1/10/2017

[Rezension] "Ich gebe dir die Sonne" - Jandy Nelson

Ich gebe dir die Sonne - I'll give you the sun - Jandy Nelson - cbt Verlag* - 480 S. - 17,99 € - ISBN: 978-3-570-16459-4
Content Note / Trigger Warnung: Sexueller Missbrauch, Rape Culture, Homophobie, Tod, Gewalt

Am Anfang sind Jude und ihr Zwillingsbruder Noah unzertrennlich. Noah malt ununterbrochen und verliebt sich Hals über Kopf in den neuen, faszinierenden Jungen von nebenan, während Draufgängerin Jude knallroten Lippenstift entdeckt, in ihrer Freizeit Kopfsprünge von den Klippen macht und für zwei redet. Ein paar Jahre später sprechen die Zwillinge kaum ein Wort miteinander. Etwas ist passiert, das die beiden auf unterschiedliche Art verändert und ihre Welt zerstört hat. Doch dann trifft Jude einen wilden, unwiderstehlichen Jungen und einen geheimnisvollen, charismatischen Künstler... via

„Ich gebe dir die Sonne“ ist wahrscheinlich eines der Bücher, die mir auf diversen Plattformen am meisten begegnet sind. Neugierig war ich von Anfang an, doch ich war unsicher, ob ich wieder Lust auf ein Jugendbuch habe; ich hab mir das Buch immer in einer Reihe mit John Green vorgestellt. Damit habe ich allerdings weit gefehlt. 

„Ich gebe dir die Sonne“ ist außergewöhnlich. Der Schreibstil war bereits auf den ersten Seiten so anders, so unkonventionell, dass ich mich schnell in der wunderschönen Sprache verloren hatte, bevor ich überhaupt die Charaktere ins Herz geschlossen habe. Am Stil gefiel mir auch außerordentlich gut, dass aus Noahs Perspektive regelmäßig Bilder im Kopf gemalt und benannt werden. Beide Charaktere sind sehr künstlerisch und von der Kunstbegeisterung der Mutter geprägt. Noah malt quasi alles und denkt unaufhörlich ans Malen. Die Bilder, die er im Kopf malt und benennt, hatte ich oft tatsächlich bildlich vor Augen. Seine Empfindungen wurden dadurch zusätzlich verstärkt. 

Generell habe ich die Charakterzeichnungen als sehr originell und authentisch empfunden. Ich könnte auch hier wieder „außergewöhnlich“ sagen. Sie sind vielschichtig, fehlerhaft, liebenswürdig, machen starke Wandlungen durch und wachsen einem mit all den Macken und Vorzügen sehr ans Herz. Noah und Jude als Zwillinge sind für sich schon eine Besonderheit; am liebsten hat mir zum Schluss aber die Wandlung des Vaters gefallen. Nicht nur für die Wandlungen, sondern auch für das gesamte Geschehen war es klug konstruiert, sowohl Noah als auch Jude kapitelweise Perspektiven zu gewähren, die untereinander auch Zeitsprünge haben. So sind beide z.B. in einem Kapitel aus Noahs Perspektive noch 13 und im nächsten Kapitel aus Judes Perspektive 16. Diese Erzählweise eröffnet neue Möglichkeiten, die in diesem Fall gekonnt genutzt wurden. So gelungen ist den Aufbau aber auch fand, mir persönlich waren die Kapitel an sich viel zu lang und hätten gerne nochmal in Unterkapitel aufgebaut sein können. Das tut dem Inhalt keinen Abbruch und bezieht sich lediglich auf meinen persönlichen Lesekomfort. 

Bevor man sich auf „Ich gebe dir die Sonne“ einlässt, sollte man sich allerdings auch dessen bewusst sein, dass das Buch sich nicht an Rationalitäten hält. Jude sieht Geister verstorbener Menschen und ist vernarrt in eine Art Bibel, die ihre Großmutter zu Lebzeiten selbst mit Weisheiten und Wissen zusammengestellt hatte. Sowohl Jude und Noah, als auch einige der anderen Figuren sind eher spirituell denkende Charaktere. Mir persönlich hat das sehr gut gefallen. Die ‚schrägen‘ Figuren sind die, die im Gedächtnis bleiben. 

„Ich weiß nicht, ob ich eine Dualseele sein will. Ich glaube, ich brauche meine eigene Seele.“ (S. 428)

Wie eingangs notiert werden allerdings auch ernstere Themen angesprochen. Dies geschieht auf eine sehr gekonnte, zum Teil subtile Art und Weise, dennoch sollte man sich dessen bewusst sein, dass man sich auf eine Geschichte einlässt, in der auch Themen wie Vergewaltigung, Diskriminierung von Homosexualität und Gewalt zur Sprache kommen. Leider hat es die Autorin an einer Stelle, in der die Rede von „so ein Mädchen“ (implizit: Mädchen, die sich freizügig kleiden und dadurch Vergewaltigungen provozieren) ist, nicht geschafft, zu verdeutlichen, dass es nicht von Bedeutung ist, welche Art von Mädchen jemand ist und dass eine solche Gewalttat durch nichts legitimiert wird. Diese Perspektive, die im Buch von einer Person vertreten wird, wird nicht korrigiert oder ergänzt.

