4/14/2017

[Off-Topic] Das Grundsatzprogramm der AfD

Ich habe mich bis gestern für eine Hausarbeit mit dem Grundsatzprogramm der AfD auseinandergesetzt und fänd es irgendwie zu schade, meine Ergebnisse unerwähnt zu lassen. Das hier ist und bleibt primär ein Buchblog, aber ich bin ohnehin der Meinung, dass wir Buchblogger*innen politischer werden müssen. Deshalb und angesichts der kommenden Bundestagswahlen folgt jetzt eine kleine Zusammenfassung des Grundsatzprogramms, das ihr übrigens hier lesen könnt. 96 Seiten Spaß!
Grundsatzprogramme sind übrigens eigentlich primär für Parteimitglieder gedacht - erst, wenn es um Partei- und Wahlprogramme geht, richten die sich an eine bestimmte Wähler*innenschaft. Ich habe mir allerdings auch die GSP anderer Parteien angeschaut und festgestellt, das keines so leser*innenfreundlich ist wie das der AfD. Die Vermutung liegt also nahe, dass sich dieses GSP nicht nur an Mitglieder der Partei richtet. 
Wir hangeln uns mal einigermaßen chronologisch entlang. 
Wir kamen zusammen in der festen Überzeugung, dass die Bürger ein Recht auf eine echte politische Alternative haben, eine Alternative zu dem, was die politische Klasse glaubt, uns als „alternativlos“ zumuten zu können. S. 6
"Wir" und "die Bürger" - die Politiker*innen sehen sich selbst also nicht als Teil der Bürger*innen, sondern lediglich als Verfechtende ihrer Rechte. Im Grunde wird gesagt: In Deutschland gibt es eine korrupte Regierung bestehend aus einer "politischen Klasse" ohne "echte" politische Alternativen - bis jetzt. Es wird Misstrauen geschürt gegen ein Establishment, ein Feindbild, das erst beim Lesen des Programms zu existieren beginnt. 
Diese Allmacht ist Ursache der verbreiteten Politikverdrossenheit und nicht zuletzt auch Wurzel der gesellschaftsschädigenden Politischen Korrektheit und des Meinungsdiktats in allen öffentlichen Diskursen. Nur direkt-demokratische Entscheidungen des Volkes können die Parteien wieder in das demokratische System integrieren. S. 11
Im Grunde wird hier die zuvor als korrupt verstandene Regierung als undemokratisches Regime (das Wort "Regime" taucht an anderen Stellen auch auf) bezeichnet. Im Demokratieverständnis der Partei können nur Direktwahlen demokratisch sein - im Moment leben wir also keine Demokratie. Im Gegenteil, wir leben in einer Diktatur der "Politischen Korrektheit" und des "Meinungsdiktats". Warum eigentlich? Weil Schwarze Menschen nicht mit dem N-Wort angesprochen werden sollen? Weil "Ziegenficker" nicht als adäquate Umschreibung für Menschen türkischer Herkunft gilt? Weil der Hitlergruß nicht erwünscht ist? Weil sich Menschen dafür einsetzen, zu gendern? Was genau damit gemeint ist wird, wie so vieles, natürlich nicht ausgeführt. 

Auf den Seiten 17-20 geht es dann um die EU und den Euro. Es fallen Begriffe wie:
  • "fremde Bevormundung"
  • "schleichende Entdemokratisierung"
  • Verlust der "nationalen Souveränität" 
  • "systembedingt erzwungen"
  • "grundlegende Fehlkonstruktion"
Die AfD möchte also ein Deutschland, das nur noch aus wirtschaftlichen Gründen Bündnisse mit anderen Ländern eingeht. Die EU hindert Deutschland daran, alles frei tun zu können (wie was? Einen weiteren Weltkrieg anzetteln?) und überhaupt ist Deutschland ja immer nur am Geben, Geben und Geben und kriegt selbst nichts. Uns geht es hier ja so, so schlecht wir Armen. 

Jetzt kommen wir aber zum noch beliebteren Thema der kriminellen Ausländer*innen. Und nein, liebe Leute, mit Fakten der Kriminalstatistiken kommen wir gegen die AfD nicht an, denn: Das ist alles korrupt und unwahr! Und wie lösen wir das Problem? Indem wir 1. mehr abschieben, 2. das Strafmündigkeitsalter von 14 auf 12 senken und 3. auch bei Heranwachsenden (18-21 J.) nicht mehr das Jugend-, sondern das Erwachsenenstrafrecht anwenden. Dass es hierbei nicht darum geht, Menschen mit deviantem Verhalten zu resozialisieren, wird deutlich, wenn dafür plädiert wird: 
Nicht therapierbare alkohol- und drogenabhängige sowie psychisch kranke Täter, von denen erhebliche Gefahren für die Allgemeinheit ausgehen, sind nicht in psychiatrischen Krankenhäusern, sondern in der Sicherungsverwahrung unterzubringen. S. 26
Da frage ich mich: ab wann gilt jemand denn als "nicht therapierbar"? Hier schafft sich die AfD ein schönes Schlupfloch, um möglichst alle Menschen einzusperren, die sich nicht 'regelkonform' verhalten. Und was könnte auf so ein Einsperren folgen? Oh..
Versteht mich nicht falsch, ich sage nicht, dass die Justiz nicht eingreifen soll, wenn etwas passiert. Aber der Plan der AfD ist nichts anders als sozialdarwinistisch. Alles, was mehr Mühe kosten würde, wird einfach wegradiert. Was übrigens noch wegradiert werden soll: Hartz IV. Nachzulesen auf den Seiten 36f. Die Grundsicherungen sollen die örtlichen Jobcenter übernehmen, aber so, dass immer genug Anreiz besteht, (wieder) zu arbeiten. "Sozialdarwinistisch" sagte ich schon, oder? Was ist, wenn man nicht arbeiten kann, weil man physisch, geistig, psychisch oder sonst wie nicht dazu in der Lage ist? Pech gehabt. Leistungsgesellschaft deluxe. Wird auf Seite 54 noch deutlicher, wenn die Inklusion zugunsten des Geldes und des Lernefolgs der "nicht behinderten Schüler" wieder über Bord geworfen werden soll. "Behinderte Schüler" gehören in "diese Einrichtungen". .... Ja. Mir ist auch schlecht.

Auf S. 26 wird außerdem gewünscht, dass sich jede*r Bürger*in bewaffnen kann. Generell sind die in der Partei ganz scharf auf Waffen, denn (s. S. 30): die Feindstaatenklausel (das Ding, das nach dem 2. Weltkrieg beschlossen wurde, das Deutschland nicht erlaubt, über ein bestimmtes Maß hinaus aufzurüsten, was Armee und Waffen angeht - so nach zwei begonnenen Weltkriegen) soll endlich weg. Deutschland braucht mehr "militärische[n] Fähigkeiten" (S. 30) uuuuund *Trommelwirbel* eine Wiedereinführung der Wehrpflicht! (S. 32) Die deutsche Bevölkerung soll sich wieder mit "ihren Soldaten" und "ihrer Bundeswehr" identifizieren. Dieser Beigeschmack, wo kommt er her, wo nur? 

