrer Artikel aufmerksam geworden, welchen wir im Deutschunterricht behandelt hatten. Der Artikel gefiel mir, und als mein Deutschlehrer dann auch noch ihren Roman "Spieltrieb" erwähnte, musste ich mir diesen einfach zulegen. Die Inhaltsangabe klang sehr vielversprechend.


"Ada ist mit 12 Jahren auf erschreckende Weise erwachsen geworden. Vor zwei Jahren nämlich hat die hochintelligente Schülerin, neu am Bonner Ernst-Bloch-Gymnasium und im Unterricht gern in die Rolle der Lehrerin schlüpfend, beschlossen, alles als „gleich gültig“ anzusehen. Nur der Sport- und Deutschlehrer Smutek und Höfi, der Geschichtslehrer, können ihr Paroli bieten. Aber dann kommt der ebenso attraktive wie kluge Halbägypter Alev ins Spiel, dem alle „Prinzessinnen“ der Schule zu Füßen liegen. Ada und Alev scheinen wie geschaffen für ein Experiment jenseits moralischer Konventionen, bei dem es vor allem um die gleichberechtigten Startanlagen der Teilnehmer geht. Das intellektuelle Kräftemessen beginnt -- und weitet sich bald zu einer Obsession. Aber wer hält die Fäden in der Hand? Wie kann man Realität und Fiktion auseinanderhalten? Und: Gibt es eine Möglichkeit auszusteigen?" (via Amazon.de)

Meine Neugier war groß, ich begann zu lesen, und der Anfang begeisterte mich. Ihr Schreibstil mit den ganzen Metaphern faszinierte mich, genauso wie die Charaktere, die ich zu Beginn als sehr tiefgehend und interessant  empfand. 
Und dann wurde es kritisch. 
Ich kann nicht verraten, was genau im Verlauf passiert, was mir nicht in den Kram passte, aber es ist hart an der Grenze meines kleinen, bescheidenen Weltbilds.
An diesem Punkt verging mir die Lust am Lesen und ich legte das Buch erstmal beiseite. Aber als Bücherwurm hat man natürlich keine Ruhe, wenn ein halb gelesenes Buch einen wartend mit Hundeblick aus dem Regal anguckt. 
Also habe ich es mir wieder geschnappt, vor knapp einer Woche, um weiterzulesen und ich habe es durch. Endlich, könnte ich hinzufügen, aber durchweg schlecht war der Roman ja nun nicht. 
Wie bereits erwähnt, sagt mir der Inhalt ab ca. der Mitte überhaupt nicht mehr zu, aber das lasse ich nun mal außen vor, weil es Geschmackssache ist und auf den Charakter der Person ankommt, die es liest. 
Zu den Charakteren... zwei der Protagonisten zählen zu meiner Altersgruppe. Und doch konnte ich mich mit so vielen Gedankengängen nicht vereinbaren. Beide haben ein gänzlich pragmatisches und pessimistisches Weltbild. Viel zu theoretisch, viel zu besserwisserisch, viel zu wenig emotional.
Es sind interessante Charaktere, ohne Zweifel, aber meiner Meinung nach auch einfach unrealistische. In Fantasy-Romanen mag die Handlung unrealistisch sein, die Charaktere der Figuren kann man sich trotzdem vorstellen und sich auf irgendeine Weise mit ihnen identifizieren. Hier ist das überhaupt nicht der Fall. Nicht die Handlung ist fantastisch, die Charaktere sind es. Möglich, dass die Autorin ebendies beabsichtigte (oder sie kennt wirklich solche Personen oder ist selbst so eine?), aber es erleichtert das Lesen überhaupt nicht. Schließlich muss man ja irgendwie mit den Charakteren mitfühlen können. Und das kann man hier höchstens mit dem Lehrer Smutek, dem dritten Protagonisten. Aber auch das nur teilweise. 
Nun zum Schreibstil. Am Anfang gefiel mir der Schreibstil unheimlich gut, die Metaphern, wie ich bereits erwähnte, fand ich sehr schön, alles wurde toll beschrieben, bildlich, genug wörtliche Reden, ich hatte wirklich nichts auszusetzen. Und an Ideen mangelte es der Autorin auch wahrhaftig nicht. Aber... auch das strengt an. Irgendwann wirkt es gezwungen, wenn man wirklich seitenweise Metaphern liest. 
Es lies mich auch an ihren Fähigkeiten zweifeln. Natürlich ist es faszinierend, wenn ein Mensch so viele Metaphern auf Lager hat und so viele Ideen und so ein umfangreiches Wissen über das Schreiben. 
Aber... die wirklich großen Schriftsteller kommen auch ohne ein Übermaß davon aus und ihre Worte gehen bis ins Knochenmark. Mit wenigen Worten ins Leserherz zu treffen ist eine größere Kunst als mit unendlich vielen Worten immer drumherum zu schwimmen. Anders kann ich es nicht beschreiben.
So, nun ist aber auch gut. 
Dieses Buch ist kein gewöhnliches Buch der Gegenwartsliteratur und deshalb konnte ich so viel darüber schreiben. 
Ich empfehle es weiter, aber nicht, weil mir der Roman gefallen hat, sondern, weil es abwechslungsreich war, für mich. Und ich kann mir vorstellen, dass er anderen richtig gut gefällt, nur mir persönlich war es einfach zu.. extrem. Alles. Aber was mir nicht gefiel, könnte einer anderen Person ja umso besser gefallen..? 
Als Experiment würde ich das Buch jedem ans Herz legen. Als gute Lektüre nicht. 

Kommentare:

  1. Danke für diese Rezension. Ich hatte sowas schon befürchtet, schließlich hat sie den Studiengang "Literarisches Schreiben" absolviert. Da kann nur sowas rauskommen, finde ich. Meiner Meinung nach kann man das Schreiben nicht erlernen. Man kann sich entwickeln, ja, aber mehr wird zu übertrieben kunstvoll.
    Ich denke nicht, dass ich das Buch lesen werde, wenn es mir nicht zufällig in die Hände fallen sollte.

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  2. Tolle Rezension. Ich gehöre zu den Leuten, denen dieses Buch sehr gut gefiel (meine Rezension hier: http://www.leselink.de/buecher/entwicklungsroman/spieltrieb.html), aber vielleicht auch, weil ich es aus einer anderen Perspektive gelesen habe. Mit Ada konnte ich mich schon ein wenig identifizieren (mit Alev nicht, aber der ist auch sehr speziell), und das, was dir anfangs gefiel (die Metaphern), gefällt mir nun schon mehrere Bücher von Juli Zeh hindurch. Vielleicht probierst du es mal mit "Corpus Delicti", da ist die Hauptfigur nicht so "kühl" wie Ada.

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