Insgesamt konnte mich „Ich gebe dir die Sonne“ von Anfang bis Ende vollkommen begeistern und gehört zu den besten Büchern, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Es ist ein außergewöhnliches Buch, das ich nicht nur jugendlichen Leser*innen empfehlen kann, mit Charakteren und einem Schreibstil, die beide so unkonventionell daherkommen, dass man noch lange daran denken muss. Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen – sofern Noah mir das erlaubt, denn die Sterne gehören, glaube ich, nach aktuellem Stand ihm. 

12/31/2016

[Jahresrückblick] Mein Jahr 2016

Ich kann es kaum glauben, dass schon wieder ein Jahr vergangen ist. Ich frage mich immer, wieso die Zeit so schnell vergeht und denke, dass ich doch gar nichts geschafft habe; dabei war 2016 für mich in Bezug auf das Studium wahrscheinlich eines der stressigsten Jahre. Dementsprechend ist auch das Lesen etwas zu kurz gekommen. Andererseits habe ich mich auch sehr gewandelt, was mein Lieblingshobby betrifft - mein Geschmack ist ein ganz anderer als noch vor einigen Jahren und 2016 hat diesen noch mehr manifestiert. Aber eins nach dem anderen. Gelesen habe ich jedenfalls (von ursprünglich geplanten 50) 41 Bücher. Ich habe versucht, das mal ein bisschen anschaulich zu machen. :) 

Fast 1/6 der Bücher, die ich gelesen habe, waren von Frauen. Ich habe außerdem mehr Interesse an Werken von People of Colour entwickelt und mal geschaut, wie viele Autor*innen dabei sind - Men of Colour waren tatsächlich gar nicht vertreten. Neun der Bücher waren von Women of Colour. Das liegt nicht zuletzt auch an den Gedichtbänden von Rupi Kaur, Nayyirah Waheed und Warsan Shire, die ich für mich entdeckt habe. 


Am meisten habe ich offenbar gedruckte Bücher in englischer Sprache gelesen. Da habe ich gar nicht drauf geachtet, ein Gleichgewicht beizubehalten, weil es mir schlichtweg nicht wichtig ist. Das Endergebnis finde ich trotzdem interessant. :) Hier noch ein paar weitere Zahlen: 

6 Klassiker 
11 Non-Fiction, davon 4 Gedichtbände
10 Kurzgeschichten
und ca. 85 Neuzugänge

Ich habe in keinem Jahr zuvor so viele Hörbücher gehört und "Sachbücher" (Non-Fiction passt einfach besser. Kennt ihr ein alternatives, deutsches Wort?), sowie Gedichtbände gelesen - und werde diese neuen Leidenschaften auf jeden Fall beibehalten, weil ich sie als sehr bereichernd empfunden habe! 

Nun zu meinen Lieblingen in diesem Jahr. 


Am besten gefallen haben mir A Monster Calls (welches ich leider nicht besitze), Salt To The Sea, Milk and Honey und Americanah. Jedes dieser Bücher ist ein Goldschatz. Ich kann sie uneingeschränkt empfehlen. Während A Monster Calls sich auf fantastische Art und Weise mit Themen wie Trauer und Wut auseinandersetzt, behandelt Salt To The Sea ein Ereignis des Zweiten Weltkriegs aus vielen relevanten Perspektiven, welches viel bekannter sein sollte. Milk and Honey ist ein Gedichtband, der direkt ins Herz ging und dort blieb. Und Americanah konnte mich durchweg begeistern, nicht zuletzt jedoch durch die messerscharfe Beobachtung von Alltagsrassismus. 


Neben den absoluten Highlights gab es aber natürlich auch weitere. Auf Crooked Kingdom hatte ich mich das ganze Jahr über gefreut; leider hatte es mir am Ende nicht ganz so gut gefallen wie der erste Band, was an einer ganz speziellen Sache lag. Ich bin immer noch nicht drüber hinweg. Dennoch ein grandioses Buch! Von Adichie habe ich außerdem Blauer Hibiskus und We Should All Be Feminists gelesen und geliebt. The Smell Of Other People's Houses war ein Jugendbuch, das endlich mal wieder erfrischend anders war; ein anderes, ungewohntes Setting und eine unaufgeregte, aber dadurch überzeugende Handlung haben mich von sich überzeugt. Gefallen habe ich außerdem an Gothic Fiction gefunden. We Have Always Lived In The Castle und Charlotte Perkins Gilmans Kurzgeschichten haben mich wundervoll unterhalten und lange nicht losgelassen. Ein Genre und zwei Autorinnen, die ich mir 2017 auf jeden Fall weiter merken werde! 

In Zahlen mag mein Lesejahr nicht mein erfolgreichstes gewesen sein, aber ich habe ein paar wunderbare Autor*innen und Bücher entdeckt, die es für mich trotzdem zu einem kleinen Triumph machen. 
Gefühlt habe ich aber viel mehr geguckt als gelesen und deswegen habe ich mal mein Gehirn durchforstet und notiert, was ich alles so geschaut habe! Und wenn ich schon mal dabei war, habe ich auch festgehalten, was ich so gehört habe. 