Ein ganz besonderes Streitthema ist auch Gender. Böse, ganz, ganz böse! So sehr, dass der Thematik gleich zwei Unterkapitel gewidmet sind. "Pseudo-Wissenschaft" und "Ideologie" sind nur zwei von den vielen Bezeichnungen für Genderwissenschaft. Sie entspräche einfach nicht den 'naturgegebenen Geschlechterrollen'. Außerdem finde in der Schule "eine einseitige Hervorhebung der Homo- und Transsexualität im Unterricht" statt, in der die Kinder "zum Spielball der sexuellen Neigungen einer lauten Minderheit" würden. (S. 54)
What. The. Fuck. 
Nicht nur, dass Sexualität und Identität vollkommen miteinander vermischt werden - seit wann werden diese Themen denn ausreichend, geschweige denn "einseitig" in den Schulen behandelt? Ehh? Die Essenz der Aussage ist eigentlich: Wenn Kinder in solchen Themen unterrichtet werden, werden sie homo- oder transsexuell. Abgesehen davon, dass das Bullshit ist, denk ich mir "Selbst wenn, na und?" 
Aber das wäre nicht nur ein Widerspruch für das traditionelle Familienbild der AfD, nein. Es würde auch nicht zur 'Arterhaltung' beitragen, was fatal wäre. Dazu:
Die zunehmende Übernahme der Erziehungsaufgabe durch staatliche Institutionen wie Krippen und Ganztagsschulen, die Umsetzung des „Gender-Mainstreaming”-Projekts und die generelle Betonung der Individualität untergraben die Familie als wertegebende gesellschaftliche Grundeinheit. [...]

Jede fünfte Frau bleibt heute kinderlos, unter Akademikerinnen war es 2012 sogar jede dritte. Familien mit mehr als zwei Kindern finden sich überwiegend in sozial schwächeren Schichten, während in der Mittelschicht das Geburteneintrittsalter der Frauen immer weiter steigt und die Anzahl kinderreicher Familien sinkt. […]  
Dass die Geburtenrate unter Migranten mit mehr als 1,8 Kindern deutlich höher liegt als unter deutschstämmigen Frauen, verstärkt den ethnisch-kulturellen Wandel der Bevölkerungsstruktur. (S 41f) 
Was wird hier eigentlich gesagt? 
- Kinder sollten nicht in Krippen und Ganztagsschulen 'erzogen' werden, sondern zu Hause. Was ist der Subtext des Ganzen? Frauen sollen ihre Emanzipation ("Gender-Mainstreaming") und Karriere gefälligst über Bord werfen und daheim bei den Kindern bleiben. 
- Überhaupt sollen Frauen, vor allem Akademikerinnen, (mehr) Kinder bekommen. Eigentlich braucht es doch mehr Angebote wie Krippen etc, damit berufstätige Frauen (mehr) Kinder bekommen, oder? Aber das will die AfD ja auch nicht. Was heißt das also? Dass Frauen keine Karriere machen und Kinder kriegen sollen. Das und nichts anderes. 
- Und warum? Für die 'Arterhaltung'. Kann ja nicht sein, dass "Migranten" mehr Kinder kriegen und für einen demographischen Wandel sorgen. Irgendwie hab ich wieder diesen Beigeschmack im Mund. Hatte ich übrigens erwähnt, dass Frauen auch das Recht zur Abtreibung abgesprochen werden soll? 
Nun denn, deutsche Frauen. Ihr wisst, was zu tun ist. 

Passender Übergang zu einem weiteren Lieblingsthema der Partei: Diese Flüchtlinge, die vermaledeiten! Quintessenz des Ganzen: Wollen wir nicht. Und wenn, nur vorübergehend in Einrichtungen auf "Botschaftergeländen". Bei ökonomischen Fluchtursachen würde die AfD sogar Nachteile für die westliche Wirtschaft in Kauf nehmen, um die Ausbeutung anderer Länder zu stoppen - aber nicht, weil Menschen darunter leiden, nur, damit sie nicht nach Deutschland kommen. Es wird Angst geschürt mit Begriffen wie "Masseneinwanderung", "Bevölkerungsexplosion", "massenhafte[r] Missbrauch" und "schleichende[n] Erlöschen[s] europäischer Kulturen". Geflüchtete Menschen wollen: unser Geld, unsere Frauen, unser Land. Auch andere Einwanderer wollen wir nicht und wenn, dann nur, wenn sie ausreichend qualifiziert sind. Kthxbye. 

Ach ja, was ist eigentlich dieses "Deutschsein"? S. 65 verrät es uns: Deutsches Blut macht dich deutsch. Ein deutscher Pass reicht dafür nicht aus und überhaupt sollen Menschen ohne deutsches Blut bitte keine deutsche Staatsangehörigkeit erlangen können. Im Programm ist zwar nur die Rede von einer Erhöhung der Anforderungen für eine Einbürgerung. Allerdings heißt es auch, dass "die deutsche Staatsangehörigkeit untrennbar mit unserer Kultur und Sprache verbunden" ist. Schöne Umschreibung für "deutsches Blut", mh? Wär ja sonst Nazisprech. 

Dass in Deutschland eigentlich nur Biodeutsche leben sollen, wird auch deutlich, wenn gesagt wird:
„Deutsche Leitkultur statt Multikulturalismus“: Die Ideologie des Multikulturalismus, die importierte kulturelle Strömungen auf geschichtsblinde Weise der einheimischen Kultur gleichstellt und deren Werte damit zutiefst relativiert, betrachtet die AfD als ernste Bedrohung für den sozialen Frieden und für den Fortbestand der Nation als kulturelle Einheit. [...] 
"Der Islam gehört nicht zu Deutschland. In seiner Ausbreitung und in der Präsenz einer ständig wachsenden Zahl von Muslimen sieht die AfD eine große Gefahr für unseren Staat, unsere Gesellschaft und unsere Werteordnung. S. 47f.
Also: Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, andere Kulturen (= Menschen anderer Kulturen) als gleichwertig zu betrachten? Frechheit, oder? Wie kommt man darauf? Mir scheint es zwar eher geschichtsblind, rassistische Ideologien der Kolonialzeit zu ignorieren - aber hey, die wahre Ideologie ist doch dieses "Multikulti" und "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich". Ups, war das eben aus dem Grundgesetz? Na jaaa. Passiert. Auf S. 48 nehmen wir es schließlich mit der Religionsfreiheit auch nicht so eng:
Die AfD bekennt sich uneingeschränkt zur Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit. Sie fordert jedoch, der Religionsausübung durch die staatlichen Gesetze, die Menschenrechte und unsere Werte Schranken zu setzen. S. 48
Die wissen, aber schon, dass "Menschenrecht" (zur Erinnerung: das waren diese komischen Rechte, die jedem Menschen auf der Welt ohne Bedingungen zustehen müssen) und Einschränkung der "Religionsausübung" ein Widerspruch in sich ist, oder? 
Aber was erwartet man schon von einem Programm, das in 5,4-5,7% muslimischem Bevölkerungsanteil (s. BAMF) eine "große Gefahr" sieht und Generationen an Menschen ihre Zugehörigkeit zum Land absprechen will. 