Was Serien und Binge Watching angeht, bin ich schuldig im Sinne der Anklage. Eingefallen sind mir die Serien Gilmore Girls (zig-tausendster Rewatch, auch die neuen Folgen wurden bereits 2x geschaut :D), Die Nanny, Gravity Falls, Full House und Fuller House, Dirk Gently's holistische Detektei, Modern Family, Jane The Virgin, Die Legende von Korra (das Ende, hach <3) und gerade schaue ich Call The Midwife, was mir außerordentlich gut gefällt. Filme schaue in hingegen nicht so häufig, allerdings fehlen auf der Liste noch die beiden aktuellen Star Wars-Filme. :) Wie gefiel euch eigentlich Fantastische Tierwesen

Gehört und gefeiert habe ich sehr viel und sehr gerne Beyoncés Lemonade. Ihr visuelles Album ist der Wahnsinn und auch ein Grund, warum ich Warsan Shire entdeckt habe. An Neuerscheinungen habe ich außerdem Solanges A Seat At The Table und Lady Gagas Joanne sehr gern gehört. Außerdem reiht sich auch türkische Musik ein - Kalben und Pinhani habe ich unfassbar gern gehört. All Time Favourites waren natürlich auch wieder dabei, so z.B. die Red Hot Chili Peppers, Coldplay, Royal Blood und die Arctic Monkeys. Mein absolutes Lieblingslied war dieses Jahr wohl dieses hier, weil ich es so harmonisch und beruhigend finde und es gleichzeitig so sehnsüchtig und melancholisch ist:

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Das war mein Rückblick des Jahres 2016. :) Und 2017? Es wird ein spannendes Jahr, denn ich habe mich erstmals seit langem kein hohes Leseziel gesetzt. Mit 20 Büchern kann man vielleicht sogar sagen, dass es gar keins ist. Das hat aber einen Grund: ich möchte mich nicht mehr auf Zahlen versteifen und dadurch kurze Bücher vorziehen. Ich möchte Wälzer und Klassiker und anspruchsvolle Bücher lesen wie in keinem Jahr zuvor! Am Tag möchte ich eine Stunde lesen. Und mich öfter hier zu Wort melden. Das war's. Das sind meine Ziele. Und eure? :) Wie war euer 2016? Was habt ihr euch für 2017 vorgenommen?
Kommt gut ins neue Jahr! Ich hoffe, es wird ein glückliches für uns alle. :) 

12/30/2016

[Neuerscheinungen] 2017 - Das Jahr der Diversität?

Noch bevor ich meinen Rückblick für dieses Jahr schreibe, möchte ich ein paar Neuerscheinungen vorstellen, auf die ich mich im nächsten Jahr besonders freue. Immer lauter werden die Wünsche, Bücher vielfältiger, bunter zu gestalten (Stichwort "diversity") und immer stärker die Repräsentation von Autor*innen, die selbst marginalisiert sind (Stichwort "Own Voices"). Wir stehen zwar noch am Anfang des Weges, aber ich glaube, dass 2017 uns da einige schöne Bücher bescheren wird. 

"Gott ist nicht schüchtern" - Olga Grjasnowa
Erscheinungsdatum: 17.03.2017

Amal und Hammoudi sind jung, schön und privilegiert, und sie glauben an die Revolution in ihrem Land. Doch plötzlich verlieren sie alles und müssen ums Überleben kämpfen. Sie fliehen. Ein erschütterndes, direktes und unvergessliches Buch.

Als die syrische Revolution ausbricht, feiert Amal ihre ersten Erfolge als Schauspielerin und träumt von kommendem Ruhm. Zwei Jahre später wird sie im Ozean treiben, weil das Frachtschiff, auf dem sie nach Europa geschmuggelt werden sollte, untergegangen ist. Sie wird ein Baby retten, das sie fortan ihr Eigen nennen wird. 
Hammoudi hat gerade sein Medizinstudium beendet und eine Stelle im besten Krankenhaus von Paris bekommen. Er fährt nach Damaskus, um die letzten Formalitäten zu erledigen. Noch weiß er nicht, dass er seine Verlobte Claire niemals wiedersehen wird. Dass er mit hundert Wildfremden auf einem winzigen Schlauchboot hocken und darauf hoffen wird, lebend auf Lesbos anzukommen. In Berlin werden sich Amal und Hammoudi wiederbegegnen: zwei Menschen, die alles verloren haben und nun von vorn anfangen müssen.

"Der Russe ist einer, der Birken liebt" von Grjasnowa gehört zu meinen Lieblingsbüchern und wenn es eine Autorin gibt, der ich zutraue, dieserlei Themen authentisch zu behandeln, dann sie. Ich bin unglaublich gespannt auf dieses Buch und werde es ganz sicher schnellstmöglich lesen, wenn es erschienen ist. 

"Ein wenig Leben" - Hanya Yanagihara 
Erscheinungsdatum: 30.01.2017

"Ein wenig Leben" handelt von der lebenslangen Freundschaft zwischen vier Männern in New York, die sich am College kennengelernt haben. Jude St. Francis, brillant und enigmatisch, ist die charismatische Figur im Zentrum der Gruppe – ein aufopfernd liebender und zugleich innerlich zerbrochener Mensch. Immer tiefer werden die Freunde in Judes dunkle, schmerzhafte Welt hineingesogen, deren Ungeheuer nach und nach hervortreten. "Ein wenig Leben" ist ein rauschhaftes, mit kaum fasslicher Dringlichkeit erzähltes Epos über Trauma, menschliche Güte und Freundschaft als wahre Liebe. Es begibt sich an die dunkelsten Orte, an die Literatur sich wagen kann, und bricht dabei immer wieder zum hellen Licht durch.

Dieses Buch ist mir 2016 in der englischen Ausgabe gefühlt überall begegnet und ich kann es nicht abwarten, zu erfahren, warum so viele davon schwärmen. Ich habe das Buch zur Rezension bereits erhalten und freue mich schon sehr auf das Leseerlebnis. 

"The Hate U Give" - Angie Thomas 
Erscheinungsdatum: 28.02.2017

Sixteen-year-old Starr Carter moves between two worlds: the poor neighborhood where she lives and the fancy suburban prep school she attends. The uneasy balance between these worlds is shattered when Starr witnesses the fatal shooting of her childhood best friend Khalil at the hands of a police officer. Khalil was unarmed.

Soon afterward, his death is a national headline. Some are calling him a thug, maybe even a drug dealer and a gangbanger. Protesters are taking to the streets in Khalil’s name. Some cops and the local drug lord try to intimidate Starr and her family. What everyone wants to know is: what really went down that night? And the only person alive who can answer that is Starr.

But what Starr does—or does not—say could upend her community. It could also endanger her life.

Ein Jugendbuch über die Black Lives Matter-Bewegung? Von einer schwarzen Autorin? Her damit. Ich glaube, damit ist alles gesagt. 

Allegedly - Tiffany D. Jackson
Erscheinungstermin: 24.01.2017 

Mary B. Addison killed a baby.

Allegedly. She didn’t say much in that first interview with detectives, and the media filled in the only blanks that mattered: a white baby had died while under the care of a churchgoing black woman and her nine-year-old daughter. The public convicted Mary and the jury made it official. But did she do it?

There wasn’t a point to setting the record straight before, but now she’s got Ted—and their unborn child—to think about. When the state threatens to take her baby, Mary’s fate now lies in the hands of the one person she distrusts the most: her Momma. No one knows the real Momma. But does anyone know the real Mary?

Hier werde ich wohl zunächst die ersten Rezensionen abwarten, aber die Grundidee klingt sehr spannend, finde ich. 

American Street - Ibi Zoboi
Erscheinungstermin: 14.02.2017

On the corner of American Street and Joy Road, Fabiola Toussaint thought she would finally find une belle vie—a good life.

But after they leave Port-au-Prince, Haiti, Fabiola’s mother is detained by U.S. immigration, leaving Fabiola to navigate her loud American cousins, Chantal, Donna, and Princess; the grittiness of Detroit’s west side; a new school; and a surprising romance, all on her own.

Just as she finds her footing in this strange new world, a dangerous proposition presents itself, and Fabiola soon realizes that freedom comes at a cost. Trapped at the crossroads of an impossible choice, will she pay the price for the American dream?

Poetisch, mit Vodoo-Elementen in Magical Realism abdriftend und Immigrationserfahrungen? Count me in. 

"Midnight Without A Moon" - Linda Williams Jackson 
Erscheinungstermin: Januar 2017

It’s Mississippi in the summer of 1955, and thirteen-year-old Rose Lee Carter can’t wait to move north. But for now, she’s living with her share cropper grandparents on a white man’s cotton plantation. 

Then, one town over, a fourteen-year-old African American boy, Emmett Till, is killed for allegedly whistling at a white woman. When Till’s murderers are unjustly acquitted, Rose realizes that the South needs a change... and that she should be part of the movement. 

Linda Jackson’s moving debut seamlessly blends a fictional portrait of an African American family and factual events from a famous trial that provoked change in race relations in the United States.

Die Amerikanische Bürgerrechtsbewegung ist eines meiner Herzensthemen in der Geschichte. Nicht verwunderlich also, dass ich dieses Buch auch auf meine Wunschliste setzen musste. 

"History Is All You Left Me" - Adam Silvera
Erscheinungstermin: Februar 2017

You’re still alive in alternate universes, Theo, but I live in the real world where this morning you’re having an open casket funeral. I know you’re out there, listening. And you should know I’m really pissed because you swore you would never die and yet here we are. It hurts even more because this isn’t the first promise you’ve broken.

OCD-afflicted seventeen-year-old, Griffin, has just lost his first love – his best friend, ex-boyfriend and the boy he believed to be his ultimate life partner – in a drowning accident. In a desperate attempt to hold onto every last piece of the past, a broken Griffin forges a friendship with Theo’s new college boyfriend, Jackson. And Griffin will stop at nothing to learn every detail of Theo’s new college life, and ultimate death. But as the grieving pair grows closer, readers will question Griffin's own version of the truth – both in terms of what he’s willing to hide, and what true love ultimately means...

Ein queerer Protagonist mit Zwangsstörungen - wer von heterosexuellen, "gesunden" Protagonist*innen gelangweilt ist oder sich unterrepräsentiert fühlt, sollte hier auf jeden Fall noch einen Blick draufwerfen. Ich werde es garantiert im Auge behalten. 

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So weit, so gut. Worüber ich noch nichts finden konnte, was aber auch Ende 2016/Anfang 2017 erscheinen soll(te), ist eine Gedichtsammlung von Warsan Shire. Danach werde ich ebenfalls regelmäßig Ausschau halten. Aber auch so können wir uns erstmal auf einige interessante Neuerscheinungen freuen. 

Worauf freut ihr euch im nächsten Jahr besonders? Ist bei den von mir vorgestellten Büchern auch etwas für euch dabei? 
Was mich auch interessieren würde - habt ihr euch ebenfalls vorgenommen, vielfältiger zu lesen? Wenn ja, was befindet sich so auf eurer "Diversity"-Liste?

Falls ich in diesem Jahr nicht mehr schreiben sollte, wünsche ich euch einen wunderbaren Rutsch ins neue Jahr! Lasst es euch gut gehen. 