Zu guter Letzt noch eine Perle aus dem Kapitel "Energiepolitik", in dem sich für Atomkraft und gegen erneuerbare Energien, sowie die Klimaerwärmung ausgesprochen wird:
IPCC und deutsche Regierung unterschlagen die positive Wirkung des CO2 auf das Pflanzenwachstum und damit auf die Welternährung. Je mehr es davon in der Atmosphäre gibt, umso kräftiger fällt das Pflanzenwachstum aus. S. 79
Klimaerwärmung ist eine Lüge und durch mehr CO2 gibt es mehr Pflanzen und durch mehr Pflanzen weniger Welthunger. Ende.

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Das war nicht mal ein Bruchteil dessen, was man alles am Programm der AfD kritisieren kann. Aber ich denke, dass diese Beispiele schon ausreichend darstellen, wofür die Partei eigentlich steht. Ich habe mich in diesem Beitrag nicht großartig um Neutralität bemüht, aber das ist auch gar nicht mein Anspruch gewesen. Ich hoffe, ihr konntet ein bisschen was mitnehmen - und seien es nur Argumente, um für die kommenden Bundestagswahlen im eigenen Umfeld Einfluss nehmen zu können. In diesem Sinne wünsche ich ein paar schöne Feiertage! 

4/08/2017

[Monatsrückblick] März 2017


Der März war für mich ein toller Lesemonat. Angefangen mit "Ein wenig Leben", welches ich beendet habe und weiteren wirklich guten Büchern, die ich nicht aus der Hand legen konnte. Der beste Beweis ist immer, wenn ein Buch nach dem Lesen so aussieht:



Ein wenig Leben - Hanya Yanagihara (958 S.) [Rezension]
★★★★☆ (4,5)

Ellbogen - Fatma Aydemir (271 S.) [Rezension]
★★★☆☆ (3,5)

Unter Weißen. Was es heißt, privilegiert zu sein - Mohamed Amjahid (177 S.)
★★★★☆ (4,5)

The Hate U Give - Angie Thomas (464 S.)
★★★★★

Zweite Generation - Michel Kichka (110 S.)
★★★★☆ (4,5)

Alle gelesenen Bücher haben mir ziemlich gut bis sehr, sehr gut gefallen. Mein Highlight war The Hate U Give, wozu ich auch noch eine Rezension schreiben werde. Ein Young Adult-Roman, der von A bis Z alles richtig macht und von allen gelesen werden sollte, die sich ein bisschen mit der Thematik auseinandersetzen wollen. 


Ein Sammelbild der Neuzugänge habe ich diesmal leider nicht vorbereitet, aber tatsächlich sind drei auch schon unter den gelesenen Büchern: Unter Weißen, Ellbogen und THUG. Auf der Messe durften ansonsten noch Nova & Avon, Water & Air und Spiegel des Bösen einziehen. Zu meinem Messebericht inklusive Gewinnspiel geht es übrigens hier entlang: *klick*
The Written Word ist im letzten Monat nämlich fünf geworden. :)

Für den April habe ich mir mal wieder einen Bücherstapel herausgesucht, den ich gerne "ablesen" würde. Heimsuchungen von Chimamanda Ngozi Adichie und die Odyssee von Homer warten jetzt schon viel zu lange darauf, gelesen zu werden. Was die Begeisterung hinter Das Nest ausmacht, möchte ich auch diesen Monat herausfinden. Bereits gelesen ist Und dann gab's keines mehr von Agatha Christie.


Wie war euer März so? Habt ihr irgendwelche Highlights dabei gehabt, die man nicht verpassen sollte? Ich hoffe, ihr genießt den April und die Sonnenstrahlen, die sich endlich mal etwas öfter blicken lassen.  

4/02/2017

[Rezension] "Ellbogen" - Fatma Aydemir

Ellbogen - Fatma Aydemir - Hanser* - 271 S. - 20,00€ - ISBN: 978-3-446-25441-1

 Content Notes: Suizidalität, Rassismus, häusliche Gewalt, sexuelle Nötigung, Tod, Polizeigewalt

Sie ist siebzehn. Sie ist in Berlin geboren. Sie heißt Hazal Akgündüz. Eigentlich könnte aus ihr eine gewöhnliche Erwachsene werden. Nur dass ihre aus der Türkei eingewanderten Eltern sich in Deutschland fremd fühlen. Und dass Hazal auf ihrer Suche nach Heimat fatale Fehler begeht. Erst ist es nur ein geklauter Lippenstift. Dann stumpfe Gewalt. Als die Polizei hinter ihr her ist, flieht Hazal nach Istanbul, wo sie noch nie zuvor war. via

Inzwischen ist schon eine Weile vergangen, seit ich "Ellbogen" beendet habe und ich bin immer unschlüssiger, wie ich dazu stehe. Während des Lesens und kurz nach dem Beenden war ich sehr angetan. Vorhin habe ich allerdings gemerkt, dass das Buch bei mir keinen wirklichen, bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Und dass ich mich mit ein paar Aspekten schwertue. 

"Ellbogen" handelt von einer "Deutschtürkin", wie ich es auch bin. Hazal steht kurz vor der Volljährigkeit und ist, abgesehen von ihren Freundschaften, nicht sehr angetan von ihrem Leben. Das ist untertrieben, eigentlich hat sie sogar große Probleme. Mit 14 hat sie bereits zum ersten Mal versucht, sich das Leben zu nehmen. Zwar mit dem Wissen, dass sie nicht daran sterben würde; allerdings sagt es ja auch schon einiges über ihre Verfassung aus, dass sie nah dran war und es trotzdem riskierte, womöglich doch zu sterben. Ihre Familie besteht aus einer depressiven, unglücklichen Mutter, einem meist abwesenden und gewalttätigen Vater und einem Bruder, der dealt. Sie hat weder einen Abschluss, noch Perspektiven und wird kriminell. Ihre Familie versteift sich auf das, was sie so gelernt hat - Kinder sind den Eltern gegenüber immer respektvoll, Mädchen gehen spätabends nicht mehr aus und haben keine Beziehungen, usw. -, allerdings ist das weder einer großen Verbundenheit der Religion gegenüber geschuldet, noch etwas anderem. Die Familie ist ein Abbild eines sozial schwachen Milieus, inklusive Hazal. Nicht, dass das nicht dargestellt werden sollte, keinesfalls. Allerdings habe ich die Befürchtung, Menschen könnten das Buch lesen in dem Glauben, es würde ihnen "Deutschtürk*innen" näher erklären. Das ist nicht der Fall. Hazal und ihre Familie sind nicht repräsentativ und mit der Absicht sollte das Buch nicht gelesen werden. Natürlich spielt die interkulturelle Thematik eine Rolle. Die Ursachen der Probleme liegen jedoch eindeutig am Sozialen. Ohne eine intersektionale Betrachtung reproduziert die Geschichte im Grunde Klischees von kriminellen Ausländer*innen. 