12/18/2016

[Rezension] "Into White" - Randi Pink


Into White - Randi Pink - Feiwel & Friends - 288 S. - ca. 16€ - ISBN 978-1250070210
Trigger Warnung: Sexueller Missbrauch, Rape Culture, Essstörung

When a black teenager prays to be white and her wish comes true, her journey of self-discovery takes shocking--and often hilarious--twists and turns in this debut that people are sure to talk about.
LaToya Williams lives in Birmingham, Alabama, and attends a mostly white high school. She's so low on the social ladder that even the other black kids disrespect her. Only her older brother, Alex, believes in her. At least, until a higher power answers her only prayer--to be "anything but black." And voila! She wakes up with blond hair, blue eyes, and lily white skin. And then the real fun begins... via

Schon lange habe ich kein Buch mehr zum Erscheinungstermin bestellt und gelesen, das keine Fortsetzung ist. Als ich über „Into White“ gestolpert bin, war es an der Zeit, so ein Wagnis mal wieder einzugehen. Ein schwarzes Mädchen, das quasi über Nacht weiß wird, weil sie es nicht aushält, schwarz zu sein? Klang nach einem Buch, das mir gefallen könnte. 
Dennoch hatte ich Startschwierigkeiten. Eines darf man beim Lesen nicht zu genau nehmen und einfach akzeptieren: Der „christliche Gott“ und vor allem Jesus existieren. Jesus erscheint sogar öfter mal. Als er am Anfang des Buches seinen ersten Auftritt hat, war ich gelinde gesagt skeptisch. Er taucht auf, schnackt ein paar Takte mit LaToya, macht sie für alle außer ihre Familienmitglieder (damit es nicht zu kompliziert wird, ha) weiß und verschwindet wieder. Danach habe ich das Buch erstmal beiseitegelegt. Aber wenn man sich erstmal auf die Prämisse eingelassen ist, ist sie sogar ziemlich lustig. Ich meine, der Gedanke ist so trashig und absurd, dass er schon wieder irgendwie cool ist. An einer Stelle fährt Jesus einen alten Saab, in dem Twilight-Romane liegen und die beiden führen ein Gespräch über die Bücher. Das und weitere Jesus-Szenen haben mir die Lektüre im Nachhinein doch sehr versüßt. Allerdings spielt die ganze Hautfarbwechsel- und Jesussache eher eine nebensächliche Rolle. Toya wird schnell geglaubt, sie fügt sich auch schnell wieder in ihre Highschool als andere Person ein und große Probleme hat sie dadurch erstmal nicht. Konzentriert hat sich das Buch vielmehr auf das Schwarzsein bzw. Weißsein an sich und Toyas Beziehung zu ihrem Umfeld, vor allem zu ihrem Bruder. Die Bruder-Schwester-Beziehung fand ich sehr berührend. Es gibt zwar auch eine Liebesgeschichte, doch die war in meinen Augen eher deplatziert; eine Geschwister- und Freundschaftsgeschichte hätte mir absolut gereicht. 

Aufgefallen ist mir, dass die weißen Charaktere im Buch überhaupt nicht gut wegkommen. Zunächst einmal hat mich das etwas gestört, weil sie so überzeichnet und klischeebehaftet sind. Allerdings finde ich das im Nachhinein ganz schön interessant gelöst, denn sind es in Büchern, in denen die Mehrheit der Charaktere Weiße sind, nicht die schwarzen Figuren, die oftmals auf Klischees reduziert werden? In dem Fall wurde der Spiegel auf spannende, aber erstmal sehr undurchschaubare Art und Weise vorgehalten. Die Beziehung von Toyas weißem Ich zu den weißen Mitschüler*innen hat außerdem zu Anfang sehr gut deutlich gemacht, wie Mitläufertum funktionieren und wie stark es sein kann. 

Neben diesen inhaltlichen Aspekten habe ich mir ganz viele Stellen markiert, in denen Rassismen kritisiert wurden und die ich im ganzen Buch mitunter am wichtigsten fand, da diese Gedankengänge so auch ein jüngeres Publikum ansprechen und aufklären. Es ging um Dinge wie „talking black“/ „talking white“ (und wie das eine als besser angesehen wird), Medien, Magazine und auch Läden, die für ein weißes Publikum ausgelegt sind, um Fälle von Alltagsrassismus selbst unter Akademikern (Ärzten usw.), um die Nutzung des N-Wortes, um gemischte Beziehungen oder auch darum, dass es egal ist, ob du ein gut verdienender und geringverdienender schwarzer Mensch bist, da du so oder so in eine Schublade gesteckt wirst. Neben diesen rassismusrelevanten Themen wurde aber auch Sexismus, sowie Rape Culture aufgegriffen und dessen Mechanismen aus Sicht von LaToya auf eine wichtige Art und Weise verdeutlicht. 
Was ich hierbei schade fand, ist, dass die Autorin an einigen Stellen dennoch selbst sexistisch und problematisch ist. Teilweise werden Geschlechterklischees bedient und Essstörungen als nicht „real diseases“ abgetan. Ohne diese Stellen hätte mir das Buch noch besser gefallen. 

Der Schreibstil und generell das Buch insgesamt richtet sich deutlich an ein junges, jugendliches Publikum. Es werden viele alltags- und jugendsprachliche Begriffe verwendet, die Kapitel sind kurz und auch inhaltlich geht vieles nicht in die Tiefe, sondern wird nur angerissen. Allerdings denke ich, dass das für ein jüngeres Publikum ein sehr geeignetes Maß ist; für mich, die sich schon etwas in der Thematik auskennt, war es an vielen Stellen zu wenig. Das Englisch war demnach aber auch sehr gut verständlich und ist auch für Leser*innen geeignet, die sonst nicht viel oder oft auf Englisch lesen. Lediglich ein paar der alltags- und jugendsprachlichen Begriffe könnten kleine Stolpersteine sein. 

Insgesamt war „Into White“ eine interessante, unterhaltsame und lehrreiche Lektüre, die ich vor allem einem jüngeren Publikum sehr ans Herz legen kann. Neben der trashigen Einbindung von Jesus und der tollen Geschwisterbeziehung hat mir am besten gefallen, wie Alltagsrassismus thematisiert wurde. Mir persönlich war es nicht genug, doch Randi Pink hat trotz einiger Schwächen ein empfehlenswertes Jugendbuch geschrieben. Von mir gibt es 3 von 5 Sternen dafür.

★★★☆☆

12/17/2016

[Monatsrückblick] November 2016

Einen wunderschönen guten Tag, ihr Lieben! 
Ich melde mich etwas verspätet mit meinem Monatsrückblick zurück. Ich war dieses Jahr bei weitem keine sehr vorbildliche Bloggerin, aber meine Monatsrückblicke habe ich fleißig mit euch geteilt und so soll es auch weiterhin bleiben. Ich verkünde jetzt schon, dass ich mein Ziel von 50 Büchern in diesem Jahr aufgegeben habe. Ich dümpele grad mit 40 vor mich hin und lasse es dabei bewenden und verbringe den Rest des Jahres ohne gestresstes Lesen. Diese Entscheidung resultierte nicht zuletzt auch aus meinem eher mageren Lesestapel im November: 


Ich habe nur ein gefühlt richtiges Buch gelesen - Im Hause Longbourn. Nichts war in wenigen Minuten beendet und Hörbücher, wie Das Paket, welches ich im November gehört hab, sind auch nicht so wirklich befriedigend. 

Nichts - Janne Teller (144 S.) 
★★☆☆☆

Im Hause Longbourn - Jo Baker (448 S.) [Rezension]
★★★☆☆

Das Paket - Sebastian Fitzek (432 S.) 
★★★☆☆

Mit Das Paket habe ich meinen ersten Schritt ins Fitzek-Gefilde getätigt und hatte, das muss ich zugeben, sehr viel Spaß beim Hören. Allerdings bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass Fitzek die Colleen Hoover seines Genres ist. Es passiert etwas Dramatisches, Heftiges. Aber halt, das war noch nicht alles! Denn weil das nicht genug ist, passiert noch etwas viel Dramatischeres und Heftiges. Und das in einem Ausmaß, das die Geschichte eigentlich gar nicht gebraucht hätte. Die Unterhaltung war gut, aber kurzweilig. Nichts habe ich für ein Seminar gelesen, bevor es in die Theater-Inszenierung ging. Leider hat mir das Buch gar nicht gefallen. Ich fand das Gedankenspiel interessant und sicher kann man anhand dessen über vieles diskutieren und nachdenken, aber auch hier dachte ich mir wieder, dass eine gute Geschichte so viel abstrakte Heftigkeit gar nicht braucht. Mich hat es irgendwie auch an Spieltrieb von Juli Zeh erinnert, was ich ebenfalls nicht mochte. Sicher haben auch solche Bücher ihre Daseinsberechtigung, für mich sind sie allerdings nichts. 
Wie ich Im Hause Longbourn fand, könnt ihr gerne in der Rezension nachlesen.



Was meine Neuzugänge angeht, war auch der November wieder fleißig dabei. Zwei Bücher habe ich zum Rezensieren bekommen und ganze vier in einem offenen Bücherschrank entdeckt.


Ich gebe dir die Sonne geht im englischsprachigen Raum ja schon seit Ewigkeiten durch die Decke. Ich lese es gerade und kann den Hype absolut nachvollziehen. Adolf total habe ich mit grooooßer Skepsis angefragt. Ich bin eigentlich kein großer Fan von "Satire darf alles" (ja, darf sie, mag ich trotzdem nicht), allerdings mochte ich Moers' Stadt der träumenden Bücher so gerne, und wenn ein Mensch so etwas Geniales schreiben kann, muss dann nicht alles von ihm gut sein? Ich habe schon reingeschaut und sagen wir so - die Skepsis bleibt. Aber versuchen wollte ich es unbedingt. Die Bücherschrankfunde waren Krabat, Erzählungen von Gottfried Keller, Robinson Crusoe und Gullivers Reisen. Ich habe mich in die Ausgaben schockverliebt und musste sie einfach adoptieren; Klassiker kann man außerdem doch nie genug haben.



Tja, im Dezember ist bis jetzt lesetechnisch auch nicht so viel los gewesen. Wie gesagt, die Challenge habe ich aufgegeben und lese jetzt einfach in Ruhe vor mich hin, so weit die Uni es zulässt. Wie sieht es bei euch aus im Weihnachtsmonat? Seid ihr im Endspurtstress oder habt ihr eure Ziele sogar schon erreicht? Ich hoffe, ihr könnt den Dezember in allen Zügen genießen! 