Das ist ein Aspekt, der mir im Nachhinein etwas zu schaffen macht. Ein anderer ist, dass die Handlung mir zu unausgereift schien. Ich habe ganz viele, spannende Gedanken und Sätze markiert. Schreiben kann Fatma Aydemir. Der Handlungsverlauf hätte dennoch tiefer in die Materie gehen sollen. Es passieren ganz viele Dinge, die in wenigen Sätzen abgehandelt werden und das Ende kommt viel zu abrupt. Meistens sind mir Bücher eher zu lang, als zu kurz. "Ellbogen" hätte allerdings noch gut weitere 100 Seiten gebrauchen können. Andererseits hat die Knappheit und die wenige Tiefgründigkeit auch zu Hazal gepasst. Trotzdem hätte ich über einiges gerne mehr gelesen und erfahren. 

Viele der angeschnittenen Themen fand ich aber mehr als interessant. Mit einigen konnte ich mich auch selbst identifizieren. Dass die Eltern von Hazal zum Beispiel eine komplett andere Lebenswelt haben und sie vieles verheimlicht, damit sie die Dinge trotzdem tun kann. Dass die Türk*innen in der Türkei selbst auch Vorurteile gegenüber "Deutschtürk*innen" hegen. Dass Hazal sich nirgends wirklich angenommen und angekommen fühlt, fand ich ebenso spannend wie die Tatsache, dass sie kein fließendes Türkisch spricht - und trotzdem weder von den einen, noch von den anderen als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft akzeptiert wird. 
"Was macht es für einen Unterschied, ob ich in der Türkei bin oder in Deutschland? Hier machen die denselben Scheiß noch viel brutaler mit den Kurden. Die haben hier gar nichts zu melden. Okay, in Deutschland herrscht kein Krieg, aber irgendwelche Asylantenheime werden ständig angezündet. Ist jetzt nicht so der Unterschied. Kein Schwanz interessiert sich für uns, sie sehen uns nur, wenn wir Scheiße bauen, dann sind sie plötzlich neugierig. Wenn wir einen Thorsten vor die U-Bahn schmeißen, wollen sie auf einmal wissen, wer wir sind." S. 249
Im Grunde hat Hazal einen tiefsitzenden Hass auf die Welt und ihre Ordnung, die sie davor hindert, mehr zu sein. Zum Beispiel Ärztin. Niemand traut ihr etwas zu, niemand nimmt sie wirklich ernst. Von den "Kartoffeln" wird sie gleich abgestempelt, wenn nicht gar rassistisch angegangen. Sie hat Wut im Bauch, Wut gegen die, die es im Leben leichter haben, weil sie einer anderen Zugehörigkeit entsprechend auf eine Welt gekommen sind, die ihnen zugeneigt ist und Leuten wie Hazal nicht.
"Weil solche Typen herumrennen und meinen, die Welt gehört ihnen. Weil die sich aufführen, wie sie wollen, weil die nie um irgendetwas kämpfen mussten. Und weil wir mit hängenden Schultern wie so Opfer herumlaufen, obwohl wir wahrscheinlich zehnmal mehr wissen über das Scheißleben als diese Kartoffeln. Und vielleicht, wenn wir Glück haben, dürfen wir mal später bei denen putzen, in ihren dicken Häusern." S. 244
"Die Gesichter um uns herum, sie sind alle satt. Sie haben alle Ziele, die sie ansteuern, Türen, die sich für sie öffnen. Sie haben Dinge und Menschen, an denen sie sich festhalten können. Sie besitzen Kram, sie verreisen, sie schlafen in Doppelbetten mit ihren Liebhabern, die ihnen dann morgens Kaffee kochen, sie lesen nicht die Bild-Zeitung, sie kaufen nicht bei Primark, sie haben Ansprüche und Abschlüsse und Jobs und schwere hölzerne Pfeffermühlen. Ihre Haare sind glatt, ihre Hände weich, sie haben sich noch nie den Damenbart entfernt, sie feiern Weihnachten, und zwar nicht, weil sie die Geschenke mögen, sondern wegen den Kerzen und dem Geruch von Tannenbäumen." S. 115
Nein, "Ellbogen" ist kein Buch über Interkulturalität an sich. "Ellbogen" erzählt von den Ellbogen der Gesellschaft für sozial schwache und nicht-biodeutsche Menschen. Es erzählt von Wut, von Perspektivlosigkeit, von großen Fehlern und mangelndem Verständnis dafür. Vom Weglaufen, aber wovor? Und wohin? Einerseits werden dieserlei Fragen aufgegriffen und andererseist unbeantwortet gelassen. Das Buch beinhaltet ganz viel, worüber ich gerne mehr gelesen hätte. In Bezug auf die Handlung und die Informationen war es mir teilweise jedoch zu knapp erzählt. Außerdem hat es keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, obwohl so viele wichtige Gedanken angeschnitten werden und es das Buch für mich hätte werden können.

Fatma Aydemirs Debüt ist gelungen, quasi ein roher Diamant, der noch letzte Schliffe benötigt hätte. Auch so kann ich es empfehlen, jedoch nicht ausnahmslos - wer sich "Ellbogen" annimmt, sollte aufpassen, daraus keine Bestätigungen von Klischees herauszulesen. Das wäre nicht im Sinne des Buches, die Gefahr besteht jedoch trotzdem. 

Nichtsdestotrotz bewerte ich das Debüt mit 3,5 von 5 Sternen und bin gespannt auf weitere Veröffentlichungen der Autorin. 

4/01/2017

[Entdeckt] Trans-Themen in Büchern (Transgender, Transsexualität)

Im Zuge des gestrigen Transgender Day of Visibility hatte ich auf Twitter mal rumgefragt, welche Bücher sie dazu kennen. Hier seht ihr das Gepräch und die Vorschläge/Vorschlagenden: *klick*


Seit jeher bin ich der Meinung, dass insbesondere Romane dazu einladen, sich auf ein unbekanntes oder wenig bekanntes Thema einzulassen, Empathie zu entwickeln, zu verstehen, zu reflektieren und neues Wissen mitzunehmen, ohne, dass man das Gefühl hat, in einem trockenen Sinne belehrt worden zu sein. Bücher eignen sich hervorragend dazu, den Horizont zu erweitern. 
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich im Moment an kein gelesenes Buch erinnere, das sich mit dem Thema Trans auseinandersetzt. (Ich schreibe "Trans", weil sich nicht jede*r als transgender oder transsexuell identifiziert. Für einen knappen Überblick zu den Begrifflichkeiten könnt ihr hier *klick* vorbeischauen. Dort wird auch erklärt, warum Formulierungen wie "war früher ein Junge" oder "im falschen Körper geboren" nicht zutreffend sind.)

Jedenfalls möchte ich einige der Vorschläge mit euch teilen und euch (und mich) dazu animieren, mehr über Trans-Themen zu lesen. Es gibt noch lange nicht genug Bücher darüber, aber einige spannende Titel ließen sich trotzdem auftreiben. Ich beginne mit den Büchern, die Own Voices sind - das heißt, von Personen geschrieben, die selbst trans sind. 