12/15/2016

[Rezension] "Im Hause Longbourn" - Jo Baker

Im Hause Longbourn - Longbourn - Jo Baker - Penguin Verlag - 448 S. - 10,00€ - ISBN 978-3-328-10027-0
Ein Millionenpublikum liebt Jane Austens Stolz und Vorurteil. Doch keiner weiß, was sich in Küche und Stall des Hauses Longbourn abspielt: Hier müht sich die junge Sarah mit Wäsche und Töpfen ab, immer noch hoffend, dass das Leben mehr für sie bereithält. Ist die Ankunft des neuen Butlers James ein Zeichen? Während Elizabeth und Mr. Darcy von einem Missverständnis ins nächste stolpern, nimmt in Longbourn noch ein anderes Liebesdrama seinen Lauf – denn James hütet ein großes Geheimnis.
Jo Baker erzählt Jane Austens bekanntesten Roman neu: aus Sicht der Dienstboten. Und zeigt, dass deren Dramen jenen der Herrschaften in nichts nachstehen. via

Eine Vorliebe von mir steht in komplettem Widerspruch zu meinen Ansichten: meine Leidenschaft für Adelsgeschichten, insbesondere die Regency-Epoche, in der auch Jane Austens und Julia Quinns Romane angesiedelt sind. Nicht mehr Regency, aber dennoch vergleichbar ist wohl die Serie Downton Abbey und noch einiges mehr, was ich in diese Richtung hin und wieder gern lese und gucke. Der Widerspruch manifestiert sich dadurch, dass ich doch eigentlich ein Mensch bin, der mit Klassismus nichts anfangen kann. Während andere von goldenen Zwanzigern schwärmen, denke ich an die Segregation und den Rassismus zu der Zeit. Genauso ambivalent denke ich auch über die erwähnten Bücher. Was ist mit den Dienstboten und generell der Unterschicht, die benachteiligt wurde? Ebendieser Gedanke hat mich dazu animiert, "Im Hause Longbourn" lesen zu wollen, denn genau das wird in diesem Roman aufgegriffen. Den Gesichtslosen wird eine Stimme gegeben. 

Mir hat von Anfang an gefallen, wie gekonnt die Geschichte um die Dienstboten in "Stolz und Vorurteil" eingebunden ist. Die Handlung des Ursprungswerks wird aufgegriffen und ergänzt. Hier hat die Autorin einige Freiheiten genutzt und dem Vater der Familie eine Geschichte zuteil werden lassen, die vielleicht nicht jeden Fan zufriedenstellen wird. Mir haben die hinzugedichteten Aspekte sehr gut gefallen. Sie waren stimmig und haben sich gut in die Handlung eingefügt. Generell war auffällig, dass die Autorin wirklich gut recherchiert hat. Das Leben der Dienstboten scheint sehr realistisch dargestellt. Es werden auch politische Themen wie der Spanische Bürgerkrieg aufgegriffen (- aber leider nur angerissen). Gleichzeitig wird an Strukturen bereits Kritik geübt. Nicht nur Sarah, die Protagonistin, vertritt teilweise eher sozialistische und feministische Ansichten. Diese Begriffe werden natürlich nicht erwähnt, doch ich habe mich dennoch nicht selten gefragt, ob das wohl so akkurat ist, Personen aus der Zeit solche Denkmuster zuzuschreiben - oder ob das nicht eben Wunschdenken aus heutiger Sicht ist. Vielleicht geht da aber auch einfach wieder die Historikerin mit mir durch. Solche Problematiken sind mir ja durchaus bewusst, wenn ich einen historischen (Liebes-)Roman lese.

Den Schreibstil Jo Bakers habe ich als sehr bildlich und detailliert wahrgenommen. Orte und Tätigkeiten werden sehr anschaulich beschrieben und die Charakterzeichnungen sind interessant, wenn auch durchgehend unausgereift und zu blass. Die Kapitellängen und die Einstiege in die Kapitel mit einem Zitat aus dem Originalwerk waren sehr angenehm zu lesen. Leider empfand ich das Ende als zu abrupt, wenn auch stimmig. Insgesamt hatte das Buch ein paar Längen; einige Seiten weniger hätten der Geschichte auch keinen Abbruch getan. Dennoch hat es mich gut unterhalten und mich für kurze Zeit in eine andere Welt abgeholt - eine, die mir aus "Stolz & Vorurteil" zwar bekannt ist, nicht aber aus dieser Perspektive. Demnach hat sich die Lektüre für mich gelohnt, auch wenn sie keine außerordentliche ist.  


Dieses Buch eignet sich mindestens für jeden Fan von "Stolz & Vorurteil", aber auch für jene, die sich in dieser Epoche wohlfühlen und sie mal aus einer 'Unterschichtperspektive' mitbekommen wollen. Das Buch geht nie zu sehr in die Tiefe und die Lektüre ist recht kurzweilig, aber unterhaltsam. Von mir bekommt es gute 3 von 5 Sternen.  

★★★☆☆

11/13/2016

[Gedanken] Neue Kategorie

Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. 

Was ich euch damit sagen will? Ganz einfach: wir sind alle nicht frei von Strukturen und Mechanismen. Damit meine ich zum Beispiel Rassismus. Ich denke, die Mehrheit der Leute, die man so fragt, wird sagen, dass Nazis natürlich scheiße sind. Dass Rassismus scheiße ist. Dass sie keine Rassisten sind. Das ist schön und das ist gut, aber damit ist die Sache nicht erledigt. 
Wir leben in einer Gesellschaft, die von Strukturen geprägt ist, die bestimmte Menschengruppen benachteiligt. Wir können uns dem gar nicht entziehen, dass wir gewisse Denkweisen und Handlungsmuster verinnerlichen, da als 'normal' gelten. Bis wir anfangen, uns zu reflektieren. Und damit weitermachen, immer wieder. Bis wir ein Bewusstsein dafür haben, dass gewisse Dinge falsch sein können und diese hinterfragen. 