Own Voices

George - Alex Gino
"George" ist ein Kinderbuch über ein Mädchen, das als Junge gelesen wird. Mehr wird in der Inhaltsangabe gar nicht verraten, allerdings finde ich allein schon die Tatsache, dass das Thema in einer kindlichen Art und Weise aufgegriffen wird, sehr cool. Ich werde es bald lesen und freue mich schon drauf.
Auf Deutsch ist es auch schon erschienen, im Fischer-Verlag.

Peter Darling - Austin Chant
Peter Darling ist eine Neuerzählung von Peter Pan, in der Peter merkt, dass er sich nicht mit dem ihm zugeschriebenen Geschlecht identifiziert. Gleichzeitig reist er zurück nach Nimmerland und weiß nicht mehr, wer Freund und wer Feind ist.

If I Was Your Girl - Meredith Russo
*klick*
Amanda hat die Schule gewechselt, um einen Neuanfang zu machen - als Amanda. Sie verheimlicht, dass sie mal Andrew hieß und versucht, unauffällig zu bleiben. Bis sie sich verliebt.

Redefining Realness - Janet Mock
Redefining Realness ist das einzige Sachbuch der Liste. Janet Mock erzählt von ihrem Leben und unter anderem auch von ihren Erfahrungen als trans Frau.


Weitere Titel

The Art of Being Normal - Lisa Williamson
(dt.: Zusammen werden wir leuchten )
"Es ist Davids vierzehnter Geburtstag und als er die Kerzen ausbläst, ist sein sehnlichster Wunsch … ein Mädchen zu sein. Das seinen Eltern zu beichten, steht auf seiner To-do-Liste für den Sommer – gaaaanz unten.
Bisher wissen nur seine Freunde Essie und Felix Bescheid, die bedingungslos zu ihm halten und mit denen er jede Peinlichkeit weglachen kann. Aber wird David jemals als Mädchen leben können? Und warum fasziniert ihn der geheimnisvolle Neue in der Schule so sehr?" (via)

When The Moon Was Ours - Anna-Marie McLemore
Dieses Buch vermischt Realität und Fantasy (Magical Realism) und beschäftigt sich auf einer Metaebene mit dem Thema Trans. Ich bin mehr als angetan von der Idee, ich mag Magical Realism aber auch sehr gern. Die Autorin ist übrigens mit einem trans Mann zusammen - nicht direkt Own Voices, aber nah dran.

Golden Boy - Abigail Tarttelin
[CN R*pe]
Dieses Buch handelt von einem intersexuellen Protagonisten, der sexuell missbraucht wird. Es soll eine ganz außergewöhnliche Coming-of-Age-Story sein, allerdings mit einer großen Trigger Warnung.

Weitere Vorschläge:

(ist hier kostenlos verfügbar)







Beast - Brie Sprangler (Own Voices)


Kennt ihr weitere Bücher, die sich sensibel mit diesem Thema auseinandersetzen und die ihr empfehlen könnt?
Ich hoffe, in den Vorschlägen war etwas für euch dabei. Lasst mich gerne an euren Gedanken teilhaben. :)

Falls ihr selbst trans seid und euch an einem der Bücher oder von mir benutzten Begrifflichkeiten stört, lasst es mich gerne wissen. 

3/28/2017

[Erlebt] Leipziger Buchmesse 2017 + Gewinnspiel

Nachdem ich letztes Jahr mit Julia vom Blog Geschichtentänzer - und meine Freundin seit der 6. Klasse :) - bereits auf der Frankfurter Buchmesse gewesen bin, hatten wir beschlossen, die Leipziger Buchmesse ebenfalls zu besuchen, wenn auch für einen Tag. Wir hatten zwar pro Strecke 4 Stunden zu fahren, aber ich bin einfach mehr für Tagestrips gemacht. Abends in sein eigenes Bett zu fallen ist dann doch zu schön. Zum Glück war Julia damit auch einverstanden, sodass wir uns um 5 Uhr morgens auf die Socken gemacht haben. Ganz ehrlich? So müde war ich gar nicht. Ich hätte gedacht, dass ich total durchhängen würde. Tat ich letztendlich im Laufe des Tages auch, aber das lag eher an den Kopfschmerzen in der verschwundenen Stimme. Seitdem sind meine Mandeln auch schön geschwollen und die Laute, die ich von mir gebe, machen einen auf Kettenraucherin. Aber, Spoiler: Es hat sich trotzdem mehr als gelohnt.

Etwa um 9 Uhr sind haben wir das Messegelände erreicht und waren um 10 Uhr beim Bloggertreffen von Carlsen und Thienemann-Esslinger. Das erste Mal, dass wir bei einem Bloggertreffen dabei sein konnten und es war wirklich cool! 

Ein paar Stunden später hätte man den Boden nicht mehr sehen können. Es war soo voll!
Fancy Presseausweis-Selfie auf dem Bloggertreffen 
"Water & Air" von Laura Kneidl 
"Chosen" von Rena Fischer 
"Nova und Avon" von Tanja Voosen (<3) 
"Spiegel des Bösen" von Björn Springorum 
Na, wer errät, welches Buch gesucht wird?
Es wurde ein Quiz gespielt. Ich war schlecht. :D

Das Bloggertreffen war ein toller Auftakt in den Messetag. Es gab kurze Interviews mit den anwesenden AutorInnen, die ich, bis auf Tanja, alle nicht kannte und die mir immens sympathisch geworden sind, es gab Cupcakes mit den Buchcovern, es wurde signiert, ein Quiz gespielt und viel geredet. Dadurch, dass ich die AutorInnen auch so sympathisch fand, konnte ich bei dreien von den Büchern nicht nein sagen. Ohne sie mal zu erleben und kennenzulernen, wären mir die Bücher wahrscheinlich nie aufgefallen, das gebe ich zu. Sie wurden uns allerdings mehr als schmackhaft gemacht und ich freue mich sehr, in die Geschichten einzutauchen. 

Nach dem Bloggertreffen wollte ich die wundertolle Katharina von Kulturgeschwätz einsammeln. Ich war mir so sicher, sie hätte ARD gesagt, also sind wir dahin gelaufen, vorbei an Arte und haben uns gefühlt 5 Stunden gesucht - nur um festzustellen, dass sie Arte gesagt hatte, nicht ARD. Fängt doch beides mit A an und hat so ödes Erwachsenenprogramm... :D Jedenfalls haben wir uns trotz meiner Verpeiltheit gefunden und hach, dieses Wesen. Ich bin hin und weg. Es war toll, sie endlich kennenzulernen. 

Generell habe ich im Laufe des Tages einige Menschen sehen können und habe mich über alle so gefreut. Unter anderem Kücki (sie hat mich in wenigen Sekunden davon überzeugt, dass sie zucker ist), Sarah (genauso herzlich, wie ich sie mir vorgestellt hab <3), Anna (that girl can talk. :D Die viel zu kurze Zeit hat sehr viel Spaß gemacht!) und Dorina (mitsamt Luna Lovegood-Cosplay. Sah nicht nur sau cool aus, sondern war auch super lieb <3). Ich habe noch viel mehr total nette Menschen (wieder)gesehen, was wirklich klasse war. Buchmenschen sind einfach toll.  

Genug der Schleimereien, weiter mit der Erzählung. Nach einer kleinen Odyssee mit drei schweren Beuteln, der Suche nach dem Parkplatz/Auto, einer Unterstellung von der Security, ich hätte irgendwas vor und dem erleichterten Entdecken der Garderobe statt des Parkplatzes bin ich um 14:30 zur Leseinsel der jungen Verlage, um drei Bloggerinnen zu lauschen, die davon erzählt haben, warum sie lesen. Es handelte sich um folgende Anthologie: Warum ich lese. Gelesen haben Katharina von Kulturgeschwätz, Sophie von Literaturen und Sarah von Pinkfisch

Was ich dazwischen gemacht habe, weiß ich gar nicht mehr so recht, aber gegen 16:00 Uhr habe ich endlich die großartige Mareike vom Blog Bücherkrähe getroffen, die mich schon mal in Bremen besucht und mich zu ihrem Fan gemacht hatte. So ein herzlicher, lebensfroher Mensch, hach. (So viel, wie ich von den Leuten schwärme, könnte man meinen, ich mag Menschen, oder? Eigentlich bin ich doch so scheu und überhaupt.) Jedenfalls haben wir dann auch Julia wieder eingesammelt, die beim Lovelybookstreffen war und haben es uns zusammen am taz-Stand gemütlich gemacht und auf das Gespräch mit Mohamed Amjahid gewartet. 


Mohamed Amjahid hat kürzlich sein Buch "Unter Weißen. Was es heißt, privilegiert zu sein" veröffentlicht und schreibt ansonsten für das ZEIT-Magazin. Ich habe sein Buch letzte Woche gelesen und sehr gemocht und war daher mehr als gespannt. Mohamed war von Anfang an super sympathisch und konnte das Publikum direkt für sich einnehmen, das hat man gemerkt. Er beschäftigt sich in seinem Buch mit Rassismus in Deutschland, Critical Whiteness und (post)kolonialen, internalisierten Mechanismen - ein sehr schwieriges Thema, wie ich immer wieder selbst feststelle. Mich hat aber sehr gefreut, wie gut das Gespräch angenommen wurde, es war rappelvoll und sein Buch in wenigen Minuten ausverkauft, nachdem das Gespräch zu Ende war. Irgendwie kam er am Ende auch auf die unaufgearbeitete Kolonialvergangenheit Frankreichs zu sprechen und wie tief der Rassismus und die Ressentiments gegenüber Marokkaner*innen dort verankert ist; wie nahe ihm das geht, wurde deutlich, als seine Stimme abbrach und er nicht mehr weiterreden konnte. Ich saß quasi in der ersten Reihe und hatte selbst Tränen in den Augen, obwohl ich nur entfernt nachempfinden kann, wie es ihm gehen muss. Damit endete das Gespräch auch abrupt. In Tränen auszubrechen war sicher nicht geplant gewesen, aber es war echt und unverfälscht und hat den Eindruck abgerundet, den das Publikum ohnehin schon die ganze Zeit hatte: diese Themen sind wichtig, diese Themen sind präsent und sie betreffen uns alle. Manche von uns aufgrund ihrer Privilegien, manche von uns aufgrund der Rassismen, die sie erfahren. Das ist kein theoretisches Geschwafel. Es bestimmt die Lebensrealität vieler Menschen und wie sehr das jemanden mitnehmen kann, konnten wir live miterleben. 

In den nächsten Tagen werde ich auch noch meine Rezension zu dem Buch verfassen. Ich kann es nun, da ich den Autor kennenlernen durfte, sogar noch mehr empfehlen. 

Nach diesem eindrucksvollen Gespräch sind wir noch gemeinsam in die Blogger Lounge und haben es uns ein paar Minuten gemütlich gemacht und Erlebtes ausgetauscht. Meine Stimme war zu dem Zeitpunkt zwar schon hinüber, aber das hat uns nicht aufgehalten. Leider mussten wir uns dann irgendwann auch voneinander verabschieden. Ein kurzes Schlendern durch die Halle mit den Kinder- und Jugendbuchständen später haben auch Julia und ich den Rückweg angetreten. Wir haben nicht viel von Leipzig gesehen, aber der Himmel war schön! Etwa vier Stunden später waren wir in unserer geliebten Hansestadt. Heiseres Gequatsche und Gesinge inklusive, begleitet von einer Black 2000's und einer Destiny's Child-Playlist, die uns an unsere gemeinsame frühe Jugend erinnert hat. Julia, ich glaube, wir müssen uns demnächst nochmal zum Singstar-Spielen verabreden. :D 

Insgesamt war das ein wirklich schöner Tag, was vor allem an den tollen Menschen lag, mit denen ich ihn verbringen durfte. Manchmal ist soziale Interaktion dann doch ganz okay. 



Müdes und glückliches letztes Selfie. Schön war's! 

Und damit ich die Freude ein bisschen mit euch teilen kann, gibt es jetzt noch etwas Kleines zu gewinnen. Ich durfte mir ein weiteres Exemplar von "Nova und Avon" mitnehmen und darf es an euch verlosen! :) Das passt heute besonders gut, weil auch mein Bloggeburtstag ist - The Written Word ist offiziell 5 Jahre alt. 


Teilnahmebedingungen:

- ihr seid über 18 oder habt das Einverständnis eurer Eltern
- ihr habt eine Adresse in Deutschland, an die ich verschicken kann
- für Verluste bei der Post kann ich nicht aufkommen
- der Rechtsweg ist ausgeschlossen 

Zum Teilnehmen beantwortet mir bitte folgende Fragen: 

Wenn ihr ein Kinderbuch schreiben würdet, wovon würde es handeln? Gibt es Themen, die für euch in dem Genre zu kurz kommen? Nach welchen Geschichten hätte sich euer jüngeres Ich gesehnt? Ich würde mich sehr über kreative Antworten freuen. Zusätzlich könnt ihr mir euer Lieblingskinderbuch nennen. Meine Wunschliste ist ja noch nicht lang genug. :D

Bitte vergesst nicht, mir eine gültige E-Mail-Adresse zu hinterlassen, damit ich den*die Gewinner*in kontaktieren kann. 

Das Gewinnspiel endet am 9.4.2017 um 20:00 Uhr.

Viel Glück!

Nachtrag: Das Los hat sich für Marie entschieden. :)

3/19/2017

[Rezension] "Die Hälfte der Sonne" - Chimamanda Ngozi Adichie

Die Hälfte der Sonne - Half of a Yellow Sun - Chimamanda Ngozi Adichie - Fischer* - 640 S. - 12,99€ - ISBN: 978-3-596-03548-9
Content Notes: Krieg, Gewalt, Rassismus, (Sexueller) Missbrauch

Im Nigeria der Sechzigerjahre kommt der Dorfjunge Ugwu als Houseboy zu Odenigbo, einem linksintellektuellen Professor, bei dem er lesen und schreiben lernt. Als Odenigbos neue Liebe Olanna ihr privilegiertes Leben in Lagos verlässt, um mit ihm zu leben, wachsen die drei schnell zu einer kleinen Familie zusammen. 