Bewusstsein ist mein Stichwort. 

Nicht erst seit den jüngsten US-Wahlen habe ich das Gefühl, ein Ventil zu brauchen, den Drang, etwas zu tun. Aufzuklären. Über Themen, die vielleicht nicht jedem Menschen bekannt sind, weil sie schlicht und einfach noch nicht damit zu tun hatten. Hier möchte ich Abhilfe schaffen und das Bewusstsein für gewisse Themen stärken. 
Zu diesen Themen zählen für mich neben Rassismus auch Sexismus (/Feminismus), Ableism(us), (weiße) Privilegien und vieles mehr. Es sind Themen, mit denen ich mich beschäftige und Themen, die mir am Herzen liegen. Außerdem sind es Themen, bei denen ich selbst unter Buch-Menschen, die ich ansonsten für die liebsten überhaupt halte, fehlendes Wissen bemerke. Das ist auch einer der Gründe, weshalb ich diese Kategorie auf meinem Buchblog etablieren werde und nicht auf einem separaten Blog. Zum einen möchte ich, wie gesagt, auch explizit in "meiner" Community ansetzen. Und zum anderen ist dieser Blog für mich von Anfang an wie ein (Bücher-)Tagebuch gewesen, der an erster Stelle mir dient. Wen es stört, dass mein Blog von nun an kein 'reiner' Buchblog mehr sein wird, kann ich nur bitten, dem Ganzen trotzdem eine Chance zu geben, aber festhalten kann und will ich niemanden. Ich denke aber, dass diese Themen gerade auch bei der Rezeption von Büchern mehr Beachtung bekommen sollten. Wie oft werden Bücher in den Himmel gelobt, in denen man von einer Beziehung liest, die eigentlich vollkommen missbräuchlich ist? Wie oft überlesen wir Vergewaltigungen? Wie oft fällt uns auf, ob Charaktere vielfältig sind, oder alle weiß, hetero und able-bodied? Wie oft werden Beeinträchtigungen genutzt, um eine Geschichte zu erzählen, die dann aber der Beeinträchtigung und den Betroffenen gegenüber überhaupt nicht akkurat ist? Wie oft werden Depressionen romantisiert? Titel, die mir spontan einfallen: Fifty Shades Of Grey, Zorn und Morgenröte, Ein ganzes halbes Jahr und es gibt sicherlich noch etliche, etliche mehr, die ich verdrängt habe. Übrigens - zwei von den genannten Büchern haben mich gut unterhalten. Aber mit meinem neu gewonnen Bewusstsein weiß ich diese Bücher anders zu rezipieren und empfehle sie auch nicht kommentarlos weiter. Man kann etwas mögen und sich gleichzeitig trotzdem dessen bewusst sein, dass es problematisch ist. 

Ich kann mir vorstellen, dass ich mit dem Vorhaben an sich und einigen Themen im Spezifischen anecken werde. Aber das nehme ich in Kauf. Ich bin - wie gesagt - selbst kein Mensch ohne "Sünde". Ich bin selbst noch im ständigen Lernprozess und werde sicher nicht lückenlos und einwandfrei über diese Themen schreiben können. Aber es ist mir ein Bedürfnis, einen Anfang zu machen. Und vielleicht bringt es auch gar nichts (oder eben nur, dass ich ein Ventil habe, was ja auch schon ein Nutzen ist), aber vielleicht sind auch ein oder zwei Denkanstöße dabei, die zu ein bisschen mehr Bewusstsein führen. Ich schrieb mir vor ein paar Tagen schon auf Instagram ein wenig was von der Seele und kann auch hier nur mit den gleichen Worten abschließen - wir sollten einfach alle versuchen, der beste Mensch zu sein, der wir sein können. 



Dies sind die Themen, die mir beim Brainstorming so durch den Kopf geschossen sind. Vor ein paar Minuten wurde sie schon wieder erweitert - ich bin im Moment wirklich voll mit Ideen und bin gespannt darauf, was sich daraus ergeben wird. Ich weiß noch nicht, ob ich wöchentlich oder zweiwöchentlich poste. Im Moment schweben mir auf jeden Fall Sonntage vor. Der Titel "Elifs 1x1" ist erstmal nur vorläufig. Falls ihr grad einen super coolen Geistesblitz habt, immer her damit. Oder falls euch Themen einfallen, die ihr ebenfalls gerne in der Kategorie sehen würdet, schreibt mir das ebenfalls gerne. 





Ich denke, das war es dann auch erstmal von mir. Ich wollte mich nicht in diese neue Thematik stürzen, ohne euch wissen zu lassen, was ich überhaupt vorhabe. Nun würde mich natürlich interessieren - was haltet ihr von dem Ganzen? Beschäftigt ihr euch mit diesen oder ähnlichen Themen auch sonst oder interessiert euch das eher nicht? Ist mein Input willkommen/überflüssig/unerwünscht? Oder gar etwas ganz anderes? Lasst es mich gerne wissen. Ich bin ehrlich mit euch - ich würde das Projekt auch dann starten, sollte es gar keinen Anklang finden. Das heißt aber nicht, dass mir völlig egal ist, wie meine Ideen bei euch ankommen. 
In diesem Sinne wünsche ich euch erstmal einen schönen Restsonntag und eine gute Woche. ❤