Richard, ein englischer Journalist, der in Nigeria Inspiration für sein erstes Buchprojekt sucht, verliebt sich in Olannas ungleiche Schwester Kainene, die die Geschäfte der reichen, aber auch korrupten Familie leitet. Sie alle durchleben durch ihre je eigenen Kämpfe und Erfolge, doch teilen gemeinsam die große Hoffnung auf ein unabhängiges Biafra, das 1967 im Osten Nigerias, wo die Mehrheit der Igbo-Bevölkerung lebt, ausgerufen wird. 

Nur drei Jahre später versinkt das Land in einem blutigen Bürgerkrieg, der Olanna, Kainene und ihre Liebsten brutal aus ihren Leben reißt und alles Dagewesene ausradiert. via

Eigentlich würde ich mich als Fan von Chimamanda Ngozi Adichies Büchern bezeichnen. „Americanah“, „Blauer Hibiskus“ und „We Should All Be Feminists“ haben mir allesamt sehr, sehr gut gefallen und auch von „Die Hälfte der Sonne“ hatte ich mir dementsprechend viel erwartet. 
Ich kann nicht sagen, dass ich enttäuscht bin, denn das Buch war keinesfalls schlecht. Allerdings hat es mich auch nicht so mitgerissen wie ihre anderen und irgendwie bin ich mit keinem der Charaktere warm genug geworden, um wenigstens in Bezug auf dessen Werdegang mitzufiebern. Mein Eindruck ist, dass dem Buch auch weniger Länge nicht geschadet hätte. 

Allerdings ist es schon allein deshalb ein gutes Werk, weil es etwas behandelt, was in der hiesigen Literatur sonst selten Erwähnung findet – die postkolonialen Folgen, die Nigeria erleidet und die zu einer vorübergehenden Spaltung des Landes und Krieg untereinander führen, Biafra neben Nigeria. All das wird aus der Perspektive von akademischen Charakteren erzählt, die ein unabhängiges Biafra unterstützen. Auch die Perspektive eines weißen Mannes kommt zum Tragen, genauso wie die eines zunächst unterprivilegierten Houseboys. So werden ganz verschiedene Blickwinkel auf die Ereignisse ermöglicht, die sich über viele Jahre ziehen und während derer die Charaktere wachsen und älter werden. Nicht nur erlebt man mit ihnen, Liebe, Verrat, Loyalität, Rassismus, Leid und Krieg, wie es der Klappentext sagt, auch wird dem Leser die nigerianische Lebenswelt der Sechsigerjahre näher gebracht. Dieses Buch wirft ein ganz anderes Licht auf die Armut und den Hunger, die man hier stets mit Dürre in Verbindung bringt und selten mit denen, die ausbeuten, wodurch diese Armut und der Hunger erst zu Stande kommen. 

„Er konnte nicht verstehen, wie Leute, die aussagen wie Mister Richard, den Leuten, die aussahen wie er, grundlos wegnahmen, was ihnen gehörte.“ S. 311 
„Der weiße Mann hat den Rassismus in die Welt gesetzt. Er hat ihn als Grundlage für seine Eroberungen benutzt. Es ist immer einfacher, ein menschliches Volk zu besiegen.“ S. 587 

Neben diesen Themen ist mir aufgefallen, dass in diesem Buch die einzig selbstbestimmten Charaktere die der Frauen sind. Die männlichen Protagonisten erscheinen zunächst stärker, doch je mehr man in die Geschichte eintaucht und je mehr geschieht, desto deutlicher wird, dass sie sich von ihrem Umfeld instrumentalisieren lassen und ihren freien Willen verlieren. Die beiden Schwestern hingegen, Kainene und Olanna, beschließen, sich von nichts runterkriegen zu lassen und schaffen sich in jeglichen Situationen etwas, was ihnen Kraft gibt, weiterzumachen. Einige der anderen Charaktere tun im Laufe des Buches Dinge, die sehr fragwürdig sind – allerdings sind sie angesichts des Krieges dennoch leider authentisch. 

Der Schreibstil war mir an manchen Stellen zu ausufernd, allerdings bin ich auch eher ein Freund der knappen Worte; ich bin mir sicher, dass andere daran mehr Gefallen finden, denn auf das Schreiben versteht sich Adichie ohne Zweifel sehr gut. Sie vermag es durch die Stimmen ihrer Charaktere Missstände der Gesellschaft aufzutun, die nicht immer auf den ersten Blick auf Zustimmung stoßen mögen und doch trotzdem allen einen Spiegel vorhalten. Rassismus und (Post-)Kolonialismus spielen da eine ganz wesentliche Rolle. 

„Ich bin Nigerianer, weil ein weißer Mann Nigeria geschaffen und mir diese Identität gegeben hat. Ich bin schwarz, weil die Weißen das Schwarze als größtmöglichen Gegenpol zu ihrem Weiß konstruiert haben. Aber ich war ein Igbo, bevor der weiße Mann kam.“ S. 37 
„Begreifst du denn nicht? […] Sie haben ihre Rassenforschung bei den Herero angefangen und bei den Juden abgeschlossen. Natürlich besteht da ein Zusammenhang!“ S. 81
„Die Hälfte der Sonne“ erzählt nicht nur vom Nigeria der Sechziger, es erzählt auch von weißer Kolonialgeschichte und den Konstrukten, die noch heute unsere Welt beherrschen. Der Roman ist nicht immer angenehm; doch er regt zum Nachdenken an und ermöglicht neue Perspektiven, die im Laufe der Lektüre immer plausibler werden. Allein deshalb lohnt sie sich. Dennoch habe ich mich während des Lesens manchmal zwingen müssen, einerseits aufgrund der Längen, andererseits aufgrund der Charaktere, mit denen ich bis zum Ende nicht ganz warm werden konnte. Im Laufe der Rezension ist mir allerdings aufgefallen, dass die Lektüre doch eine sehr bereichernde war. Ich kann sie jedenfalls guten Gewissens empfehlen. Auch der – in meinen Augen – bisher schwächste Roman aus der Feder Adichies ist sehr lesenswert und beschäftigt sich nicht minder mit Themen wie Rassismus und Sexismus. Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen.

3/17/2017

[Rezension] "Ein wenig Leben" - Hanya Yanagihara


Ein wenig Leben - A Little Life - Hanya Yanagihara - Hanser Literaturverlage* - 958 S. - 28,00€ - ISBN: 978-3-446-25471-8
Meine Rezension enthält keine direkten Spoiler. Allerdings verraten meine Content Notes schon Inhaltliches. Das finde ich wichtig, damit alle wissen, worauf sie sich mit diesem Buch einlassen und um mögliche Retraumatisierungen zu vermeiden. Wenn dich das stört, rate ich vom Lesen meiner Rezension ab. 

Content Notes: (Sexueller) Missbrauch, Pädophilie, Zwangsprostitution, Gewalt, SVV, Suizidalität, Ableism, Trauma, Tod

"Ein wenig Leben" handelt von der lebenslangen Freundschaft zwischen vier Männern in New York, die sich am College kennengelernt haben. Jude St. Francis, brillant und enigmatisch, ist die charismatische Figur im Zentrum der Gruppe – ein aufopfernd liebender und zugleich innerlich zerbrochener Mensch. Immer tiefer werden die Freunde in Judes dunkle, schmerzhafte Welt hineingesogen, deren Ungeheuer nach und nach hervortreten. "Ein wenig Leben" ist ein rauschhaftes, mit kaum fasslicher Dringlichkeit erzähltes Epos über Trauma, menschliche Güte und Freundschaft als wahre Liebe. Es begibt sich an die dunkelsten Orte, an die Literatur sich wagen kann, und bricht dabei immer wieder zum hellen Licht durch. via


Wie rezensiert man ein Buch wie „Ein wenig Leben“? Der Titel passt im Grunde wie die Faust aufs Auge; als Leser*in begleitet man die Charaktere über Jahrzehnte hinweg und lebt, liebt und leidet mit ihnen – das „Leiden“ sollte hier besonders hervorgehoben werden – auf eine Art und Weise, dass sie zu realen Menschen werden und nicht mehr wie Charaktere in einem fiktiven Buch erscheinen. Und wie soll man das Leben eines Menschen schon bewerten? Wer bin ich, dass ich mir das anmaßen könnte? Aber Jude, Willem, Malcolm und JB sind nicht real, also wage ich mich trotzdem an ein Urteil. 

„Ein wenig Leben“ war schon vor der deutschen Übersetzung gefühlt in aller Munde. Ich war Feuer und Flamme und habe mit Begeisterung (und Skrupel, ob der Seitenzahl) angefangen, es zu lesen. Das Buch gefiel mir von Anfang an und etwa ab Seite 100 konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen und habe es verschlungen. 

Es ist schwer, zusammenzufassen, worum es geht, weil so viele unterschiedliche Themen angeschnitten werden. Zum einen steht die Freundschaft der vier College-Freunde im Mittelpunkt. Die Jahre, in denen sie in Bruchbuden hausen und gerade sich gerade so Essen finanzieren können. Die Jahre, in denen sie langsam ihre Berufungen finden. Die Jahre der Fehlentscheidungen. Die Jahre des Erwachsenwerdens und der Partnerschaften. Und all das erleben sie zusammen, mal mit mehr und mal mit weniger Zuneigung füreinander. Auch Liebe spielt keine geringe Rolle, wobei das Schöne an dem Buch ist, dass sich Liebe und Freundschaft nicht wirklich voneinander trennen lassen. Ganz undramatisch werden auch Homo- und Bisexualität eingeflochten, aber auch elterliche Liebe kommt nicht zu kurz. Allerdings spielt auch falsche Liebe eine große Rolle. Manipulative, missbräuchliche, pädophile ‚Liebe‘. Menschenhandel und Zwangsprostitution. Und Gewalt. Durch andere, aber auch in Form von selbstverletzendem Verhalten (SVV). Und, weil das für ein Schicksal noch nicht reicht, eine zugefügte körperliche Behinderung, die Jahr für Jahr schlimmere Schmerzen bereitet. 

Im Zuge all dieser Themen werden noch weitere, wichtige Denkanstöße transportiert, wenn man darauf achtet; prägnant war für mich die körperliche Selbstbestimmung, die immerzu beeinträchtigt wird, ob von denen, die kriminell sind (Missbrauch) oder von denen, die Gutes wollen (Zwangseinweisungen in Bezug auf SVV) – natürlich sind die Dimensionen nicht vergleichbar, doch beides impliziert eine Fremdbestimmung des Körpers und eine Grenzüberschreitung, etwas, was dem Charakter genauso zu schaffen macht wie die damit verbundene, internalisierte Scham. Das Sich-Selbst-die-Schuld-Geben, das Sich-Schämen bei jeder kleinsten Schwäche. Es hat mir regelmäßig das Herz gebrochen, davon zu lesen und gleichzeitig schien mir alles unfassbar authentisch. 

„Er wird sich daran erinnert fühlen, dass er eingesperrt ist, gefangen in einem Körper, den er hasst, zusammen mit einer Vergangenheit, die er hasst, und dass er beides niemals wird ändern können“ 

Ich habe mich gefragt, ob es fragwürdig ist, so viel Leid in einem Buch zu schildern. Auch, ob es fragwürdig ist, dass ich davon lese – und das auch noch gerne tue. Nicht, weil mir das Leiden irgendwelche Freude bereitet, sondern, weil ich wissen möchte, was diesem Charakter wiederfahren ist, wie er zu dem geworden ist, der er ist. Eine schlaue Antwort habe ich darauf nicht, ich glaube aber, dass Literatur, die so tief berührt, ihre Berechtigung hat. Das Feingefühl, mit dem Yanagihara diese Themen behandelt, macht es wieder wett. Ich habe keinen Spaß an Leid; aber Menschen leiden, leider. Und Fiktion kann die Empathie dafür definitiv verstärken und auch das Feingefühl beeinflussen. 

In Bezug auf das Feingefühl ist mir zudem positiv aufgefallen, wie Yanagihara mit der Behinderung des Charakters umgeht. Der Charakter selbst möchte sie am liebsten gänzlich verstecken, hauptsächlich, um nicht auf sie reduziert zu werden. Wie das Umfeld, seine Freunde, damit umgehen, erschien mir sehr authentisch. Auch hier musste ich wieder viel über Selbst- und Fremdbestimmung nachdenken. 

„Es war unmöglich, den Gesunden die Logik der Kranken zu erklären, und er hatte nicht die Kraft, es zu versuchen.“ 

Ihr seht, „Ein wenig Leben“ ist ein Buch, das mich hauptsächlich auf der inhaltlichen Ebene sehr beschäftigt hat. Die Handlung ist teilweise sehr spannend, teilweise langatmig und das Ende sagte mir nicht wirklich zu. Der Schreibstil ist feinfühlig, an den richtigen Stellen emotional, zwar etwas ausufernd, aber oft auch packend. Das Beste allerdings sind die Charakterzeichnungen, die das Buch tragen und mich noch heute, mehrere Tage nach Beenden des Buches, beschäftigen. Zwar steht Jude im Mittelpunkt des Geschehens, doch auch die Werdegänge und Dynamiken der anderen Charaktere habe ich sehr gern verfolgt und sie allesamt ins Herz geschlossen.


Im letzten Drittel hat die Handlung des Buches in meinen Augen nachgelassen; dennoch kann ich nicht anders, als es ausnahmslos zu empfehlen. Der Roman begleitet tatsächlich nicht nur „Ein wenig Leben“, sondern ganz schön viel Leben von außergewöhnlichen, tragischen Charakteren, die ins Herz wachsen und nicht mehr rauswollen. Währenddessen werden schöne und parallel – prozentual mehr - sehr schmerzhafte Themen angeschnitten, wie (Kindes-)Missbrauch, Gewalt und selbstverletzendes Verhalten. Yanagihara hat eine Geschichte mit viel Feingefühl geschrieben, die trotzdem ein Hieb in die Magengrube ist. Dennoch hat sie ihre Berechtigung. Ich habe das Buch nicht aus der Hand legen können und bin mir sicher, dass es vielen ähnlich gehen wird wie mir. „Ein wenig Leben“ bekommt von mir 4,5 von 5 Sternen.